Schlechte Laune in Gummistiefeln: Für Interimstrainer Richard Hartmann läuft es in Habach noch nicht rund. Der Kreisligist hat aber seit langer Zeit einen ausgedünnten Kader.
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Schlechte Laune in Gummistiefeln: Für Interimstrainer Richard Hartmann läuft es in Habach noch nicht rund. Der Kreisligist hat aber seit langer Zeit einen ausgedünnten Kader.

Hartmann hat seine Leidenschaft gefunden

Richard Hartmann beim ASV Habach - Doch mehr als nur ein Aushilfsjob?

  • vonRoland Halmel
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Richard Hartmann ist in der Not eingesprungen und hat dem SV Polling geholfen. Momentan ist er beim ASV Habach und will die Mannschaft länger trainieren.

Habach – In der Saison 2018/19 sprang er für sieben Spiele als Aushilfscoach beim SV Polling ein. Seit Anfang Oktober ist Richard Hartmann als Feuerwehrmann beim ASV Habach im Einsatz. Beim amtierenden Vizemeister der Kreisliga 1 lief es nach dem Re-Start alles andere als rund. Woran das lag und wie es in Habach weitergeht, verriet das 63-jährige Trainer-Urgestein im Interview mit Roland Halmel.

Herr Hartmann, Sie sind sehr kurzfristig zu dem Trainerengagement in Habach gekommen. Wie haben Sie die paar Wochen bis zur Winterpause an der Seitenlinie erlebt?

Am Freitag habe ich den Anruf bekommen und am Samstag war das Heimspiel gegen Lenggries. Da lagen wir 3:0 vorn, um dann nach einer guten Stunde innerhalb weniger Minuten drei Gegentore zum 3:3-Endstand zu kassieren. Wenn wir das Spiel gewonnen hätten, wäre alles Friede, Freude Eierkuchen gewesen und es wäre danach anders gelaufen.

Woran lag es aus Ihrer Sicht, dass die Mannschaft nach dem Re-Start regelmäßig Führungen in der zweiten Hälfte oder am Ende aus der Hand gegeben hat?

Vielleicht haben die Jungs durch die lange Corona-Pause beim Ausdauertraining etwas geschludert. Ein Grund waren aber auch die vielen verletzten Stammkräfte. Da hat einfach nicht mehr so viel Qualität auf dem Platz gestanden wie zuvor. Es könnte natürlich auch daran liegen, dass die letzte Saison sehr gut gelaufen ist und alle gedacht haben, es geht schon irgendwie. Am schlimmsten waren aber die guten Ergebnisse aus der Vorbereitung mit beispielsweise dem klaren Sieg gegen den Landesligisten Bad Heilbrunn. So etwas ist richtig gefährlich.

Das Verletzungspech hat den ASV in diesem Jahr mit voller Wucht erwischt. Das kann wohl kein Kreisligist so einfach wegstecken, oder?

Das ist richtig. Ich hatte beim Ligapokal-Spiel Mitte Oktober in Lenggries neun Ersatzleute dabei. Da hast du keine Chance und es macht auch keinen Spaß. Im Training hatte ich zum Teil nur sieben Mann. Was willst du da trainieren?

Richtig Spaß hat das Spielen und Trainieren in der Corona-Zeit auch nicht gerade gemacht?

Das kann man wohl sagen. Wenn man sich bei Auswärtsspielen nur jeweils zu viert in der Kabine aufhalten darf, dauert es ewig, bis alle umgezogen sind. Die ersten waren danach schon mit dem Aufwärmen fertig, als die letzten erst auf den Platz gekommen sind. Das ist keine Vorbereitung auf ein Spiel. Für mich als Motivator war es auch schwer. Wie soll man mit Maske die Emotionen rüberbringen bei einem Team, das sich mit Abstand im ganzen Raum verteilt hat? Ganz zu schweigen von der fehlenden Möglichkeit, sich nach dem Training oder dem Spiel zusammenzusetzen, um sich auszutauschen.

Noch ist gar nicht klar, ob Sie als Trainer beim ASV weitermachen. Wie ist da der Stand der Dinge?

Ich habe noch nicht verlängert. Mit ASV-Fußballerchef Uli Feigl war ausgemacht, dass ich es erst einmal bis zur Winterpause mache. Wir werden uns jetzt vor Weihnachten zusammensetzen und schauen, ob und wie es weitergeht. Ich bin ein Freund davon, Sachen, die ich angefangen habe, auch zu Ende zu bringen. In den paar Wochen an der Seitenlinie beim ASV habe ich trotz der Corona-Einschränkungen festgestellt, dass ich die Mannschaft auch in meinem fortgeschrittenen Alter immer noch erreichen kann und mir der Trainerjob immer noch Spaß macht. Dazu kommt: Ich sehe meine ganzen ehemaligen Spieler, die am Platz stehen, und mit nur einem Unentschieden in fünf Spielen kann ich eigentlich nicht aufhören.

Was erwarten Sie sich im neuen Jahr – sofern sie ASV-Coach bleiben?

Ich denke schon, dass ich die Jungs noch begeistern kann. Wir wollen im neuen Jahr gut aus den Startlöchern kommen. Aber man muss realistisch sein. Der Zug nach vorn ist mit sieben Punkten Rückstand auf den Tabellenzweiten abgefahren. Wichtig ist mir auch die zweite Mannschaft, die muss unbedingt den Klassenerhalt schaffen. Wenn alle die Verletzten zurück sind, wird die auch wieder deutlich besser aufgestellt sein, weil nicht mehr die halbe Mannschaft in der Ersten spielen muss. Dann gibt es auch wieder mehr Konkurrenzkampf im Team, was bestimmt leistungsfördernd wirkt.

Abschließende Frage: Welche Meinung haben Sie zum Ligapokal ?

In der Liga müssen 26 Spiele absolviert werden. Wenn man danach vorn steht, ist man der Beste und darf aufsteigen. Im Ligapokal reichen dafür ein paar Spiele. Da steigt am Ende vielleicht der Zehnte auf, das ist schon komisch. Für mich war der Ligapokal letztlich Beschäftigungstherapie.

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