Ein Tisch, ein Trikot, eine Idee: die Macher der SG H.A.I. (von links) Stefan Streicher (ASV Antdorf), Oliver Groß (TSV Iffeldorf), Dominik Üblacker und Jürgen Radiske (beide ASV Habach).
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Ein Tisch, ein Trikot, eine Idee: die Macher der SG H.A.I. (von links) Stefan Streicher (ASV Antdorf), Oliver Groß (TSV Iffeldorf), Dominik Üblacker und Jürgen Radiske (beide ASV Habach).

Heiß auf den Hai

ASV Habach, ASV Antdorf und TSV Iffeldorf schließen Jugend zusammen

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Der ASV Habach, der ASV Antdorf und der TSV Iffeldorf haben sich im Jugendbereich zu einer Spielgemeinschaft zusammengeschlossen. Die Vorteile überwiegen für alle drei Vereine.

Habach/Antdorf/Iffeldorf – Der Hai ist ein Tier des Meeres. Manche gehen sogar so weit und nennen ihn den König der Meere. Aber das ist dann auch ein bisschen hoch gegriffen. Jedenfalls haben sich in Habach einige Unterstützer des lokalen Fußballklubs gewundert, was denn den Hai plötzlich mit Rasen, Toren und Bällen verbindet. Am ehesten, scherzten sie, passt der Raubfisch noch zu den Schwimmern. Manche fragten gehässig: Seid ihr jetzt ein Schwimmverein?

Jürgen Radiske ist kein Biologe. Aber der Jugendleiter des ASV Habach hat die Aufklärungsarbeit im Ort übernommen. Die SG H.A.I. ist kein Scherz. Sie heißt wirklich so und sie vereint ab sofort Jugendfußballer aus Habach, Antdorf und Iffeldorf. Die Kinder nennen sich selbst schon die Haie. Wenn’s nach den Machern gegangen wäre, hätten sie einfach die Anfangsbuchstaben der drei Orte alphabetisch aneinander gereiht und die SG AHI gegründet. Fertig. Die C-Jugendlichen waren deutlich kreativer, sortieren die Lettern neu, bastelten mit einem Grafiker gleich ein Hai-Logo, das sich die Spielgemeinschaft schützen lassen hat. Die Kinder sind heiß auf den Hai. „Bissig“ könnte man sagen, scherzt Oliver Groß, Jugendleiter beim TSV Iffeldorf, und alle am Tisch lachen.

Idee zur SG H.A.I. hat Jürgen Radiske schon ein paar Jahre im Kopf

Es war kein großer Aufwand, sie an diesen Tisch zu bekommen, Radiske, Groß, Dominik Üblacker (auch vom ASV Habach) und Stefan Streicher, den die Kollegen als „Antdorfer Legende“ vorstellen. Es hat nur einige Zeit gedauert, bis die drei Klubs zueinander fanden. Die Idee von gebündelter Jugendarbeit hat schon ein paar Jahre im Kopf von Jürgen Radiske gelagert. Über ihn muss man eigentlich nur wissen, dass er 2020 in sein 40. Jahr als Fußball-Funktionär gegangen ist. Er hat Kooperationen mit Schlehdorf eingefädelt, bis die Fahrten zu weit wurden. Er hat Habach und Sindelsdorf geeint, obwohl sie damals an den Stammtischen sagten, dass man so was doch nie machen könne. Und auch in diesem Fall hat Radiske Weitblick bewiesen. „Für mich gibt es keine andere Lösung“, sagt er.

Radiske hat gesehen, wie die Kinder auf den Plätzen weniger werden, wie sich Männer-Mannschaften zusammenschließen, weil sie allein nicht mehr weiter wissen, wie manche Klubs ganz verschwinden. In Habach haben ihnen zuletzt die Kinder für eigene F- und E-Jugend-Teams gefehlt. Deshalb sagt der Jugendleiter: „Ich möchte jetzt die Weichen stellen für die Zukunft.“ Die Nachbarn aus Penzberg haben kürzlich eine vergleichbare Koalition verabschiedet. Die Zeit verlangt Fortschritt. Das sehen selbst die Älteren. In keinem Verein haben sie Barrikaden gegen das Projekt errichtet. „War nicht einmal ein großes Thema“, sagt Groß, der Iffeldorfer.

