„Man muss das Beste draus machen“: Dennis Destek, hier als Coach bei einem Spiel des ASV Eglfing.
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„Man muss das Beste draus machen“: Dennis Destek, hier als Coach bei einem Spiel des ASV Eglfing.

Er wünscht sich mehr Zusammenarbeit mit den Vereinen 

Dennis Destek: Training via Skype 

Vom Balkon aus sieht Dennis Destek den Uffinger Fußballplatz. Täglich erinnert ihn der Blick hinaus, was derzeit fehlt. Denn Fußball kann aktuell nicht gespielt werden.

Uffing -Seine Fußballschule hat er zugesperrt, seine Mannschaften in Eglfing (Senioren) und Murnau (D- und E-Jugend) trainieren nicht mehr draußen. Vor einigen Wochen, er weiß das Datum, den 12. März, noch genau, hat die Corona-Pandemie einen seiner Geschäftszweige abgekappt. Die gute Nachricht: „Ich komme durch“, sagt Destek, der mit Fußball seinen Lebensunterhalt bestreitet.

Vor vier Jahren hat er das Unternehmen „DDEvents“ gegründet. Destek bietet Individual-Einheiten, einen Fußballkindergarten, sein Wissen als Trainer und Torwart gegen Geld an. Nebenbei hat sich der 27-Jährige mit einem Zusatz-Job abgesichert. Als Platzwart kümmert er sich um die Sportanlagen des SV Uffing, um die Plätze und ihre Pflege, um Kabinen und das Gelände. Natürlich arbeitet er weniger, da niemand die Anlagen nutzt. Doch das Grundeinkommen ist gesichert. Allerdings verdient er mit seinem Fußball-Angebot derzeit nichts.

Bislang ist die Lage noch unproblematisch für den Uffinger. Im Vergleich zum Einzelhandel hat seine Fußballballschule keine signifikanten Ausgaben. „Da geht’s anderen deutlich schlechter“, betont der Uffinger. Doch bessert sich die Situation nicht, dürfte Destek bereits nach sechs Monaten die Folgen spüren. „Wenn sich das sogar ein Jahr hinzieht, muss man schauen.“ Von seinem Konzept ist er weiterhin überzeugt. Etwas mehr Zusammenarbeit mit den Vereinen wünscht er sich. „Man will ja keine Leute wegholen“, stellt er klar. Es geht um die individuelle Förderung der Kinder. Nur wegen Corona werde er seinen Plan nicht neu überdenken. „Wer hat schon mit einer Pandemie gerechnet? Auch ein Friseur hätte davor nicht gedacht, dass er einen Monat nicht öffnen darf.“

Yoga-Stunden via Internet

Einen Teil seiner Kunden bedient Destek derzeit mit Anleitungen via Internet. Für seine Murnauer Mannschaften im Jahrgang 2007 (D-Jugend) und 2010 (E-Jugend) bietet er Training über die Kommunikationsplattform Skype an. „Ansonsten liegt alles still.“ Vor der Kamera zeigt der Trainer die Übungen. In seinem Wohnzimmer. Die Eltern freut’s. „Ihnen tust du einen Gefallen, die Kinder ein, zwei Stunden zu beschäftigen.“ Der Ball spielt nicht mehr die größte Rolle. Das verlangen die Umstände. Kraft, Koordination, Stabilität – die körperliche Komponente – wird nun geschult. Bereiche, die im alltäglichen Training zu kurz kommen. Kürzlich hat er Yoga mit den Burschen gemacht. „Du kannst ihnen mehr Bewusstsein für den eigenen Körper lernen.“ Destek hat gelernt, die Dinge positiv zu betrachten. Die freigewordene Zeit nutzt er, um über Dinge nachzudenken, die ansonsten schnell aus dem Fokus rutschen. „Man muss das Beste daraus machen.“

„Du müsstest alles umschmeißen“

In Eglfing steht der Betrieb still. Dort betreut Destek die 1. Mannschaft in der Kreisklasse. Der Coach hat seinem Team die volle Verantwortung übertragen. Die Kicker sollen sich selbstständig fit halten. Sie seien schließlich keine Kinder mehr, die Betreuung brauchen. Leonhard Schmitt, Sportstudent, hat sich als Instruktor angeboten. Bei den Lektionen über Skype baut er Elemente aus dem Studium ein. Wann die Mannschaft zurück auf den Platz darf, ist noch offen. Seit einigen Tagen steht fest, dass der Bayerische Fußballverband die aktuelle Saison auf jeden Fall fortführen will. Notfalls – das wäre das Extrem – bis zum Juni 2021. Rechtlich ist das machbar. Im Fall eines Abbruchs befürchten die Funktionäre eine Klagewelle der Vereine. Destek ist zwiegespalten. Als Trainer des ASV „kann ich’s verkraften“, sein Team steht im Mittelfeld, beteiligt sich nicht am Kampf um den Aufstieg. Bezogen auf seine Murnauer Jugend-Teams sieht er den Entschluss kritischer. Normalerweise rücken sie in die nächste Altersstufe. Der TSV hat bereits Trainer für das nächste Jahr geholt. Was passiert, wenn der BFV seine aktuelle Spielzeit einfach um ein Jahr verlängert? Destek sagt: „Du müsstest alles umschmeißen.“

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