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1. FC Penzberg: Massenhaft Ausfälle zur Unzeit

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Von: Andreas Mayr

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Personell gesehen am Boden: Sowohl die Penzberger (in grünen Trikots, hier Denny Krämer) als auch die Raistinger (hier Andreas Heichele) haben derzeit mit einem extrem dünnen Kader zu kämpfen.
Personell gesehen am Boden: Sowohl die Penzberger (in grünen Trikots, hier Denny Krämer) als auch die Raistinger (hier Andreas Heichele) haben derzeit mit einem extrem dünnen Kader zu kämpfen. © gronau

Fünf Spiele in einem Monat. So lautet das Programm für den Bezirksligisten 1. FC Penzberg. Los geht es heute Abend gegen den BCF Wolfratshausen.

Penzberg/Raisting – Zwei Trainer, zwei Geschichten, ein Problem: Was Johannes Franz (SV Raisting) und Martin Wagner (FC Penzberg) vorige Woche erlebt haben, ist aktuell der Alltag des Amateurfußballs: Johannes Franz hat seine Einheit am vergangenen Donnerstag mit neun Spielern beendet. In der Bezirksliga, das muss man herausheben, also nicht ganz unten in der C-Klasse.

Drei seiner Fußballer brachen vorzeitig ab. „Da fragst dich: Macht das überhaupt Sinn?“, sagt der SVR-Coach. Ähnliches hat Martin Wagner erlebt, beim Ligaspiel in Pöcking. Dort setzte er Torwart Moritz Wolff auf die Ersatzbank, was an sich nicht außergewöhnlich wäre, allerdings trug er das Trikot eines Feldspielers. Andere Akteure gab es nicht mehr. Die Penzberger haben auch Samir Azizi angerufen, der eigentlich schon aufgehört hatte. Man bettelt, betet, bangt. „Das ist schwer zu ertragen für einen Bezirkligisten“, sagt der FCP-Trainer.

Habacher: „Das kannst du nur im August machen“

Und jetzt kommt auch noch das Marathon-Programm hinzu. Sechs Spiele in einem Monat sind es für Raisting, zweimal muss die Mannschaft wochentags ran. Die Penzberger bestreiten fünf, das nächste am heutigen Mittwoch zu Hause gegen den BCF Wolfratshausen (18.30 Uhr), Nonnenwaldstadion an der Karl-Wald-Straße). Raisting tritt zur gleichen Zeit zum Derby bei Aufsteiger VfL Denklingen an. Die Abendspiele an sich, betont Martin Wagner, sind nicht das Problem. Er habe diese Atmosphäre immer gern gemocht, als Trainer wie als Spieler. Sommerabende ohne Flutlicht, das ist Edelstoff für Fußballliebhaber. „Das kannst nur im August machen“, erklärt der Habacher. Hinderlich sind die Begleiterscheinungen, die die Pandemie mit sich bringt. In Penzberg vermerkt Wagner zwei Muskelfaserrisse sowie eine Sehnenentzündung. Kann Zufall sein – oder mit der langen Sportpause zusammenhängen.

„Der Wettkampf ist eine ganz andere Belastung – körperlich als auch psychisch“, sagt Johannes Franz, der ebenfalls viele Verletzte beklagt. So überbeansprucht jeder Klub seine fitten Fußballer. Woche für Woche stellt man dieselben auf. Ein Teufelskreis, der schwer zu durchbrechen ist. Dazu freuen sich in Penzberg einige Kicker mit Wurzeln im Ausland über die gelockerte Reiseregelungen. Teilweise verbringen sie drei, vier Wochen im Heimaturlaub. „Das dezimiert uns massiv“, sagt Martin Wagner. Wenigstens gehe es alles Mannschaften so. „Das gleicht sich aus.“

Franz: Können noch nicht 90 Minuten Vollgas geben

Wie die Klubs mit der angespannten Lage vor den englischen Wochen umgehen, gleicht sich ebenfalls. Die richtige Dosis Anstrengung macht’s aus. Im Vergleich zur Vorbereitung haben Raisting und Penzberg ohnehin schon ihr Pensum von drei auf zwei Einheiten reduziert. Konditionseinheiten hält Martin Wagner auch für schwierig, „wenn wir auf dem Zahnfleisch daherkommen“ – auch wenn die bitter nötig wären. „Weil wir noch nicht 90 Minuten Vollgas geben können“, ergänzt sein Raistinger Kollege Franz. Er wählt den Mittelweg zwischen Intensität und Regeneration.

Als Spieler, zumal in der Bayernliga, hat er sich ausführlich des Themas angenommen. Selbst in Wochen, in denen die Erholung mehr gewichtet wird, empfiehlt er seinen Kickern, den Oberkörper zu kräftigen und zu stabilisieren. Kurze Passagen, oft nur zehn Minuten reichen und „minimieren das Risiko“. Was er ansonsten vorschlägt: gute Ernährung, viel dehnen, Eisbad, Wechseldusche – „alles, was man als Amateurfußballer in petto hat“, da man keine Rundum-Versorgung wie im Profifußball habe. Einmal die Woche, wenn es sich ausgeht, kommt immerhin der ehemalige SVR-Spieler und Physiotherapeut Pascal Beausencourt zum Kneten ins Training. Mittlerweile suchen die Raistinger nach einem zweiten Physio. Und in der größten Not gibt es dann immer noch die Telefonnummer von Roland Perchtold, dem Trainer der SVR-Reserve. Irgendwie müssen sie gemeinsam den August überstehen.

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