Auch als Trainer kann man Spaß haben: Johannes Franz (links) steht beim SV Raisting seit über zwei Jahren an der Seitenlinie. Mit Max Stöckl (rechts) hat er seit dieser Saison einen Co-Trainer an der Seite, dem er blind vertraut. Stöckl soll bei Spielen, in denen Franz auf dem Feld ist, das Coaching übernehmen.
+
Auch als Trainer kann man Spaß haben: Johannes Franz (links) steht beim SV Raisting seit über zwei Jahren an der Seitenlinie. Mit Max Stöckl (rechts) hat er seit dieser Saison einen Co-Trainer an der Seite, dem er blind vertraut. Stöckl soll bei Spielen, in denen Franz auf dem Feld ist, das Coaching übernehmen.

Fußball: Raistings Trainer vor Comeback als Spieler

Für Johannes Franz endet  eine fast dreijährige Leidenszeit

  • Stefan Schnürer
    vonStefan Schnürer
    schließen

Vor drei Jahren zog sich Johannes Franz einen Kreuzbandriss zu. Es war der Beginn einer langen Leidenszeit - die jetzt ihr Ende findet.

Raisting – Es ist nicht so, dass Johannes Franz sich jetzt wieder vollkommen beschwerdefrei bewegen kann. „Beim Sprint kann ich noch nicht komplett durchziehen“, berichtet der Spielertrainer des SV Raisting. Im Training ist er seit Ende der Winterpause aber wieder aktiv beteiligt, statt nur auf dem Platz zu stehen und Anweisungen zu geben. In den restlichen zehn Saisonspielen will der gelernte Innenverteidiger für die Raistinger wieder auflaufen und mithelfen, dass sie den Klassenerhalt in der Bezirksliga schaffen.

Der Begriff „Spielertrainer“ hatte in den vergangenen fast drei Jahren bei Franz keine Gültigkeit. Bis zum 15. Juli 2017 war der heute 25-jährige Peißenberger beim damaligen Landesligisten Spieler, als er sich gleich im ersten Saisonspiel beim FC Memmingen II einen Kreuzbandriss zuzog. Es war der Beginn einer langen Leidenszeit für Franz. Die erste Operation, die erst Wochen nach seiner Verletzung durchgeführt wurde, war erst der Auftakt zu diesem Drama. Wegen eines Keims im Knie musste das Kreuzband-Implantat samt Schraube wieder entfernt werden. Im April 2019 wurde der 25-Jährige – diesmal erfolgreich – ein zweites Mal operiert.

Fußball: Johannes Franz sollte als Trainer des SV Raisting nur eine Übergangslösung sein 

Zu diesem Zeitpunkt war Franz schon über ein Jahr als Trainer der Raistinger im Einsatz. Nach der Entlassung von Markus Ansorge im März 2018 sprang der Peißenberger ein. Was vermutlich als Übergangslösung geplant war, entwickelte sich für die Raistinger zum Glücksfall. Obwohl Franz den Landesliga-Abstieg nicht verhindern konnte, gelang es ihm, das Team in der Bezirksliga zu stabilisieren. Doch auch Franz profitierte von seiner neuen Rolle: „Dadurch konnte ich den Verein aktiv unterstützen und es hat mir geholfen, meine Verletzung ein stückweit in den Hintergrund zu schieben.“

Fußball: In kleinen Schritten kehrte Franz ins Spielerdasein zurück

In kleinen Schritten wagte Franz die Rückkehr ins Spielerdasein. Im vergangenen Herbst fing er an, beim Aufwärmen locker zu laufen. Es folgten Passübungen, „aber alles ohne Körperkontakt“, wie der Peißenberger berichtet. Beim Trainingslager Anfang März in Kroatien machte er dann bei einem Trainingsspiel mit. Der erste Test unter Wettkampfbedingungen fiel positiv aus: „Bis auf leichte muskuläre Probleme habe ich nichts gespürt.“ Dann aber kam die Coronakrise, die sämtlichen sportlichen Betrieb für Wochen lahmlegte. Speziell für den 25-Jährigen war das ein Umstand, der ihm gar nicht behagte: „Ich brauche fußballspezifisches Training, sonst geht alles wieder verloren.“

