Am Ende gingen sie doch zu Boden: Die Penzberger (hier Hakan Düzgün) verspielten gegen Weilimdorf binnen weniger Minuten ihre 4:1-Pausenführung.
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Am Ende gingen sie doch zu Boden: Die Penzberger (hier Hakan Düzgün) verspielten gegen Weilimdorf binnen weniger Minuten ihre 4:1-Pausenführung.

Futsaler verlieren gegen Deutschen Meister Weilimdorf

FC Penzberg verspielt 4:1-Pausenführung - Coach Brunner lobt Defensive trotz acht Gegentoren

  • Andreas Mayr
    VonAndreas Mayr
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„Sensationell, absolut Werbung“, jubiliert Penzbergs Coach Andreas Brunner. Dabei hatte sein Team gegen Weilimdorf verloren. Aber es war ein starker Futsal-Tag.

Penzberg – Peter Kirner ist nicht nur ein glänzender Betreuer, sondern auch bestens informiert in der Futsal-Szene. Der Körky, so sein Spitzname, wusste über den Gegner etwa, dass alle Spieler des TSV Weilimdorf für diverse Nationalteams in Europa auflaufen – mit Ausnahme von dreien. Und der Helfer für alle und alles beim FC Penzberg offenbarte Fähigkeiten als Hellseher.

In der Pause, als der FCP zur Überraschung aller 4:1 gegen den Deutschen Meister führte, orakelte er: Zehn Minuten müsse Penzberg überstehen, nur dann hätte das Team wirklich eine Chance auf die Sensation. Tatsächlich lief es, wie Trainer Andreas Brunner fürchtete. Innerhalb von drei Minuten traf der Champions-League-Teilnehmer fünfmal und drehte die Partie. Am Ende hieß es 5:8 aus Penzberger Sicht. Enttäuscht ging jedoch niemand nach Hause.

Was die FC-Futsaler boten, war bestes Entertainment. „Sensationell, absolut Werbung“, sagt auch der Coach bei seiner ersten Partie. Diesmal drückten die Zuschauer auf die Tribüne, 200 notierten die Offiziellen vom Deutschen Fußballbund, es dürften noch ein paar mehr gewesen sein. Der Krach, den sie in der Wellenbad-Halle veranstalteten, wirkte wie ein Turbo, der die Penzberger anschob. Andreas Brunner wählte einen interessanten Ansatz gegen die Profi-Mannschaft aus Stuttgart. Er hielt nichts davon, sich zu verschanzen. Stattdessen konzentrierte sich in der Defensive vieles auf Weilimdorfs Josip Bozinovic, für viele der beste Mann der Bundesliga. Seine Klasse grob umrissen: groß, schwer, trotzdem wendig, praktisch nicht vom Ball zu trennen, vergleichbar mit einem Center im Basketball, der sich geschickt um seine Gegenspieler herumdreht und tänzelt. „Ganz, ganz große erste Halbzeit, wirklich sensationell verteidigt“, sagt Brunner über sein Team im Allgemeinen und speziell über Bozinovic’ beide Hauptbewacher Milad Khojestah und Fazlican Verep.

Gleichzeitig bekam der FCP die Außen in Griff, die Weilimdorf immer wieder in Eins-gegen-Eins-Aktionen schickte. Eine Spezialität des TSV, die Trainer Brunner zuvor im Videostudium aufgefallen war. Zuletzt hob er die Abwehr gegen die Standard-Varianten hervor, die in der Halle noch wichtiger sind als auf dem Feld, weil ein beträchtlicher Teil der Tore nach Ecken und Freistößen fällt. Hervorheben muss man in diesem Zusammenhang Christian Utmälleki, den Torwartturm, dessen Arme und Beine immer wieder in kürzester Zeit irre Verrenkungen vollzogen.

Offensiv glänzte Penzberg mit Effektivität. Marco Hiry mit zwei Toren sowie Samir Azizi und Hakan Düzgün trafen in Hälfte eins für den FCP. Das sei ein „tolles Ergebnis“ und ein Erfolg, „eine Halbzeit gegen den Deutschen Meister mitzuhalten“, urteilte Andreas Brunner. Für den Einbruch nach der Pause gab es mehrere Faktoren. Penzbergs Motor hatte nach der Kabinenansprache einen Kaltstart hinzulegen, der schief ging. „Vielleicht müssen wir uns ein, zwei Minuten bewegen“, sagte Brunner. Bemerkbar machte sich auch die Doppelbelastung. Nahezu alle Penzberger hatten am Tag davor auf dem Fußballfeld gekickt. „Es ist ein Unterschied, ob du dich auf Futsal konzentrieren kannst oder vorher 90 Minuten spielen musst.“

Zuletzt verhielt sich die Penzberger Abwehr wie ein Kartenhäuschen, das ein Windstoß erfasst - nur dass dieser Windstoß kalkulierbar war. „Ich habe nicht gedacht, dass der Vorsprung reicht. Ich glaube auch nicht, dass sie die Nerven verloren hätten.“ Von Stabilität war nichts mehr zu sehen. Penzberg verlor die Ordnung, „den Zugriff“, wie Brunner es bezeichnete – ein entscheidender Fehler gegen so viel Qualität. Der Coach hofft nun, dass sich seine Futsaler kritisch mit der zweiten Hälfte auseinandersetzen. Die Zuschauer nahmen’s nicht so streng. Sie goutierten den Auftritt mit langem Applaus und einer kleinen La Ola, die aber diesmal nur Marco Hiry und Samir Azizi lostraten. Ein bisschen Party durfte schon sein.

Am kommenden Wochenende wären die Penzberger eigentlich zu Gast bei 1894 Berlin. Da dem Team aus der Bundeshauptstadt wegen Auflagenverstößen die Zulassung für die Bundesliga entzogen wurde, können sich die FC-Futsaler den Weg nach Berlin sparen, sie sind spielfrei. Die nächste Partie tragen die Penzberger deshalb erst am Sonntag, 24. Oktober, aus. Auf dem Programm steht das Heimspiel gegen den MCH Futsal Club Bielefeld (13 Uhr, Wellenbadhalle). (Andreas Mayr)

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