Der Raistinger Leonhard von Schroetter läuft jetzt für den FSV Frankfurt auf.
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Der Raistinger Leonhard von Schroetter läuft jetzt für den FSV Frankfurt auf.

Schroetter von Augsburg nach Frankfurt

Raistinger von Schroetter hofft auf Durchbruch beim FSV Frankfurt 

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Der Raistinger Leonhard von Schroetter hofft, sich beim FSV Frankfurt für höherklassige Vereine empfehlen zu können.

Raisting Er trägt Trainingsanzug und Kappe. Der Adler ausgestickt, aber nicht der von Eintracht Frankfurt, sondern der Adler der Stadt Frankfurt, der es auch ins Wappen des FSV geschafft hat. Leonhard von Schroetter, der Fußball-Profi aus Raisting, spielt seit dieser Saison für den FSV Frankfurt in der Regionalliga Südwest. Der Weg dorthin war einer voller Hürden und Schlaglöcher, wie der 21-Jährige im Interview verrät.

Vier Wochen ohne Fußball im November. Wann gab’s denn das zuletzt?

Eigentlich nur, wenn die Saison vorbei war. Beziehungsweise zwei, drei Wochen in der Winterpause. Durch Corona sind die Zwangspausen viel, viel länger. Entsprechend schwierig ist es, sich fit zuhalten.

Was machen Sie zu Hause?

Wir bekommen von unserer Athletiktrainerin Individualpläne mit Läufen und Kraft. Technik trainiere ich selbst bei uns im Garten. Es gibt Vorgaben, an die wir uns halten müssen. Die Daten werden über einen Pulsgurt direkt an den Verein übermittelt. Wir sind täglich mit diversen Plänen sehr gut eingespannt und trainieren so für uns am Tag drei, vier Stunden. Es sind sehr spezifische Läufe. Das ist nicht nur 30 Minuten geradeaus laufen, bis man nicht mehr kann. Wir laufen in Intervallen, mit Sprints, damit du den Spielrhythmus behältst. Im Spiel läufst du auch nicht zehn Minuten ein Tempo nur geradeaus.

Wo laufen Sie?

Meistens direkt an der Ammer zwischen Fischen und Weilheim.

Erkennt man Sie?

Mittlerweile schon. Man trifft die meisten aus dem Ort und den umliegenden Dörfern. Wenn du in deinen Fußballklamotten rumläufst, erregst du meistens großes Aufsehen. Die Menschen grüßen immer sehr nett und freuen sich, dich zu erkennen. Das ist dann ganz anders, die Menschen außerhalb vom Fußball zu sehen.

Gibt’s Dinge, um die Sie Hobbyfußballer beneiden?

Ich konnte mein Hobby zum Beruf machen. Davon träumen Millionen Kinder. Der Unterschied ist: Je höher du kommst, desto mehr steigt der Druck im Umfeld. Da geht es um Verträge, Laufzeiten, Aufstieg, Abstieg. Neben dem Spaß hast du eben dann auch die Erwartungshaltung von außen, der Vereinsführung, der Fans und der Medien. Ob es beneidenswert ist, kann ich nicht beurteilen.

Wann haben Sie diese Erwartungshaltung realisiert?

Als ich nach Augsburg gewechselt bin, bereits in meinem ersten Jahr bei der U16. Ich war 15. Ich hatte noch keinen Vertrag, musste mich gegen Spieler durchsetzen, die bereits viel länger im Verein waren und schon die Ausbildung auf sehr hohem Niveau genossen haben. Es ging in diesem Jahr knallhart um die Plätze für die neue Saison in der U17-Bundesliga. Da kam der Druck scheibchenweise immer schneller. Ohne Leistung und Entwicklung gab es kein Weiterkommen. Das habe ich in jungen Jahren bereits frühzeitig realisiert.

Haben Sie da schon gemerkt, dass im Profifußball für Freundschaft wenig Platz ist?

In der U16 und der U17 wird einem das nicht so bewusst. Je länger man dabei ist, desto mehr merkt man, wie Spieler knallhart aussortiert werden. Von Jahr zu Jahr werden es weniger, die du seit Beginn kennengelernt hast. In der U23 war ich zum Schluss der Letzte aus dem damaligen U16-Kader. Da wird nach Leistung gegangen und nicht danach, ob einer nett ist oder viele Freunde in der Mannschaft hat. Bei vielen Spielern steigt der Egoismus und hemmt den Begriff „Freundschaft“.

Sie haben in Augsburg alle Höhen und Tiefen erlebt. Sie standen vor dem Sprung zu den Profis, wurden dann aber in der U23 überraschend aussortiert. Gab es einen Punkt, an dem Sie an sich gezweifelt haben?

