1. Startseite
  2. Sport
  3. Amateurfußball
  4. Landkreis Starnberg

SV Inning löst Führungskrise nach Spieler-Revolte - Ritzer kehrt als Abteilungsleiter zurück

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Christian Heinrich

Kommentare

Bekannt für Emotionalität: Christian Ritzer will bei den Fußballern des SV Inning wieder etwas bewegen. Diesmal strebt der waschechte Inninger den Posten des Abteilungsleiters an.
Bekannt für Emotionalität: Christian Ritzer will bei den Fußballern des SV Inning wieder etwas bewegen. Diesmal strebt der waschechte Inninger den Posten des Abteilungsleiters an. © Andrea Jaksch

Beim SV Inning gab es nach dem Aufstand der Mannschaft zuletzt viel Krach. Nun besetzt der Verein die Führung neu, mit einem waschechten Inninger.

Inning – In der Gemeinde Inning gibt es seit Tagen ein beherrschendes Thema: die Wahl der neuen Fußballabteilungsleitung am 18. Dezember. Schnell sprach sich unter den rund 4850 Seelen im Dorf herum, dass Christian Ritzer, Peter Rothamel und Michael Stürzer für die Posten des Spartenchefs, seines Stellvertreters sowie des Nachwuchsleiters kandidieren.

„Das ging rum wie ein Lauffeuer“, sagt Ritzer, der selbst verblüfft ist, wie sehr der Fußball die Welt am Ammersee noch in Aufregung versetzt. Sollte der 47-Jährige von den Mitgliedern gewählt werden, bekommt er den nächsten Posten beim SVI. Bisher war Ritzer Trainer, Berater und Sponsor.

Obwohl der selbstständige Unternehmer seit Jahren seine Zimmerei unaufgeregt und erfolgreich führt, war er als Coach eher für seine Emotionalität bekannt. Ritzer ist eine ehrliche Haut, die ungeschminkt ihre Meinung zu sagen pflegt, ohne darauf zu achten, was andere davon halten. Mit dieser Art gewann er unter den Schiedsrichtern nur wenige Freunde. In Inning genießt der Anwärter auf den Abteilungsleiter-Posten dagegen viele Sympathien. Seit sich nicht nur die Namen der Kandidaten, sondern auch ihre Pläne herumgesprochen haben, hat Ritzer „einen großen Aufschwung im Ort“ festgestellt. Viele wollen dabei sein, damit es bei den Fußballern wieder aufwärtsgeht, und bieten ihre Unterstützung an.

Das Trio Ritzer/Rothamel/Stürzer strebt nicht weniger als eine Restauration der gesamten Abteilung an. „Wir wollen geraderücken, was aus den Fugen geraten ist“, verkündet Ritzer. Gewankt hatte einiges, weshalb die Spieler der ersten Mannschaft vor ein paar Wochen eine veritable Revolution anzettelten. Nur eine Nacht brauchten sie, um Trainer Mathias Müller und Abteilungsleiter Markus Spiewok zu stürzen. „Da ist ein kleines Unwetter über Inning hereingebrochen“, sagt Christian Ritzer.

Der Grund für die atmosphärischen Störungen liegt für ihn klar auf der Hand: „Die Einheimischen ziehen sich zurück, und schon läuft’s aus dem Ruder.“ Dass auf das „Mia san mia“ am Ammersee gerade in Krisenzeiten gesteigerter Wert gelegt wird, ist nicht neu. Als die Erste einst unter ihrem damaligen Trainer Norbert Wagner zu straucheln begann, kursierten ähnliche Erklärungsmuster und der Ruf nach der Rückkehr zum Stil der 1980er-Jahre, als auf dem Inninger Rasen noch brachial malocht wurde. Anstelle des ortsfremden Übungsleiters übernahm Ritzer selbst das Kommando – und alles wurde wieder gut. Mit Power-Fußball stürmte das Team noch auf Tabellenplatz drei der Kreisklasse 1.

Was ihm als Coach glückte, versucht der 47-Jährige nun als Abteilungsleiter. Anders als Markus Spiewok, der zwar mit einer Inningerin verheiratet ist, aber unter die Rubrik „Zuagroaster“ fällt, ist Ritzer ein waschechter Inninger. Die Moden, die unter Spiewok am Ammersee Einzug hielten, passten deshalb für ihn wie ein Laptop in eine Lederhose: überhaupt nicht. Und er holt noch weiter aus: „Das Schlimmste, was passieren konnte, war, dass Pep Guardiola Trainer beim FC Bayern München geworden ist.“ Auf einmal sei in seinem Dorf über Tiki-Taka, falsche Neun und einen abkippenden Sechser diskutiert worden.

Nun warnt Ritzer zwar vor den Gefahren des modernen Fußballs wie einst der Pfarrer vor Konsum, Kommunismus und Coca-Cola. Der ehemalige Fahnenträger des Vereins ist aber auch klug genug, um zu wissen, „dass sich das Rad der Zeit nicht zurückdrehen lässt“. Die Generation, die jetzt in Inning Fußball spielt, sieht sich schon seit Jahren auf Youtube die Videos der coolsten Tricks von Ronaldo, Messi und Mbappé an. Eine Top Ten der robustesten Inninger Blutgrätschen ließe sie wohl völlig kalt. Ihre Freizeit widmet sie nicht mehr ausschließlich dem Fußball. Genauso wenig hat sie noch Lust darauf, für einen Saisonauftakt Anfang August ihren Sommerurlaub zu verlegen. Und auf einem Stoppelacker zu spielen, bereitet ihr so gar kein Vergnügen.

Dass es auf solche Phänomene Antworten braucht, dämmert Ritzer, wenn er auf seinen Nachwuchs schaut. Nur noch zwei Jugendmannschaften stellt der SVI alleine, also ohne die Unterstützung einer Spielgemeinschaft. Vor acht Jahren besetzte er von den G- bis zu den A-Junioren noch alle Teams. 150 Kinder und Jugendliche tollten einst über das Sportgelände, obwohl es schon damals denselben Eindruck hinterließ wie heute. „Wir haben halt keine goldenen Duschen“, stellt Ritzer klar. Die Ansprüche seien gestiegen. Aber vielleicht schafft gerade er es, das von vielen ersehnte neue Sportzentrum zu bauen. Zeit wird’s. VON CHRISTIAN HEINRICH

Auch interessant

Kommentare