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Nach 18 Jahren: Georg Ginter hört als Vorsitzender des SV Haunshofen auf

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Von: Andreas Mayr

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Die Banderole am Strohhut beschreibt den künftigen Tätigkeitsbereich: „GG – Girgl Greenkeeper“ steht darauf zu lesen. Georg Ginter hat künftig viel Zeit mit der Rasenpflege des Fußballfeldes. Beim Bau des Sportheims (im Hintergrund) war der 62-Jährige eine treibende Kraft.
Die Banderole am Strohhut beschreibt den künftigen Tätigkeitsbereich: „GG – Girgl Greenkeeper“ steht darauf zu lesen. Georg Ginter hat künftig viel Zeit mit der Rasenpflege des Fußballfeldes. Beim Bau des Sportheims (im Hintergrund) war der 62-Jährige eine treibende Kraft. © andreas mayr

Georg Ginter war die Gute Seele des SV Haunshofen. Bei der Errichtung der Sportanlage war der 62-Jährige eine treibende Kraft. Nun ist nach 18-Jahren Schluss.

Haunshofen – Die Geschichte von Georg Ginter, dem ewigen Vereinschef, muss natürlich auf dem Sportplatz in Haunshofen beginnen. 600 Menschen wohnen im Dorf. Es gibt eine Kirche, mehr als zehn Vereine und ein Fußballfeld, das früher mal als das schiefste im Oberland bekannt war. Am liebsten wäre es ihm, man würde das nicht schreiben. Doch ohne wäre die Erzählung einfach nicht komplett.

Die Nachbarn aus Wielenbach spotten, dass zwischen den Eckfahnen locker zwei Meter Höhendifferenz zu messen waren. Aber das war ja alles früher, vor der Ära Ginter beim SV Haunshofen.

18 Jahre hat Georg Ginter den Sportverein geführt, der doch immer mehr als ein Klub für Leibesübungen war. Wenn die Seele dieses Dorfes in der Kirche wohnt und das Herz im Wirtshaus schlägt, dann kann die Sportanlage nur die Lunge sein. Fußball, Eisstock, Ochsenrennen – dort atmet der Ort. Ein Dorf, ein Verein, das mag in anderen Landstrichen ein überstrapazierter Slogan sein. Hier ist das die Realität. 380 Mitglieder zählt der Sportverein. Das sind beinahe zwei von drei Haunshofnern.

 „Der Druck ist weg“

Sagt Georg Ginter nach seinem Abtritt als Vorsitzender.

Seit wenigen Wochen ist Georg Ginter nicht mehr Vorsitzender des Sportvereins. Er trat ab. Wie es sich ohne diesen Titel lebt? Na, ziemlich gut, sagt der Girgl. „Der Druck ist weg.“ Außerdem verliert man seinen Posten ja nicht über Nacht, nur weil man ihn weitergibt. „Man wird immer noch respektiert“, sagt der 62-Jährige. Alle Kinder und Jugendlichen kennen den SV Haunshofen nur mit Präsi Ginter. Es wird eine Zeit dauern, bis das jeder im Dorf verinnerlicht hat. Aber Georg Ginter betont: „Mit jedem Tag mehr muss ich sagen: Es war der richtige Schritt. Man verschleißt sich.“ Bei seinem Nachfolger Andreas Steigenberger vernimmt er den Elan und Ehrgeiz, der ihn damals, 2004, ins Amt getragen hat. Gegen den Rat seiner Frau, gegen die eigene Lebenswirklichkeit aus Hausbau, Vaterfreuden und Selbstständigkeit. „Da ist einiges passiert“, erinnert sich Ginter.

Praktisch jeden Meilenstein dieses Vereins hat er mit gemauert. Bei der Gründung 1981 war er dabei, genauso zwölf Jahre danach beim legendären Aufstiegsspiel gegen das große Tutzing, als die Oldietruppe vor über 600 Zuschauern in Pöcking in die damalige B-Klasse – vergleichbar mit der heutigen Kreisklasse – kletterte. Bis heute der größte Erfolg der Fußballer. Als sie ihn 2004 fragten, ob er nicht übernehmen könnte, war das keine Frage, sondern eine Aufforderung. Der Verein brauchte eine Sportanlage. Bei Ligaspielen zogen sich die Fußballer mitten im Dorf um – im Vereinsstadel, den sie sich mit dem Trachtenverein teilten.