SG H.A.I.: 26 Trainer für 13 Mannschaften

Die Vorzüge überwiegen. Jeweils drei Kilometer trennen die Standorte. Die Kinder kennen sich aus der Grundschule, weil die Gemeinden einen Schulverbund bilden. Eine besonders ausgeprägte Rivalität existiert nicht unter den Klubs. Oliver Groß berichtet, dass sich die Macher nur einmal unterhalten haben, schon blühte die Idee auf. „Sehr unkompliziert“ sei’s gewesen, kurze Wege, kleiner Aufwand. Jeder Klub stellt zwei Vertreter, damit die Parität gewahrt bleibt. Vorige Saison begannen sie mit dem Zusammenschluss bei den Kleinfeld-Fußballern. „Pilotprojekt“ tauften sie es. Was soll man sagen: der Testlauf passierte alle Anforderungen. Zu manchem Auswärtsspiel fuhren mehr Eltern mit als Heim-Fans zusahen. Im Sommer schlossen sich die gesamten Jugendbereiche zusammen, 170 Kinder von den Bambini, die Jüngsten drei Jahre alt, bis zur U19.

Der Talent-Apparat hat eine beträchtliche Größe erreicht. 26 Trainer, elf mit Schein, betreuen 13 Mannschaften. „Echt Wahnsinn“, findet Dominik Üblacker, der designierte ASV-Chef. Die Version „Penzberg“, die einen Zusammenschluss nur im Großfeldbereich vorsieht, lehnten sie ab. „Wenn wir das machen, dann von oben bis unten“, betont Groß. Auf eine Ausstiegsklausel verzichten alle Seiten ebenfalls, auch wenn sie theoretisch jederzeit die Gemeinschaft auflösen können. Sie haben keine Wahl. Alleine, das haben sie gesehen, kentern sie und siechen dahin. „Dieses Modell war die einzige Möglichkeit“, stellt Oliver Groß dar. Das Konstrukt Jugendfördergemeinschaft (JFG) habe ihren Charme verloren. „Zu bürokratisch“, ergänzt Stefan Streicher.

Radiske: „Entscheidend ist, was oben ankommt“

So bissig sie daherkommen, sie wollen nicht mit den Großen, mit Murnau oder Geretsried, konkurrieren. „Wir sind kein Geretsried. Wir sind die Haie“, stellt Groß klar. Stattdessen setzen sie auf den Markenkern „Dorffußball“. Die Burschen vom Land. „Bei uns haben die Kinder keine Nummer sondern einen Namen“, sagt Groß. Das mag jetzt eine Prise zu viel Pathos sein, aber sonderlich mehr haben sie den größten Talenten nicht anzubieten, wenn die Jäger aus dem Umland die jungen Fußballer mit Bayern- oder Landesliga ködern. Die ersten Früchte ernte man. Einige umworbene Jugendliche haben sich für einen Verbleib entschieden. Ohne sie geht das Konzept nicht auf.

Am liebsten würden sie in jeder Altersklasse zwei Teams stellen, eines mit Ambitionen, eines für die weniger Ehrgeizigen oder Begabten. Doch zum Erreichen solcher Ziele dauert es Jahre. Für den Anfang sind die Macher bemüht, alle Stufen mit einer einzigen Auswahl zu besetzen. „Dann wäre ich schon glücklich“, sagt Üblacker. Sie pflanzen hier nicht Spinat an, der in ein paar Wochen reift, sondern Bäume. Da vergehen Jahre. „Entscheidend ist, was oben ankommt“, erklärt Radiske.

Spielgemeinschaft für Männerbereich (noch) kein Thema

Wer tatsächlich die Spieler übernehmen darf, ist noch nicht diskutiert. Radiske schließt vorsorglich eine Gemeinschaft für den Männerbereich nicht aus. Aber an dieses Thema wagt sich noch niemand heran. „Wir machen das Schritt für Schritt“, betont Üblacker, und dazu gehören auch halbjährliche Reports an die beteiligten Vereine, um die Einigkeit zu wahren. Die Kosten teilt man sich. Am Ende des Jahrs wird eine Bilanz aufgestellt und verrechnet. So steht es in einer Absichtserklärung. Die war übrigens in fünf Minuten aufgesetzt und wurde von allen unterschrieben.

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