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Die Leiden eines Co-Trainers: Über das schlechte Spiel seiner Pollinger in Habach wird sich Ludwig Huber eigenem Bekunden nach die ganze Woche ärgern.

Ex-Bayernliga-Stürmer Co-Trainer in der Kreisliga

Angebot des SV Polling kam für Ludwig Huber „relativ überraschend“

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Ludwig Huber sagt gern über sich selbst, dass er nicht der Mann der großen Worte ist. Er hat auch nie die großen Sprüche gebraucht, weil er stets der Mann der großen Tore war.

Polling – Das Online-Portal „FuPa“ hat die Statistiken über ihn seit 2007 gesammelt: 149 Tore in 315 Partien für den BCF Wolfratshausen, die SpVgg Unterhaching II und den SV Raisting. Jedes zweite Spiel ein Treffer.

Doch nicht etwa in Kreisklasse oder Kreisliga: Huber überwand Torhüter in der Landesliga und der Bayernliga. Nun ist er 32. Im Grunde noch kein Alter zum Aufhören. Stürmer sind langlebige Wesen. Man braucht sich nur Konrad Berger anzuschauen. Der „1000-Tore-Konni“ aus dem Münchener Großraum, einer von Hubers Kaliber, traf zuletzt noch mit 46 Jahren in der B-Klasse für Murnau. Doch Ludwig Huber hat entschieden, dass es nun reicht und die Zeit gekommen ist für einen neuen Abschnitt.

Er macht jetzt Co-Trainer in Polling mit Robert Färber, drei Jahre lang sein Coach in Raisting war. Einer von Hubers Renommee hätte direkt einen Chefposten haben können. An Angeboten mangelte es nicht. Doch die Option „Polling“ gefiel ihm „definitiv am besten“. Nach Jahrzehnten im Amateurfußball reicht es Huber mit verplanten Wochenenden. Er ist zu Gunsten der Familie kürzergetreten. Jetzt gleich ein Trainerposten in Vollzeit – da hätte er auch gleich weiterkicken können. „Momentan kann ich mir nicht vorstellen, Cheftrainer zu sein“, betont der 32-Jährige. Wie die Lage in einem Jahr aussieht, vermag er nicht abzuschätzen. Der Einstieg mit all seinen Aufgaben in Polling gefällt ihm. Huber belegt so etwas wie einen Schnupperkurs für Trainer-Neulinge. Färber, der Erfahrene, zeigt ihm, was es im Alltag zu tun gibt, wie er mit Spielern zu reden hat. Mit Färber habe er „einen guten Cheftrainer, einen alten Fuchs“.

Ihr Engagement beim Kreisligisten war nicht abgesprochen. Das Angebot des SVP „kam relativ überraschend“, bestätigt Huber. Bereits nach knapp zwei Monaten hat Huber erkannt, in welch anderer Welt er sich befindet. Allein schon, „weil man sich draußen viel mehr ärgern muss“. Zu Aktiven-Zeiten regte er sich über schlechte Spiele einen Tag auf. Danach war’s wieder gut. Nun, mit der Verantwortung für elf Kicker und ihre Taten, beschäftigen ihn Auftritte wie das Horror-Spiel gegen Habach (1:5) die ganze Woche, privat und im Training. Gerade als Fußballer, der höherklassig unterwegs war, müsse er sich umgewöhnen. Seine Toleranz für Fehler stieg, auch wenn es in jeder Partie noch oft passiert, dass sich Huber denkt: Das wäre mir nie passiert.

Als größte Schwierigkeit sieht er den mentalen Aspekt. In die Köpfe der Spieler könne er nicht reinschauen. Für Aussetzer wie gegen Habach gibt es in der Kreisliga oft keine plausible Erklärung. Es bleibt ihm nur die Analyse. Erkennen, was falsch läuft, und daran arbeiten. Woche für Woche. „Das ist der Clou und unser Ziel“, erklärt der Co-Trainer. Irgendwann allerdings sollte das Team erfolgreich sein. „Immer nur verbessern, aber gleichzeitig verlieren geht auf Dauer nicht.“

Es sind Momente wie am vergangenen Samstag – viele Zuschauer, ein Super-Platz, schönes Wetter –, in denen Huber sich nach den alten Zeiten sehnt. „In solchen Partien würde ich gern wieder spielen“, sagt er. Doch an vielen anderen Tagen sei es schön, mit der Familie daheim zu sein. „Ich habe mich für den Weg entschieden und bin immer noch froh. Das ist gut so.“ Einen Ludwig Huber im Trikot des SV Polling wird es schon allein deshalb nicht geben, weil sein Pass in Raisting liegt. Doch selbst bei einer Bitte des SVR wird Huber nicht zurückkehren. Er stellt klar: „Das wird definitiv nicht passieren.“ ANDREAS MAYR

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