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„Der Verein hat offenbar nicht das beste Image.“ Das ist für Trainer Peter Schmidt ein Grund, warum nur wenige Neuzugänge den Weg nach Gilching gefunden haben. 

Interview mit Gilchings neuem Trainer Peter Schmidt

„Wir wollen attraktiven Fußball spielen“

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Nach elf Jahren haben die Landesliga-Fußballer des TSV Gilching-Argelsried mit Peter Schmidt einen neuen Chef auf der Kommandobrücke. Der Starnberger Merkur sprach mit dem 36-jährigen Trainer vor dem Saisonstart über seine ersten Eindrücke und seine Erwartungen für die Zukunft.

Herr Schmidt, wie unterscheidet sich der TSV Gilching zu Ihren früheren Trainerstationen in Bayreuth, Neudrossenfeld und Deisenhofen?

Natürlich ist jeder Verein auf seine Weise anders. Was sie eint, ist ihr traumhaftes Sportgelände. Ich fühle mich hier bereits wie in meinem Wohnzimmer. Dort wo ich arbeite, möchte ich es auch schön haben. Was die Altersstruktur angeht, ist es in Gilching ein bisschen wie in Neudrossenfeld. Es gibt eine gute Mischung aus jungen und alten Spielern. Das war bei meiner letzten Station in Deisenhofen anders, da gab es fast nur junge Spieler.

Sie hatten ein halbes Jahr Zeit, sich auf die Aufgabe beim TSV vorzubereiten. Ist die Kaderzusammenstellung nach Ihren Wünschen gelaufen?

Leider haben wir nur wenige Neuzugänge für uns gewinnen können. Mit einem halben Jahr Vorlauf möchte man doch meinen, dass da mehr gehen müsste. Die Gründe sind vielschichtig. Mir ist aufgefallen, dass der Verein offenbar nicht das beste Image hat. Deshalb ist zum Beispiel Franz Rathmann auch nach Olching gegangen, am Geld lag es nicht. Wieso wir dieses Problem mit dem Image haben, müssen wir noch gemeinsam ergründen und uns selbst hinterfragen. Wir haben ja im Umkreis nicht viel Konkurrenz. Ein weiterer Grund ist, dass viele Spieler im Speckgürtel Münchens offenbar die Herausforderung der Landesliga nicht annehmen wollen und satt zu sein scheinen.

Ist es nicht doch auch eine Frage des Geldes?

Natürlich wissen gestandene Spieler, die einem in der Landesliga sofort weiterhelfen würden, was ihr Preis ist. Zudem gibt es davon nicht allzu viele. Es gibt aber leider auch genügend Spieler, die ihren Preis nicht richtig einschätzen können. Da fehlt mir oft die Selbstreflexion, gerade bei Spielern, die aus unteren Ligen kommen.

Kommen wir zu Ihrer Mannschaft. Müssen sich etablierte Akteure der vergangenen Jahre Sorgen um ihren Stammplatz machen?

Klar müssen sie sich Sorgen machen. Denn nur die Trainingsleistung zählt, wer auflaufen darf. Alles andere wäre ja auch unfair. Der eine oder andere Akteur soll verärgert gewesen sein, dass zukünftig statt zweimal dreimal unter der Woche trainiert wird. Ich erwarte von jedem, dass er versucht, ins Training zu kommen. Wenn es einer dennoch aus beruflichen Gründen nicht schafft, bin ich der Letzte, der kein Verständnis hat. Es sind ja alles keine Profis. In der Vorbereitung war ich mit der Trainingsbeteiligung sehr zufrieden. Einmal waren es nur 13, ansonsten immer deutlich mehr Spieler, die gekommen sind. Weniger als dreimal zu trainieren, kann ich mit meinem Trainerverständnis nicht vereinbaren.

Wie wird sich der Fußball an der Talhofstraße unter Ihrer Regie verändern?

Ich würde mir wünschen, dass wir attraktiven Fußball ohne viele lange Bälle spielen und damit noch mehr Zuschauer zu unseren Partien locken. Die Spieler haben aus meiner Sicht das Potenzial dazu. Der Schuss kann aber auch nach hinten losgehen, gerade bei Ballverlusten im Mittelfeld. Wir müssen sehen, wie es unter Wettkampfbedingungen funktioniert. Vielleicht muss ich nach ein paar Spielen Korrekturen vornehmen.

Gilching war in den vergangenen Jahren nicht unbedingt für spektakulären Offensivfußball bekannt.

Ich würde es mir nie anmaßen, meinen Vorgänger Wolfgang Krebs zu kritisieren. Er war in seiner langen Zeit beim TSV äußerst erfolgreich, und vor allem das zählt.

Präferieren Sie ein bestimmtes Spielsystem?

Meine Mannschaft spielt ein bestimmtes Grundsystem, das ich aber nicht verraten möchte. Das sollen die gegnerischen Trainer schon selbst herausfinden. Mir ist wichtig, dass die Spieler wissen, was sie machen müssen, und das sollte auf dem Spielfeld ohne Navi möglich sein. Deswegen auch dreimal Training in der Woche.

Was ist mit dem TSV in Ihrer ersten Saison möglich?

Es gilt wieder von Anfang an, Punkte gegen den Abstieg zu sammeln. Ich möchte keine Luftschlösser bauen. In der vergangenen Saison hat die Mannschaft gerade so die Klasse gehalten. Groß verändert hat sie sich in der Sommerpause nicht. Also muss man realistische Ziele ausgeben. Es kann wieder eine sehr harte Saison werden. Es sind einige junge Fußballer dazugestoßen. Mit Michael Freinecker und Lucas Häusler konnten wir junge Talente für uns gewinnen. Dazu kommen noch einige ehemalige U19-Spieler aus dem eigenen Nachwuchs. Für die ist der Sprung aber schon sehr groß von der U19-Kreisliga in die Herren-Landesliga. Wir müssen in den nächsten Jahren daran arbeiten, dass die Jugend von den Ligen her noch besser aufgestellt ist. Damit kann man viel erreichen.

Die größte Baustelle Ihrer Mannschaft scheint die Offensive zu sein.

Es ist tatsächlich nicht zu erwarten, dass wir in dieser Saison viele Schützenfeste feiern werden. Es fehlt uns einfach ein Knipser wie Ramon Adofo (pausiert, Anm. d. Red.), der aus dem Nichts ein Tor machen kann. Deshalb wird es wichtig sein, sich viele Chancen herauszuspielen. Irgendeiner geht dann schon rein.

Wie schätzen Sie die Liga an sich ein?

Sie dürfte mindestens so ausgeglichen besetzt sein wie in der letzten Saison. Es sind einige starke Aufsteiger dazugekommen, dazu noch Sonthofen aus der Bayernliga. Ich freue mich auf jedes Match, denn die Südwest-Gruppe kenne ich noch nicht so gut.

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