Richtig gezweifelt nicht. Das letzte U23-Jahr war einfach sehr bitter für meine Entwicklung. Nach dem Trainerwechsel bei den Profis und in der U23 hatte ich von heute auf morgen keinen Auftrag mehr. Ich war bis dahin regelmäßig bei den Profis, wurde dann von heute auf morgen komplett in die Zweite Mannschaft runtergeschoben. Ich glaube, es lag an meiner Persönlichkeit. Zwischen dem neuen Trainer und mir hat die Chemie von Beginn an nicht gestimmt. Auch die vielen Gespräche mit den Verantwortlichen im NLZ (Nachwuchsleistungszentrum, Anm. d. Red.) haben nichts geholfen. Ich habe dann für mich gesagt, wenn es hier nun zu Ende sein soll, dann suche ich mir etwas Neues. Ich hatte im letzten Jahr nur insgesamt sieben Spiele gemacht. Die Jahre zuvor hatte ich immer zweistellige Werte erreicht. Es fühlte sich an, als wenn man nur noch der Notnagel in bestimmten Partien war. Es gab immer nur Vollgas im Training für mich und bei den wenigen Spielen konnte ich absolut überzeugen, was mir mein Umfeld bestätigte. Es reichte aber anscheinend nicht, den damaligen Trainer von mir zu überzeugen. Mit wenig Spielen in der Regionalliga kannst du Dich nicht für höhere Aufgaben empfehlen. Das Fenster nach oben (3. Liga, 2. oder 1. Bundesliga) ist immer weiter zugegangen, obwohl es davor weit geöffnet war. Wenn du bei den Profis trainierst, gutes Feedback von allen Seiten bekommst und trotzdem nicht beachtet wirst, setzt der Schmerz irgendwann ein und du willst nur noch weg.

Wer hat Sie aufgebaut?

Meine Eltern und die Familie geben mir sehr viel Rückhalt. Mein Vater führt(e) viele Gespräche mit mir. Er weiß, wie ich ticke und was mich im Fußball-Geschäft zu erwarten hat. Ich habe viel auch für mich selbst gearbeitet und immer versucht, nicht zu verkrampfen. Viele Spaziergänge haben dabei geholfen, hier einen klaren Gedanken zu fassen. Ich hab’ mir den eigenen Rückhalt und die Fitness über Extra-Einheiten geholt, viel Individual-Training, viel Kraftübungen, viele Läufe, wenn ich mal wieder nicht gespielt habe. Und dann kam der Moment.

Welcher Moment?

Im vergangenen Winter war es so weit, das Fenster zum Wechsel öffnete sich für mich über den damaligen Berater. SKN Sankt Pölten, Erste Liga in Österreich. Ich hatte ein Probetraining über drei Wochen. Der damalige Trainer Alex Schmidt – heute Coach bei Türk Gücü München –, das Betreuerteam und die Mannschaft gaben mir ein super Gefühl. Eigentlich war alles klar, ich wollte unbedingt nach Österreich, und dann zerschlug sich von heute auf morgen der Wechsel. Die genauen Hintergründe sind mir bis heute unklar. Mein Vater hat aber anschließend gehandelt und Veränderungen in der Betreuung vorgenommen.

Wie kamen Sie nach Frankfurt?

Ich hatte einige Probetrainings, unter anderem beim FC Memmingen, SV Wacker Burghausen und SSV Jahn Regensburg. Ein Angebot aus der Zweiten türkischen Liga lag auch vor. Vorwärts Steyr und FC Admira Wacker Mödling sollten die nächsten Probestationen sein. Dann schlug die Pandemie zu, und alles wurde schwieriger. Ich konnte nicht mehr ins Ausland. Mein Vater hatte in der Zwischenzeit sehr gute Gespräche mit dem Sportlichen Leiter und dem Trainer beim FSV Frankfurt. Ich bin für eine Woche hochgefahren. Nach den ersten zwei Tagen kam der Trainer zu mir und sagte: „Du passt hier sehr gut rein.“ Ich fühlte mich sehr, sehr wohl im Umfeld des ehemaligen Zweitligisten. Da war mir klar: Ich wollte unbedingt in die Main-Metropole. Diese Profistrukturen und die Menschlichkeit dort haben mir zugesagt. Ich wollte weiterhin Profi sein, auf Profiniveau spielen, als Profi behandelt werden, mich weiterentwickeln und als Mensch wieder wahrgenommen werden.

Ist die Regionalliga, Klasse Nummer vier in Deutschland, die richtige Liga?

