Alexander Thumser (30) bearbeitet bei den Basketballern des TSV Weilheim seit Jahren erfolgreich die Zone unter dem Korb.
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Der Wühlbüffel: Alexander Thumser (30) bearbeitet seit Jahren erfolgreich die Zone unter dem Korb.

Basketball: Zwei Brüder sind die Top-Akteure des TSV Weilheim

Alexander und Andreas Thumser: Wühlbüffel der eine, Scharfschütze der andere

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Mit einem Kinofilm nahm die Basketball-Karriere der Brüder Alex und Andy Thumser ihren Anfang. Heute zählen sie zu den wichtigsten Spielern des TSV Weilheim.

Weilheim – Es hat schon Michael Jordan gebraucht, den besten Basketballer aller Zeiten, um Alexander Thumser zum Basketball zu lotsen. Im Februar 1997 lief Jordans Kinderfilm „Space Jam“, unter anderem mit Bugs Bunny und Bill Murray, im Weilheimer Starlight-Kino. Thumser und ein Freund schauten sich das Spiel gegen die Außerirdischen an. „Ein Zufallsprodukt“, sagt Alexander Thumser, 30 Jahre alt. „Wo schickst du zwei Sechsjährige sonst hin?“ Natürlich zu Bugs Bunny. Danach ging alles sehr schnell. Die Eltern mussten einen eigenen Korb anschaffen. Alexander Thumser tauchte im Basketballtraining des TSV Weilheim auf, und auch sein kleiner Bruder Andreas kam mit. Bloß ihn schickte Trainer Albrecht Witschel direkt wieder heim. „Zu jung“, hieß die Begründung. Andreas Thumser, den alle nur Andy nennen, war da gerade drei Jahre alt. Er kam ein Jahr später wieder.

Basketball: Die Thumser-Brüder sind prägende Figuren beim Regionalligisten Weilheim

Damals hat niemand ahnen können, was aus den zwei Zwergen einmal wird. Nämlich prägende Figuren des Weilheimer Basketballs im Jahr 2020. Seit Jahren führen die Brüder den Regionalligisten an, werfen oft die meisten Körbe. Vorige Saison etwa war Alexander Thumser der zweitbeste Scorer der gesamten 2. Regionalliga Süd. In dieser Spielzeit, die derzeit unterbrochen ist, liegt Andy Thumser auf Rang vier. Jeder der beiden macht das auf seine Art, denn im Gegensatz zum normalen Leben sind die Basketballversionen nicht verwandt – sehr wohl aber kompatibel.

Andreas Thumser (27) zählt zu den erfolgreichsten Distanzschützen der 2. Regionalliga.

Basketball: Andy Thumser zählt zu den gefährlichsten Distanzschützen der 2. Regionalliga

Andy Thumser ist ein Scharfschütze, vielleicht sogar der gefährlichste der ganzen Liga. Manchmal zielt er aus acht, neun Metern auf den Korb. Distanzen, aus denen andere nicht einmal den Ring treffen. Er lässt sich dann leicht zurückfallen, sein Bein klappt wie ein Taschenmesser nach vorn, der Ball fliegt durchs Netz. Keiner wirft so. Keiner hat ihm das antrainiert. „Das sich in den letzten Jahren entwickelt. Im Alter ist der Dreier immer besser geworden.“ In der U18, praktisch der A-Jugend, hat er einmal neun Dreier in einer Partie versenkt. Gegen München Ost war das. Das weiß er noch. Er sagt aber selbst: „Ich will ein bisschen davon weg, wieder ein bisschen mehr in die Zone.“ Hinein in das Reich seines Bruders.

Basketball: Das Wühlen wurde Alex Thumser von seinem Jugendtrainer Maximilian Gotzler beigebracht

Alexander Thumser beherrscht den Bereich unter dem Korb. Weil der Spitzname „Wühlmaus“ in der Sportart der Riesen jedoch wenig verloren hat, führte Sportkommentator Frank Buschmann schon vor Jahren den „Wühlbüffel“ ins Basketball-Wörterbuch ein. So ein Wühlbüffel drückt, schiebt – und zwar so lange, bis er den Ball in den Korb legt. Maximilian Gotzler hat ihm das Wühlen beigebracht, sagt Alexander Thumser. Gotzler, in seinem Jahrgang eines der größten Talente des Landes, trainierte eine Zeitlang das Weilheimer Jugendteam um Alexander Thumser. Nach Gotzler modellierte er seinen Stil. Natürlich trifft Thumser auch Dreier, voriges Jahr etwa waren es 23 Stück in einer Saison. Wer in der 2. Regionalliga – Liga fünf in Deutschland – so oft punktet, braucht mehr als nur ein Werkzeug im Koffer.

