Seit einigen Wochen ein gewohntes Bild: Nach der Auftaktniederlage in Uffing fuhren die Egflinger zuletzt vier Siege in Folge ein.
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Seit einigen Wochen ein gewohntes Bild: Nach der Auftaktniederlage in Uffing fuhren die Egflinger zuletzt vier Siege in Folge ein.

Seit dem verpatzten Start ungeschlagen

ASV: Austrainiert, Solidarisch, Verschworen - Eglfing definiert Vereinsnamen neu

  • VonChristian Heinrich
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Der ASV Eglfing setzte seinen Saisonstart in den Sand. Ein wertvoller Weckruf? Seitdem ist die Mannschaft von Christoph Geißlinger unaufhaltsam.

Eglfing – Der Saisonauftakt ging in die Binsen. Mit 0:1 verlor der ASV Eglfing das Nachbarderby beim Kreisliga-Absteiger in Uffing. Im Nachhinein entfaltete die etwas unglücklich zustande gekommene Niederlage jedoch eine heilsame Kraft. „Vielleicht war dies das Richtige“, mutmaßt Christoph Geißlinger. Erfahren wird es der ASV-Trainer wohl nie. Aber die Indizien sprechen dafür.

Der Abstiegskandidat der vergangenen Jahre holte danach vier Siege in Serie und steht nun auf Tabellenplatz drei der Kreisklasse 3. „Es ist nicht so, dass ich sagen möchte, wir streben höhere Ziele an“, übt sich der Coach lieber weiterhin in Demut und Bescheidenheit. Welche Rolle seine Mannschaft in einer Liga wirklich spielen wird, in der jeden jeden schlagen kann, wird sich wohl erst im Oktober weisen.

Geißlinger kann bisher nur seine Schlüsse aus den vier Siegen der vergangenen Wochen ableiten. Den ASV Antdorf erledigte sein Team mit 2:0, dann quälte es sich zu einem glücklichen 2:1 bei der SG Oberau/Farchant. Gegen die Eisenbahner aus Penzberg war beim 3:1 wieder richtig Dampf im Kessel, und auch der FCK Schlehdorf wurde am Ende mit 4:1 plattgewalzt. Nach jedem Sieg wunderte sich der Coach darüber, wie die Gegner die Spiele interpretierten. Stets klagten sie über Verletzte, Urlauber oder angeschlagene Spieler. Geißlinger hingegen fragte sich, warum sich alle in Ausflüchte stürzten: „Ich kann nicht jede Woche jammern, das bringt doch nichts.“

Das Verhalten der Konkurrenz zu verstehen, fällt Geißlinger auch deshalb so schwer, weil er in diesem Sommer derartige Symptome überhaupt nicht kennt. Bereits sieben Wochen vor dem Saisonstart begann er mit der Vorbereitung. Erst nach sieben Trainingseinheiten setzte er das erste Testspiel an. „Es wurde vor allem auf die körperliche Fitness geschaut“, beschreibt er sein Programm. Zu Beginn des September stehen seine Kicker voll im Saft. Natürlich blieben sie nicht vor der einen oder anderen Blessur verschont, doch schwere Verletzungen blieben zur großen Erleichterung des Eglfinger Trainers bisher aus.

Das ist auch dem Eifer der gesamten Mannschaft zu verdanken. Zu den Trainingseinheiten finden sich regelmäßig zwischen 14 und 18 Akteure ein. Auch die angeschlagenen Spieler kommen zuverlässig, um wenigstens ein paar Runden zu drehen. Der große Zusammenhalt macht sich auch in dem Begegnungen bemerkbar. „Die Jungs ziehen super gut mit“, lobt Geißlinger die starke Gemeinschaft. „Jeder kämpft für jeden“.

Das klingt ein bisschen nach dem altehrwürdigen Sepp Herberger und der Elf-Freunde-Romantik. Der „Geist von Spiez“, der im Gewinn des WM-Titels 1954 gipfelte, wurde an der Keltenstraße zwar noch nicht gesichtet, aber die Mannschaft legt ein Sozialverhalten an den Tag, das im Landkreis Weilheim-Schongau wohl einzigartig ist. „Für einen Verein wie Eglfing ist das elementar wichtig“, betont Geißlinger. Weil der Kader mit 20 Mann nicht gerade üppig ist, verständigten sich die Eglfinger darauf, alle zur selben Zeit in Urlaub zu fahren.

Als Geißlinger die Ferienpläne seiner Kicker studierte, stellte er fest, dass just zum Spiel gegen den TSV Benediktbeuern sechs Akteure nicht da waren. Der Trainer sprach das Problem an, und die Mannschaft erklärte sich auf einmal solidarisch mit dem Verein. Sechs weitere Spieler legten ihren Urlaub bewusst so, dass auch sie ihre verdiente Erholung zum selben Zeitpunkt suchten, als die Partie gegen Benediktbeuern angesetzt war. Und so genügte es, nur diese eine Partie gegen den TSV abzusagen, die heute Abend auf der heimischen Sportanlage nachgeholt wird (19.30 Uhr), um schadlos durch den gesamten August zu kommen.

Weil der Trainer immer auf seinen kompletten Kader zurückgreifen konnte, führte der Weg in der Tabelle schnell nach oben. Nun zahlte sich die akribische Vorbereitung aus, denn die Kicker verfügten über die nötige Fitness, um auch in kritischen Phasen noch eine Schippe draufzulegen. Da es kaum Fehlzeiten im Training gab, gelang es Geißlinger auch, das neue Spielsystem einzustudieren, das deutlich defensiver ausgerichtet ist als das vorige und für enorme Sicherheit und Stabilität sorgt. Mit nur vier Gegentoren stellt der ASV die zurzeit drittbeste Abwehr. Allerdings wird nicht nur gemauert. Elf selbst erzielte Treffer sorgen auch beim eigenen Anhang für gute Stimmung. Schließlich sollen in einem kleinen Dorfverein ja alle auf ihre Kosten kommen. „Wir nehmen das Momentum mit, ohne irgendwelche Ansprüche zu stellen. Der Trainer hofft, dass sein Teamauch in den nächsten Partien weiter punktet. Und wenn es doch einmal eine Niederlage geben sollte – Geißlinger hat ja jetzt Erfahrung darin, wie sich ein Rückschlag in positive Energie verwandeln lässt.

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