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Quirin Wiedemann nach Abschied: „Möchte nicht ausschließen, dass ich nach Gilching zurückkehre“

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Von: Christian Heinrich

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Jahrelang eine Konstante beim TSV Gilching: Abwehrspieler Quirin Wiedemann (l., im Duell gegen Kempten) war fester Bestandteil der Mannschaft, die den Sprung in die Landesliga schaffte. Nun zieht es ihn zurück zu A-Klassist Pentenried.
Jahrelang eine Konstante beim TSV Gilching: Abwehrspieler Quirin Wiedemann (l., im Duell gegen Kempten) war fester Bestandteil der Mannschaft, die den Sprung in die Landesliga schaffte. Nun zieht es ihn zurück zu A-Klassist Pentenried. © svj

Seit 2014 trug Quirin Wiedemann das Trikot des TSV Gilching-Argelsried. Beruflich kann er nicht mehr so häufig trainieren und wechselt deshalb in die A-Klasse.

Gilching – Als seine Kollegen plötzlich „Ermittlungen“ gegen ihn aufnahmen, wusste Quirin Wiedemann, dass er etwas in seinem Leben ändern musste. „Sie haben mich auf der Dienststelle gefragt, ob ich Bundesliga spiele, weil ich so oft nicht da war“, sagt der 26-Jährige in Erinnerung an so manche gut gemeinte Frotzelei. Dabei wussten natürlich alle nur zu gut, dass der Polizeiobermeister nicht beim FC Bayern München im Aufgebot stand, sondern lediglich beim Landesligisten TSV Gilching-Argelsried.

„Ich schaffe es von der Arbeit nicht mehr, dass ich öfter trainiere.“

Quirin Wiedemann.

Mit ganzer Hingabe engagierte sich der Außenverteidiger für den Verein, seit er im Sommer 2014 vom FC Phönix München zum damaligen Bezirksligisten wechselte. Wiedemann war nicht wegzudenken aus dem Kader, der zwei Jahre später mit ihm den Aufstieg in Deutschlands sechsthöchste Liga schaffte. Sein ehemaliger Trainer Wolfgang Krebs setzte auf ihn, obwohl der Polizist ständig Schichtdienst schob und nur einmal in der Woche zum Training erscheinen konnte. Aber wenn er ihn brauchte, dann war auf den ehrgeizigen Abwehrspieler immer Verlass. Unter Krebs galt deshalb: Wiedemann spielt immer.

Dieses Privileg büßte er unter dem neuen Coach Peter Schmidt ein. Wiedemann stellte sich dem neuen Übungsleiter zwar weiterhin zur Verfügung und beschaffte sich für die Wochenenden die nötigen Freigaben seines Arbeitgebers, aber er fand sich bei den Spielen dann immer öfter auf der Bank wieder und brachte es lediglich auf Kurzeinsätze. „Ich schaffe es von der Arbeit nicht mehr, dass ich öfter trainiere“, räumt Wiedemann ein. Er musste erkennen, dass sich Dienst und Sport nicht länger miteinander vereinbaren ließen. „Das funktionierte einfach nicht.“ Zumal sich auch sein Privatleben änderte, als er 2019 seine heutige Frau Chiara heiratete.

TSV Pentenried bemüht sich schon im Sommer um Quirin Wiedemann

Wiedemann zog schließlich die Konsequenzen und versetzte sich selbst zu Beginn der aktuellen Saison ins zweite Glied. Robert Brand war hoch erfreut, als er mit ihm einen erfahrenen Spieler gewann, der in der Lage war, die zweite Garnitur des Landesligisten in der Kreisklasse nach vorne zu bringen. Und Wiedemann war froh, dass er mit Brand einen Trainer fand, dessen vollstes Vertrauen ihm gewiss war. „Er ist wie der Papa der Mannschaft“, schwärmt er. Wo sonst findet sich sonst noch ein Übungsleiter, der am Sonntagmorgen die Semmeln noch persönlich bei seinen Fußballern vorbei bringt? Mit Brand fand er den Mentor, den er mit Krebs verloren hatte. „Er kümmert sich nicht nur auf dem Platz um dich, er ist auch sonst für dich da.“

Bei aller Geborgenheit, die er in der Reserve des TSV erlebte, konnte ihm aber auch Brand keinen Stammplatz garantieren. Auch der Trainer der zweiten Garde befindet sich gegenüber seinen Akteuren im Rechtfertigungszwang. Wiedemann war zwar einer der fittesten Spieler der Mannschaft, aber er schaffte es weiterhin nur einmal in der Woche ins Training, während die meisten seiner Teamgefährten regelmäßig erschienen. Irgendwie spürte auch Wiedemann, dass diese Situation Konfliktstoff in sich barg. Zumal er für das Jahr 2022 beabsichtigt, in Widdersberg ein Haus zu bauen. Da brauchte er nicht lange zu überlegen, als sich im vergangenen Sommer Pentenrieds Abteilungsleiter und Kapitän Michael Möhwald sowie Benjamin Gum mit ihm zusammensetzen, um seinen Wechsel zum TSVP in die A-Klasse zu arrangieren. „Ich habe zugesagt, dass ich zur Winterpause kommen kann“, sagt Wiedemann, obwohl ihm auch Angebote aus höheren Ligen vorlagen.

„Ich möchte nicht ausschließen, dass ich noch einmal nach Gilching zurückkehre.“

Quirin Wiedemann.

Am Ende war es jedoch keine Frage, nicht ans Römerfeld zurückzukehren. Wiedemann hatte dort als kleiner Bub das Fußballspielen gelernt, bis er 2007 mit zwölf Jahren zur FT Starnberg aufbrach. Die Freunde von einst, zu denen sein Kontakt nie abriss, sind noch heute da und erwarten sehnsüchtig den Heimkehrer. Dass der auch dort freilich kaum Zeit zum Trainieren hat, macht ihnen nichts aus. Denn ihr Spezi verfügt nicht nur über Format, sondern auch den nötigen Ehrgeiz. „Ich hoffe, ihnen helfen und vielleicht die Liga gewinnen zu können“, lautet Wiedemanns Vorsatz fürs neue Jahr.

Nach 15 Spielen liegt der TSV auf Rang zwei, nur vier Punkte von Tabellenführer SC Unterpfaffenhofen II entfernt. Allerdings ist Wiedemann noch viel zu jung, um seine Ambitionen gänzlich aufs Eis zu legen. „Ich möchte nicht ausschließen, dass ich noch einmal nach Gilching zurückkehre“, betont er. Nur eines dürfte klar sein: So sehr seine Berufskollegen auch ermitteln – in der Bundesliga werden sie ihn bestimmt nicht mehr aufspüren. (CHRISTIAN HEINRICH)

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