Seit Ende Mai stehen Franz und die Raistinger Mannschaft wieder auf dem Trainingsplatz, bis auf weiteres einmal pro Woche. Aufgrund der Hygienevorschriften des BFV sind die Möglichkeiten der Trainingsgestaltung jedoch eingeschränkt: „Man kann schon was machen“, sagt Franz. „Am meisten Spaß aber machen Spielformen, und die fallen aus.“ Dennoch sei es momentan nicht schwer, die Spieler für die Corona-spezifischen Übungseinheiten zu begeistern: „Nach so einer langen Pause ist jeder hungrig auf den Ball“, so der Coach. Irgendwann aber könne es schon schwierig werden, „wenn man kein Ziel vor Augen hat“, so Franz.

Fußball: Franz plädiert für einen Abbruch der Saison

Vorrangiges Ziel ist es, dass ab 1. September überhaupt wieder gespielt werden darf. Ginge es nach Franz, wäre die Saison abgebrochen worden: „Vom Kopf her ist die Saison schon so weit weg“, sagt er. Läuft alles nach Plan, sind die Raistinger Ende November mit ihren zehn Partien in der Bezirksliga Süd durch. Im schlechteren Fall müssen sie in die Relegation um den Klassenerhalt, die dann vermutlich im Frühjahr 2021 ausgetragen wird. Franz müsste mit seiner Mannschaft dann eine Wintervorbereitung durchziehen für mutmaßlich nur zwei Spiele – und dafür fehlt ihm jegliches Verständnis. Diesbezüglich gibt es vom Verband jedoch Entwarnung: Im Frühjahr tragen alle Bezirksligisten einen bayernweiten Ligapokal aus, dessen erfolgreichste Mannschaften sogar in die Landesliga aufsteigen können. Was die restlichen Partien in der Bezirksliga Süd betrifft, ist Franz Optimist: Er ist überzeugt davon, dass der SVR den Klassenerhalt ohne Entscheidungsspiele schafft. Im Moment belegt sein Team Relegationsplatz 12. Der Rückstand auf das rettende Ufer beträgt aber nur einen einzigen Zähler.

Fußball: Seine künftige Doppelrolle sieht Franz entspannt

Seine künftige Doppelrolle als Trainer und Spieler erachtet der 25-Jährige als nicht problematisch: „Schauen wir mal, wie ich es hinkriege. Ich sehe das aber positiv.“ Was ihn so zuversichtlich stimmt: Seit dieser Saison hat er mit Max Stöckl einen kompetenten Co-Trainer zur Seite: „Er denkt wie ich und er hat so viel Sachverstand, dass ich mich voll auf ihn verlassen kann.“ Es wird also vermutlich so sein, dass Stöckl künftig bei den Spielen das Coaching übernimmt. „Wenn ich annähernd meine Form erreiche, will ich spielen“, betont Franz, entweder als Innenverteidiger oder auf der Sechser-Position vor der Abwehr.

Über seine weitere Karriere als Spieler macht er sich aber keine Illusionen: „Da werde ich definitiv keine Bäume mehr ausreißen“, so seine Einschätzung. Will heißen: Einen Johannes Franz in höheren Ligen wie Regionalliga oder Bayernliga wird es sehr wahrscheinlich nicht mehr geben. Parallel dazu will er seine Trainerkarriere vorantreiben: Durchaus vorstellen kann er sich, mal als Co-Trainer bei einem höherklassigen Klub zu arbeiten und dort von einem erfahrenen Coach zu lernen. „Als Trainer ist bei mir schon noch Luft nach oben“, gibt Franz zu.

Der 25-Jährige sagt aber auch: „Ich würde mich keinem anderen Verein aufdrängen.“ Und so ist es durchaus nicht unrealistisch, dass er auch kommende Saison beim SV Raisting seiner Arbeit nachgeht. Als eines der nächsten Projekte steht bei Franz der B-Trainerschein auf dem Programm.


Auch das ist interessant:

Nach Umbruch in der Liga angekommen - Nach mäßigem Start belegt der SV Raiisting in der Bezirksliga zur Winterpause gesicherten Mittelfeldplatz

Mehr als eine Verlegenheitslösung - Johannes Franz hat sich beim SV Raisting als Trainer etabliert

   

Auch interessant

Kommentare