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Einen seiner größten Erfolge feierte Karl-Heinz Finsterer 1993 mit dem 2:1-Sieg des FC Starnberg gegen den TSV 1860 München im Grünwalder Stadion.

Aufgespürt - Was wurde aus Karl-Heinz Finsterer?

Von der B-Klasse in die Bayernliga

Er war der einzige Starnberger Trainer, dem nicht nur der Aufstieg, sondern auch noch ein ganz besonderes Kunststück gelang: Karl-Heinz Finsterer (heute 65) stieg 1992 mit der SpVgg Starnberg aus der Landesliga auf – und spielte dann mit dem FC Starnberg in der Bayernliga.

Starnberg – „Was für eine herrliche Zeit war das damals – mit den Visionen von Dieter Kurz und der sachlichen Arbeit von Rudi Hack. Und dazu eine fantastische Mannschaft und die liebevolle Art der Familie Kaltenecker“, schwärmt der Coach noch heute. Wobei beim Telefonat sofort auffällt, dass er beim Sprechen leichte Probleme hat. „Ich hatte vor fünf und vor sieben Jahren zwei Schlaganfälle“, erzählt der Mann, der einst wie ein Baum voranging, der wegen seiner Statur und seiner Optik immer wieder für Eishockey-Legende Erich Kühnhackl (oder zumindest dessen Bruder) gehalten wurde. Und immer gesund gelebt hat: „Ich war sogar Vegetarier“, verrät er.

„Finsterer, bitte...“ So meldete er sich Anfang der 1990er-Jahre, wenn ihn der Sportredakteur des Starnberger Merkur meist Freitagmittag vor dem Spiel anrief. Heute sagt er: „Ich kann zufrieden sein. Ich hab’s geschafft, ich habe überlebt. Es wird langsam, ich kann wieder einigermaßen sprechen. Ich habe allerdings noch Probleme beim Gehen und mit der linken Hand. Ich habe einen guten Arzt und hoffe, dass ich in einem halben Jahr wieder richtig fit bin.“ Und er fügt hinzu: „Wir werden alt.“

Es ist erstaunlich, wie offen Finsterer mit seinen Schicksalsschlägen umgeht. Dass er seit zwei Jahren alleine in Augsburg lebt, dass er sich von seiner Frau Elke getrennt hat, dass er sich bei einem schweren Skiunfall fünf Rippen gebrochen hat: Daraus macht „Charly“ kein Geheimnis. An seine Starnberger Zeit denkt er noch immer gerne zurück: „Ich habe sie genossen und geliebt, ich habe nur gute Erinnerungen.“

Zum Beispiel an den Aufstieg 1992, an die beiden Siege in der Bayernliga gegen den TSV 1860 München (3:2 am 15. September 1992 und 2:1 am 27. März 1993 im Grünwalder Stadion) und natürlich an eine überragende Mannschaft: „Die späteren Profis Michael Wiesinger und Dennis Grassow, die beiden Müller-Gessers, Peter Weiser, Kapitän Toni Schmidkunz, der Franzi Wiesheu, Routinier Jürgen Täuber oder Torwart Jürgen Haberl – das war schon eine ganz besondere Truppe, die eine großartige Kameradschaft ausgezeichnet hat.“ Eine Truppe, die er im Sommer 1991 als Nachfolger von Peter Grünberger (trainierte die SpVgg nach dem Abstieg 1990) übernommen hatte. „Ich kam von B-Klassist SV Mering, bei dem ich als Tabellenführer entlassen wurde. Da rief Dieter Kurz an, der damalige Starnberger Vorstand, und fragte, ob ich mir vorstellen könnte, die SpVgg zu trainieren.“ Finsterer zögerte nicht lange und sagte zu.

Es wurde eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte. Gleich in seinem ersten Jahr gelang ihm der Aufstieg in die Bayernliga, die damals dritthöchste deutsche Spielklasse. Mit Peter Weiser kam auch der Torschützenkönig der Landesliga Süd vom Starnberger See. Auch die zweite Spielzeit unter Finsterer wurde ein Riesenerfolg. Die „Seelöwen“ des neugegründeten FC Starnberg beendeten die Saison, in der sie beide Spiele gegen die Münchner Löwen, den späteren Meister, gewonnen hatten, auf einem starken achten Platz. Trotzdem hörte Finsterer, hauptberuflich Fachlehrer für Sport, Werken, technisches Zeichnen und Stenografie an den Hauptschulen in Merching und Dasing, im Sommer 1993 auf: „Es wurde einfach zu viel“, erinnert er sich. „Lehrer und viermal in der Woche Training: Das ging nicht mehr.“

Der Coach aus Rohrbach (Stadtteil von Friedberg) ging freiwillig und machte den Weg frei für Ex-Profi Florian Hinterberger, der zuvor die zweite Starnberger Mannschaft trainiert hatte. Finsterer coachte später noch den SC Fürstenfeldbruck, zwei Jahre die C-Jugend des FC Augsburg und zuletzt den FC Bad Wörishofen in der Bezirksliga. Sein ehemaliger Toptorjäger Weiser hatte ihn empfohlen. „Er ist leider der einzige ehemalige Starnberger, den ich noch mal getroffen habe – in der Reha. Er hatte einen Bandscheibenvorfall“, so Finsterer. 2004 war Schluss mit der Trainertätigkeit. Er arbeitete weiter an der Hauptschule in Bobingen – bis der erste Schlaganfall kam.

Heute ist Finsterer Pensionär, der dem Fußball noch immer verbunden ist: „Ich bin Mitglied beim FC Augsburg und schaute – bis zum Corona-Lockdown – Jugendspiele an. Auch beim 2:0 des FCA gegen Dortmund war ich im Stadion.“ Nun hofft der ehemalige Aufstiegscoach auf vollständige Genesung. Und auf privates Glück: „Ich habe zwei Töchter von 20 und 23 Jahren. Aber noch keine Enkel.“ Mit einem Schmunzeln fügt er an: „Ich warte drauf.“

Thomas Ernstberger

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