Die politische Lage war günstig. Mit Korbinian Steigenberger saß ein Haunshofner im Rathaus zu Wielenbach. Schon ein Jahr später begannen sie zu bauen. „Wir haben angeschoben“, sagt Georg Ginter. Und mit „wir“ meint er den ganzen Ort. Von den Landwirten, die bereitwillig ihre Flächen tauschten, bis zu den Mitgliedern, darunter viele Handwerker, die die Sportanlage zu ihrem Projekt machten. Nur 400 000 Euro zahlte der SVH für Vereinsheim, Fußballplatz und Asphaltbahnen. Fast alles, was an Arbeit anfiel, sagt Ginter, erledigten sie selbst. Er hat einmal angefangen, die freiwilligen Stunden zu überschlagen, die sie draußen verbrachten, gab aber schnell auf. „Da hätte ich einen zweiten Kopf gebraucht.“

„Das kannst du nur machen, weil wir alles selber machen“

Ginter erklärt die niedrigen Mitgliedsbeiträge.

Wer nach dem Geheimnis dieses Klubs sucht, findet es in diesen Mauern, Toren, Bänken und Grashalmen. Seit Anbeginn verlangen sie keinen Spartenbeitrag. Für 50 Euro im Jahr kann man in Haunshofen Fußball spielen, Eisstock schießen, zum Yoga gehen oder Skifahren lernen. „Das kannst du nur machen, weil wir alles selber machen.“ Sepp Holzer, Abteilungsleiter bei den Fußballern, mäht das Hauptfeld, Georg Ginter alle Halme drumherum. Zu seinem Abschied haben ihm die Mitglieder einen Strohhut geschenkt. „Greenkeeper Girgl“ steht drauf – als Hommage auf seine Fahrten mit dem Mähroboter. Auch wenn der Chef jetzt abtritt, werden sie weiter werkeln an ihrem Reich. „Du bist vorne noch nicht fertig, da geht es hinten wieder los“, scherzt Ginter. „Es hat nie ein Ende gegeben.“ Als nächstes soll eine Tribüne her. Die Steine für den Ausguck liegen bereit.

Sie, die Alten, haben vorgelebt, welchen Wert das Selbstgeschaffene hat. Jeder Tropfen Schweiß mörtelt die Haunshofner an ihr Werk. Jetzt sollen die Jungen übernehmen. Über Nachfolger Andreas Steigenberger, den Wunschkandidaten, sagt Georg Ginter: „Er hat das Sportlerblut in sich.“ Der ganze Verein könne froh sein, solche Leute an der Spitze zu haben. Auch Korbinian Steigenberger nennt er, den Spielertrainer der Ersten Mannschaft. „Den würden sie überall mit Handkuss nehmen.“ Aber er ist einer von ihnen aus der Mitte dieser verschworenen Dorfgemeinschaft. Mit ihm mischt Haunshofen schon wieder um den Kreisklassen-Aufstieg mit – auch wenn’s heuer vermutlich nicht mehr klappt.

Die Stockschützen haben’s vorgelebt. Kürzlich packten sie den Sprung in die Bezirksoberliga. Fragt man Georg Ginter nach den schönsten Tagen seiner Amtszeit, kommt selbstverständlich auch das Ochsenrennen, das Spektakel für Tausende, zur Sprache. Dank der Einnahmen ist der Klub seit Jahren schuldenfrei. Nachdem Corona 2021 das Rennen einkassiert hat, blicken die Haunshofer auf 2025. Bei den Ochsenrennen habe er die längsten Nächte seines Lebens erlebt, scherzt Ginter. Wobei man gehört hat, dass auch sein Abschiedsabend nicht pünktlich endete. Ohne zu viel zu verraten. Georg Ginter sagt: „Das war sehr emotional.“ (Andreas Mayr)

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