Die Regionalliga ist ein Sprungbrett für junge Spieler in die Dritte oder Zweite Liga. Regensburg rekrutiert immer wieder Spieler aus der Regionalliga. Die U19-Bundesliga war trotz sehr guten Niveaus immer noch Nachwuchs-Fußball. In der Regionalliga gewöhnst du dich an den harten Männer-Fußball. In der Regionalliga Bayern ist der überwiegende Teil der Vereine auf dem Status „Amateurverein“. In der Regionalliga Südwest haben viele Vereine bereits Drittliga-Niveau und trainieren unter Profibedingungen. Für junge Spieler, die den Sprung nicht sofort schaffen, ist die Regionalliga Südwest sehr gut. Es wird behauptet, dass diese Liga und die Regionalliga West die stärksten Regionalligen sind und fast auf dem Niveau der 3. Liga stehen.

Wo sehen Sie sich in Zukunft?

Für mich ist zunächst wichtig, so viel Spielzeit wie möglich zu sammeln. Nach dem letzten Jahr bin ich sehr hungrig auf Einsatzzeiten. Ich bin flexibel einsetzbar, was sicherlich kein Nachteil ist. Mein großes Ziel ist natürlich einen weiteren Schritt nach oben zu machen. Ebenso reizt mich das Ausland.

Wie kommen Sie mit Frankfurt zurecht?

Die Stadt ist für mein Empfinden sehr schön, aber es gibt schon einen extremen Unterschied etwa zu München. In Frankfurt ist alles im näheren Umkreis. Groß U-Bahn braucht man nicht fahren, da man fußläufig alles schnell erreichen kann.

Erkennt man Sie als FSV-Spieler überhaupt?

Ja, du wirst erkannt. Ich wurde auf der Straße schon häufiger angesprochen, ob ich ein Autogramm geben kann. Der FSV ist ein Traditionsverein und deutschlandweit bekannt. Auch hier daheim hat man mich angesprochen, wie es in Frankfurt läuft. Viele wissen über den Verein Bescheid. Social-Media rundet das Ganze ab.

Sie spielen Mal Innenverteidiger, Mal Sechser, nun Rechtsverteidiger. Suchen Sie noch nach ihrer Rolle?

In der Jugend beim FCA wurde ich vom Offensiv- zum Defensivspieler umgeschult und auf allen Positionen top ausgebildet. Ich war und bin dadurch sehr flexibel einsetzbar. Als Lückenbüßer würde ich mich nicht darstellen. Meine Hauptpositionen sind Innenverteidiger und Rechtsverteidiger. Auf den anderen Positionen bringe ich die geforderte Leistung. Ein großes Plus in meiner Ausbildung ist dem FC Augsburg zu verdanken.

Welches Aufnahmeritual mussten Sie überstehen?

Singen. Wir hatten Mannschaftsabend. Ich hab’ mich auf einen Stuhl gestellt und ein Ständchen gesungen.

Welches Lied?

„Was du Liebe nennst“ von Bausa. Das kannte jeder, alle haben mitgesungen von Wort drei an. Deswegen ging es leichter.

Haben Sie schon einen besten Spezl?

Beste Spezln gibt es in diesem Geschäft kaum. Ich hatte seinerzeit in der U17 bis U19 einen und wurde bitter enttäuscht. Man lernt sehr viel daraus und sieht genauer drauf. In Frankfurt gehen wir meist als Mannschaft ins Café oder zum Essen. Ab und an auch im kleineren Kreis. Durch den tollen Teamgeist gibt es auch keine Grüppchenbildung. Meine besten Freunde außerhalb vom Fußball treffe ich in meiner Heimat.

Wieviel Kontakt haben Sie nach Hause?

Regelmäßig via Telefon. In den freien Zeiten fahre ich auch oft nach Hause.

Wie stehen die Chancen, dass Sie länger in Frankfurt bleiben?

Wir warten ab, wie die Saison läuft (Anm. d. Red.: Im Moment belegt der FSV Rankfurt den sechsten Platz. Der Rückstand auf Tabellenführer SC Freiburg II beträgt sechs Punkte). Wenn ich auf meine Leistung und meine Spiele komme, gibt das eine Bestätigung vom Verein. Wenn diese Bestätigung kommt, freue ich mich und wir reden über die Zukunft und die Perspektiven. Von Seiten des Vereins und mir persönlich. Ich bin selbst gespannt, was kommt. Als Fußballer hast du ein schnelllebiges Leben. Mein Wechsel ist auch innerhalb von vier Tagen über die Bühne gegangen. Das Leben kann sich von einem Tag auf den anderen verändern – siehe Corona. (Andreas Mayr)

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