Basketball: In der Jugend spielten Alex und Andy Thumser beim FC Bayern München

Beim FC Bayern haben beide ihr Arsenal in der Jugend erweitert. Damals fragten die Bayern-Coaches noch brav selbst nach, ob sie sich denn einen Wechsel von Weilheim vorstellen könnten. Das ist zwar erst 15 Jahre her, aber im Jugend-Basketball hat sich sehr viel getan, seit der FC Bayern es ernst meint mit diesem Sport. Manche Eltern fahren ihre Kinder, wenn diese erst zehn Jahre alt sind, nach München zu einem der großen drei Klubs der Stadt, zum FC Bayern, Jahn München oder Schwabing.

Die Thumsers fuhren Zug, selten gemeinsam, weil sie fast nie zeitgleich trainierten. Manchmal trafen sie Thomas Müller, den sie aus der Schule kannten. Aber miteinander geredet „haben wir nie“, sagt Alex Thumser. Von einer Profikarriere träumten sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. „Das war ein Grundschul-Ding“, erklärt Andy Thumser. Mit 15, 16 Jahren wussten sie schon, dass „es für eine Profikarriere einfach nicht reichen“ würde.

Basketball: Die Zeit beim FC Bayern München hat die Thumser-Brüder geprägt

Die Jahre in Rot haben sie geprägt. Bei der Frage nach den schönsten Momenten seines Basketballerlebens zählt Alexander Thumser zwei Turniere auf. Eines in Kroatien gegen die ungarische Nationalmannschaft. „Das beste Spiel, das wir in fünf Jahren gemacht haben.“ Und die Finalrunde beim Wiener Osterturnier in der großen Stadthalle vor mehreren hundert Zuschauern. „Komisch, dass das beides Niederlagen waren“, sagt der 30-Jährige. Manchmal ist der Sport eben größer als nur ein Ergebnis.

Bei seinem Bruder haben sich die ersten Bayerischen Meisterschaften eingebrannt, die ersten Duelle mit Bamberg. In der Bayern-Auswahl spielte er mit Maximilian Kleber zusammen, heute NBA-Profi in Dallas. Das hat damals niemand kommen sehen. „Der war so groß wie der Rest“, sagt Andy Thumser. „Bloß jetzt ist er das halt nicht mehr.“ Kleber misst 2,07 Meter und verdient 7,8 Millionen US-Dollar im Jahr.

Mit den Zuschauern fällt es uns deutlich leichter, in einen Rausch zu kommen.

Andreas Thumser

Die NBA, Spielplatz der Weltbesten, verfolgen sie. Zu Finalspielen im Juni stehen sie nachts auf. 2016, bei der legendären Aufholjagd der Cleveland Cavaliers, hat Andy Thumser alle sieben Spiele gesehen. „Die Müdigkeit war’s wert.“ Mindestens genauso, sagt sein Bruder, reize der Lokalsport. „Ist etwas anderes, wenn man die Leute kennt.“ Wenn sie gerade nicht mit dem TSV in der Halle stehen, fahren sie nach Oberhaching, nach Augsburg oder schnell nach Murnau. Man kennt sich allerorts. Spätestens seit dem Durchmarsch von der Bezirksoberliga in die 2. Regionalliga vor zwei Jahren spricht man wieder über Weilheim und seine Fans, diese Wilden, die teilweise zu fünfzigst im Bus zu Auswärtsspielen mitfuhren. „Mit den Zuschauern fällt es uns deutlich leichter, in einen Rausch zu kommen“, sagt Andy Thumser. Mit dieser Wand im Rücken haben sie im Pokal vor zwei Jahren Viertligist Bad Aibling bezwungen. Ohne Fans sei es schwer, ergänzt sein Bruder. Das fiel selbst Teams wie dem Sportbund München auf, bei dem nur 10, 20 Fans in der Halle sitzen. „Das ist eine ganz andere Welt“, sagt Alexander Thumser. Trotzdem hat das Virus nicht genügend Kraft, sie vom Basketball zu trennen. Ans Karriereende denkt der ältere Bruder erst, „wenn der Körper sagt, es macht keinen Sinn mehr“.

Basketball: Mit einem Wechsel haben die Brüder wenig am Hut

Die beiden haben noch ein bisschen was vor mit Weilheim, jetzt wo sie auf absehbare Zeit in der Gegend bleiben. „Mitte bis obere Tabellenhälfte“, sagt Andy Thumser. „Festigen, damit auch die Jungen eine gewissen Sicherheit bekommen“, fügt sein Bruder an. Irgendwann werden sie vielleicht auch ein Jugendteam trainieren. Das können sich beide vorstellen, im besten Fall mit ein paar Spezln. So schnell wird der Basketball sie nicht los. Sie haben ja auch andere Sachen probiert, Tennis wie die Eltern, Fußball, auch Klavierspielen – im Fall von Alexander Thumser sogar zweieinhalb Jahre. Aber: „Du bist natürlich lieber zum Basketball gegangen.“

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