Der Corona-Kontrolleur und sein Boss: TSV-Präsident Stefan Rießenberger (li.) installierte Dennis Steinbach als eine Art Oberaufseher, was die Umsetzung und Einhaltung der Pandemievorschriften betrifft.Ein Exemplar mit allen Richtlinien hatteDennis Steinbach stets zur Hand
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Der Corona-Kontrolleur und sein Boss: TSV-Präsident Stefan Rießenberger (li.) installierte Dennis Steinbach als eine Art Oberaufseher, was die Umsetzung und Einhaltung der Pandemievorschriften betrifft.Ein Exemplar mit allen Richtlinien hatteDennis Steinbach stets zur Hand

Dennis Steinbach kontrolliert Einhaltung der Maßnahmen als Fulltime-Job

Novum in Bayern: TSV Peißenberg beschäftigt Pandemie-Beauftragten

  • vonChristian Heinrich
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Wenn Dennis Steinbach mit seiner gelben Warnweste im Stadion auftauchte, wurde er von den Sportlern stets auf die immer selbe Weise begrüßt: „Ach, der Eismeister, servus.“

Peißenberg Dabei war es gleich, ob der 29-Jährige den „Eishacklern“ einen Besuch abstattete, den Fußballern oder den Tennisspielern. Den ganzen Herbst über bis zum zweiten Lockdown am 2. November fungierte er als eine Art Sonderbeauftragter des TSV Peißenberg für Corona. „Er war unser Kontrolleur und Koordinator“, beschreibt Stefan Rießenberger das Amt, das Steinbach über den Herbst ganz offiziell neben seiner Tätigkeit als Eismeister ausübte.

Dem TSV-Präsidenten war früh klar geworden, dass es schier unmöglich war, den etwa 2500 Mitgliedern des 16 Abteilungen umfassenden Vereins einfach mal so ein Hygienekonzept zu verordnen und dann einfach darauf zu vertrauen, dass sich jeder eisern daran hält. „Wer überwacht das?“ Dies Frage stellte sich das Präsidium um TSV-Boss Rießenberger. Sich selbst sah der Vorstand dazu nicht in der Lage, genauso wenig die Trainer und Betreuer, die schon genug mit ihren Mannschaften und Athleten um die Ohren hatten. Außerdem waren logistische Probleme zu lösen. Der TSV besitzt zahlreiche Sportstätten. Die Tennisspieler sind an der Max-Planck-Straße zuhause, die Stockschützen am Reberweg beheimatet und die Fußballer und Leichtathleten an der Sonnenstraße. Außerdem galt es, das Treiben in der Schulturnhalle Wörth, in der St.-Johann-Turnhalle und in der Glückauf-Sporthalle im Auge zu behalten.

Dennis Steinbach: Corona-Beauftragter als Fulltime-Job

Rießenberger installierte deshalb je einen Corona-Beauftragten pro Abteilung, der für die Umsetzung der Hygienebestimmungen verantwortlich war, und Steinbach als Oberaufseher. „Ich habe gegen 15 Uhr angefangen und dann bis 22 Uhr gearbeitet“, spricht Steinbach von einem Ganztags-Job. Mit dem Fahrrad pendelte er zwischen den einzelnen Sportstätten hin und her und überprüfte, dass alles seine Ordnung hatte. Steinbach hatte einiges zu beachten: Entsprach die Zahl der Sportler der von der Regierung festgelegten Größe? Waren alle Athleten sauber mit Namen und Adressen in die entsprechenden Listen eingetragen? Trugen alle die vorgeschriebenen Masken und hielten sich an die nötigen Abstände? „Ich habe die Regeln alle im Kopf gehabt“, berichtet Steinbach. Er wusste bestens über die Verfügungen Bescheid. Und wenn einmal etwas strittig war, hatte er gleich auch ein schriftliches Exemplar mit allen Richtlinien zur Hand.

Diskussionen mit den Mitgliedern gehörten – zumindest am Anfang – zu seinem Alltag. Nicht jedem war auf Anhieb einsichtig, warum er im Freien eine Maske aufsetzen musste. „Es hat gedauert, bis die Leute begriffen haben, dass man das machen muss“, erinnert sich Steinbach. „Manchen habe ich es 10 000 Mal gesagt.“ Auch Rießenberger gibt zu, „dass am Anfang schon ein bisschen Skepsis da war. Aber nach gewissen Anlaufschwierigkeiten hat alles funktioniert“. Irgendwann fielen die ständigen Belehrungen dann doch auf fruchtbaren Boden. Sehr zur Erleichterung der Beauftragten aus den Sparten, die allein überfordert gewesen wären, wenn sie nach dem Rechten zu sehen hatten. „Herr Steinbach hat Hilfestellung gegeben, wenn etwas nicht geklappt hat“, fühlte sich Rießenberger mit seinem System bestätigt.

Corona-Beauftragter als Job - Novum im bayerischen Amateursport

Der vom Verein engagierte und bezahlte Chef-Inspektor besaß die nötige Autorität, um das Hygienekonzept durchzusetzen. Darüber hinaus besaß der TSV eine Fachkraft, die ständig dafür sorgte, dass die Desinfektionsspender ständig nachgefüllt und die Kabinen nach jedem Spiel oder Training sofort gereinigt wurden. Ganz ohne Risiko für die eigene Gesundheit lief das Ganze nicht ab. Steinbach absolvierte während dieser Zeit drei Corona-Tests, die allesamt negativ ausfielen. Was zum einen daran lag, dass die Mitglieder die Hygieneregeln beachteten. Zum anderen war die Kontrolle der Vorschriften Steinbach bald in Fleisch und Blut übergegangen. „Ich musste ja ein Vorbild sein“, so der 29-Jährige. So blieben Komplikationen vollkommen aus. „Es ist nicht vorgekommen, dass wir jemanden anrufen mussten.“ Die Vorsichtsmaßnahmen hatten sich bezahlt gemacht, weder bei den Sportlern noch bei den Zuschauern trat ein einziger Verdachtsfall auf.

Das Hygienekonzept war am Ende so erfolgreich, dass sich einige Nachbarvereine bei Rießenberger meldeten, um es für sich zu kopieren. „Ich wage zu bezweifeln, dass es in ganz Bayern einen Verein gegeben hat, der einen Festangestellten hatte, der alle Sportstätten überwacht hat“, reklamiert der Vorsitzende für den TSV ein Alleinstellungsmerkmal im gesamten Freistaat. Dass Steinbach eine außergewöhnliche Arbeit leistete, war auch irgendwann den Mitgliedern bewusst. „Dennis, du machst den Job echt gut“, bekam Steinbach oftmals zu hören. Sollten die Lockdown-Bestimmungen in den kommenden Wochen Stück für Stück gelockert werden, wird man in Peißenberg den Radler mit der gelben Warnweste wieder öfter sehen.

(Christian Heinrich)

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