Muss viel einstecken: Felix Habersetzer (im weißen Trikot, hier im Spiel gegen Polling im August vergangenen Jahres) hatte nach harten Attacken seiner Gegenspieler schon dreimal eine schwere Verletzung.
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Muss viel einstecken: Felix Habersetzer (im weißen Trikot, hier im Spiel gegen Polling im August vergangenen Jahres) hatte nach harten Attacken seiner Gegenspieler schon dreimal eine schwere Verletzung.

Radiske: „Der Felix verliert langsam die Lust“

ASV Habach: Felix Habersetzer wegen harten Gangart in der Kreisliga stark gefährdet

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Felix Habersetzer musste mehrmals in der Kreisliga wegen überhartem Einsteigen verletzt pausieren. Er mahnt die Schiedsrichter, dass Schlüsselspieler beschützt werden sollen.

Habach – Die Fotos von Markus Nebl sind gerade besonders begehrt. Der Habacher fotografiert beinahe jede Partie der ASV-Fußballer. Seine einmaligen Aufnahmen zeigen Spieler, die sich manchmal wie Kinder freuen, manchmal wie Gorillas aufplustern und manchmal wie eine entwurzelte Trauerweide am Boden liegen. Es gibt aber auch die Galerie des Schreckens, und die Fotos daraus hat beinahe jeder Habacher auf seinem Handy gespeichert. Zu sehen ist ganz oft Felix Habersetzer, der sich wahlweise auf dem Rasen wälzt oder sich auf dem Weg dorthin befindet.

ASV Habach: „Der Felix verliert langsam die Lust“

Seine Gegenspieler tragen ganz unterschiedliche Trikots. Mal das Kreuther Rot, mal das Waldramer Grün und mal das Pollinger Schwarz. Die letzte Szene ist übrigens vom vergangenen Wochenende in Polling. Aber das ist nicht das Thema. Es soll nicht um einzelne Vereine gehen, weil natürlich auch die Habacher wie alle hinlangen, und schon gar nicht um einzelne Gegenspieler, sondern um einen erschreckenden Trend, den die Habacher entdeckt haben: Felix Habersetzer, früher Regionalliga-Kicker beim FC Augsburg, lebt gefährlicher auf dem Feld als andere. Darunter leidet nicht nur der 26-Jährige, sondern genügend andere Ausnahmetalente oder früher hochklassig Aktive, die aus reiner Freude für ihren Heimatverein dem Ball nachjagen.

Jürgen Radiske ist Jugendleiter beim ASV Habach, aber auch ständiger Zuschauer und Beobachter. Ihm ist aufgefallen: „Schon im letzten Jahr war das extrem.“ In einem Auswärtsspiel, wir nennen hier bewusst nicht den Gegner, „haben sie ihn dreimal aus den Socken geholt“, selbst die Zuschauer hätten die harte Gangart gegen den Ausnahmespieler auf Kreisliga-Level moniert. Uli Feigl, Abteilungsleiter beim ASV, stuft einige Aktionen der vergangenen Wochen und Monate als Tätlichkeiten ein. Kollege Radiske sagt: „Der Felix verliert langsam die Lust.“

Felix Habersetzer oftmals wegen harten Fouls verletzt

Seit fünf Jahren spielt Habersetzer wieder für Habach. Er hat sich in dieser Zeit dreimal schwer verletzt, drei Bänderrisse, zwei im Außenband – und in keinem Fall passierte das zufällig, es war immer ein Gegenspieler beteiligt. Der Riss im Syndesmoseband hat ihn Monate vom Sport abgehalten. Beim Bergsteigen meldet sich das lädierte Band heute noch. Bei der Rückkehr 2015, sagt Habersetzer, habe er nicht gedacht, „dass es so krass wird“. Aus der Regionalliga war er Schiedsrichter gewohnt, die grobe Fouls direkt mit gelben Karten ahnden. Die Offiziellen der Kreisliga fahren eine eher legere Linie. „Rote Karten gibt es in der Liga eigentlich überhaupt nicht“, moniert Habersetzer.

Uli Feigl vermutet, dass viele Referees die Berichte scheuen, die sie nach einem Platzverweis schreiben müssen. Überhaupt zögern sie zu lange mit Karten, findet er. „Ich muss auch mal in der zweiten Minute Gelb geben. Sonst arten die Spiele aus.“ Habersetzer versteht die Schiedsrichter, weiß um ihren „schwierigen Job“ in der Kreisliga, in der sie allein ohne Assistenten an der Linie entscheiden. „Kein Vorwurf, die haben bloß zwei Augen.“ Trotzdem gehörten Spieler, die technisch überlegen oder viel schneller für ihr Niveau sind, geschützt. „Das muss passieren.“

ASV Habach: Schiedsrichter müssen Spieler schützen

In Klemens Wind findet er einen wichtigen Unterstützer im Referee-Lager. Der Chef der Gruppe Weilheim betont: „Der Schiedsrichter muss erkennen, wer zu schützen ist.“ Schlüsselspieler heißen sie im Jargon. Das steht zwar nicht in den Regeln, gehört aber in der Ausbildung junger Referees zur gängigen Praxis. An Lehrabenden, so handhabt es Wind, werde von der A-Klasse an „klipp und klar“ auf das Thema hingewiesen. „Ein Schiedsrichter in der Kreisliga sollte schon erkennen, wo ein besonders guter Spieler spielt“, findet der Schiri-Chef. Er hält es für selbstverständlich, dass Kicker bei groben Vergehen oder auch bei gezielten Attacken vom Platz fliegen. Bericht hin oder her. Als Hauptproblem hat er das Ein-Mann-System ausgemacht. Für die schnelle und körperbetont spielende Kreisliga reiche ein Schiedsrichter schon lange nicht mehr aus. „Ich sage immer: Nicht die Landes- oder die Bezirksliga, sondern die Kreisliga ist schwierig zu leiten.“ Bei dem Tempo sei es „unmöglich, alles zu sehen“.

Was können nun die Vereine machen? Wind rät zu einem kurzen, sachlichen Gespräch in entspannter Atmosphäre vor dem Spiel. „Der Schiedsrichter nimmt das auf.“ Kreisobmann Michael Kögel verweist auch auf die Kollegen, die viele Zeitungsberichte in Vorbereitung auf Partien lesen. „Wenn das über die Medien durchgeht, kriegt das die Gruppe mit.“ Die Habacher wollen die Lage in der Stadionzeitung thematisieren. Habersetzer versucht, Bälle künftig früher zu passen, Zweikämpfe zu vermeiden. „Ich hab’ nichts gegen Härte, Fouls gehören zum Fußball dazu“, sagt der Flügelflitzer. Mutwillige Aktionen dagegen nicht. In Habach, das ist eigentlich ein ganz witziger Vorschlag, würden sie es begrüßen, wenn die Gegner lieber am Trikot ziehen, wenn Habersetzer ausbüxt. Das wäre auf jeden Fall deutlich weniger schmerzhaft.

(ANDREAS MAYR)

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