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Stefan Rießenberger, Präsident des TSV Peißenberg, äußert seine Meinung zu den Corona-Auflagen klar.

Rießenberger: „Verantwortung können Ehrenamtliche gar nicht schultern“

TSV Peißenberg legt wieder los, doch Präsident äußert Kritik

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Der TSV Peißenberg nutzt die Lockerungen in Sachen „Corona“: Auf seinen Freiflächen bietet der Verein den Abteilungen die Möglichkeit zum Training. Doch die Auflagen schrecken manche Sparten ab, und der TSV-Präsident äußert sich kritisch.

VON PAUL HOPP

Peißenberg– Als vergangene Woche die Lockerungen der Beschränkungen wegen Corona auch für Sportvereine amtlich wurden, „war die Euphorie groß“, sagt TSV-Präsident Stefan Rießenberger. Die Führungsriege des rund 2400 Mitgliedern starken Vereins hatte ein Konzept entwickelt, mit dem auf den Freiflächen ein Trainingsbetrieb unter den weiter geltenden gesetzlichen Auflagen ermöglicht werden kann. „Das Recht steht jeder Sparte zu. Wir sind in der Pflicht, da Möglichkeiten zu schaffen“, stellt Rießenberger klar. Eine Art Stundenplan wurde erstellt, in dem Flächen für einzelnen Sportarten reserviert werden. Nachdem die Marktgemeinde das Konzept abgesegnet hatte, trat der Hauptverein an seine Abteilungen heran. Die anfängliche Begeisterung, berichtet Rießenberger, schlug dann bei einigen in Ernüchterung um. Grund: die strengen Auflagen, die manche Sportarten regelrecht ausbremsen.

Auflagen für viele Sportarten schwer umsetzbar

Die Basketballer hätten im Wörther Stadion zwar einen Hartplatz samt Körben, doch die Sparte winkte ab. „Jeder einzelne Spieler müsste einen eigenen Ball haben“, sagt Rießenberger mit Blick auf die gesetzlichen Vorschriften. Gleiches gelte für die Faustballer. Die Boxer und die Kampfsportler müssen weiter auf ein Vollkontakt-Training verzichten. Auch die Fußballer und Eishockeyspieler machen erst noch Pause – obwohl sie laut dem derzeit gültigen Belegungsplan Trainingszeiten haben. Die Einteilung „gilt jetzt erst mal“, sagt Rießenberger. „Wir versuchen ihn, Woche für Woche anzupassen“. Training ist an den Werktagen möglich, am Samstag und Sonntag sind die Anlagen geschlossen.

Stockschützen und Tennisspieler trainieren schon 

Zur Verfügung stehen im Stadion vier Flächen (Platz 1, Platz 2, Hartplatz, Bahn), hinzu kommen Anlagen an der Grundschule St. Johann und an der neuen Bergehalde. Darüber hinaus gibt es noch den Stockschützenplatz sowie die Tennis-Anlage. Die Stockschützen und Tennisspieler haben den Trainingsbetrieb aufgenommen. Auch die Leichtathleten und Handballer wollen wieder anfangen, wenngleich strenge Auflagen zu erfüllen sind. „Eine Kleingruppe mit vier Sportlern muss immer aus denselben Personen bestehen“, sagt Rießenberger. „Da kann nicht mal der eine und dann der andere mitmachen.“

Der TSV-Präsident appelliert an alle Mitglieder und auch deren Angehörigen, sich vernünftig zu verhalten. Zuschauer sind verboten – also dürfen Eltern, die ihre Kinder zum Stadion bringen oder sie abholen, nicht einfach das Training beobachten. „Da brauchst du ja schon fast einen Türsteher“, so Rießenberger. Der Vereinschef hält mit seiner persönlichen Meinung nicht hinter dem Berg: Die derzeitige Lösung für die Sportvereine „ist keine Lösung“. In dieser Form „ist das für mich kein Sportbetrieb. Das macht nicht wirklich Spaß.“ Allein die Dokumentation der Einheiten – die Verantwortung liegt letztlich bei den Abteilungsleitern – sieht er als großes Problem an. „Die Verantwortung, die da ein Übungsleiter übernimmt, kann ein Ehrenamtlicher gar nicht schultern.“

Zukunftspläne liegen auf Eis

Durch Corona, berichtet der TSV-Präsident, wurden manche Ideen fürs Erste gestoppt, mit denen man den Verein für Bevölkerungsschichten attraktiv machen wollte, „die nicht die absoluten Top-Sportler sind“. Als Beispiele nennt Rißenberger geführte Mountainbike-Touren oder Angebote wie Rückengymnastik. Auch ein Nordic Walking wird es mit den derzeit gültigen Abstandsregeln nicht geben. „Da hast du ja eine ewig lange Schlange“, so Rießenberger. Gern hätte der Verein auch die Handballer von Zweitliga-Aufsteiger TuS Fürstenfeldbruck für ein Testspiel oder die DM im Faustball in die Marktgemeinde geholt. „Das alles liegt auf Eis“, so Rießenberger enttäuscht. Es werde derzeit in Sachen „Corona“ viel über Urlaubsreisen diskutiert. „Das Wichtigste in einer Gemeinde sind aber die Vereine und der Vereinssport“, sagt der TSV-Chef – und fürchtet: „Das bleibt auf der Strecke.“

Rießenberger ist jedoch auch zuversichtlich, und das hängt mit dem Verhalten „seiner“ Sportler zusammen. Der Präsident hat auf die Tennisanlage besucht. Was die Abteilung an Maßnahmen ergriffen hat, um einen Sportbetrieb zu ermöglichen, „davor muss ich den Hut ziehen“, so Rießenberger. So hänge neben jedem Abzieher, mit dem nach dem Spiel der Sandplatz geglättet wird, ein Desinfektionsmittel. Die Besucher werden mit Bändern und Pfeilen zu den Plätzen geleitet. „Da ist viel Aufwand betrieben worden.“

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