Kinder bei der Eislaufschule in Schongau.
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Der Nachwuchs hat Vorrang: Sollte der Lockdown am 10. Januar aufgehoben werden, sollen sowohl in Schongau als auch in Peißenberg vor allem Kinder und Jugendliche (wie hier bei der Eislaufschule in Schongau) wieder in die Hallen dürfen, um dort zu trainieren.

Eishockey: Eis in der Peißenberger Halle ist seit Wochen abgetaut

„Eishackler“-Chef rechnet mit Verlängerung des Lockdowns - doch Saison ist noch nicht abgeschrieben

  • vonRoland Halmel
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Was die Fortsetzung des Spielbetriebs betrifft, läuft den Bayernliga-Vereinen langsam die Zeit davon. Sie wollen aber auch aus einem anderen Grund, dass sie die Eishallen bald wieder öffnen dürfen.

Landkreis – Die meisten Eishallen in Bayern sind coronabedingt seit Anfang November geschlossen, nachdem die Bayerische Staatsregierung einen „Lockdown light“ verhängt hatte. Daraus ist mittlerweile ein harter Lockdown geworden. Bis mindestens 10. Januar bleiben die Tore der Eishallen weiter verschlossen. Einige, wie etwa die Hallen in Germering, Geretsried, Freising und Bad Wörishofen, werden ihre Pforten in diesem Winter auch nicht mehr öffnen. Hauptgrund ist, dass die Kommunen sich aus Kostengründen dazu entschlossen haben, das Eis abzutauen.

Wie sieht die Situation in den drei Eisstadien im Landkreis Weilheim-Schongau aus? In Peiting laufen die Eismaschinen weiter, da die Senioren-Mannschaft in der Oberliga um Punkte kämpft. Sie wird als Profiliga eingestuft, die auch während des Lockdowns spielen darf. Bei den Bayernligisten TSV Peißenberg und EA Schongau stehen die Kühlaggregate dagegen still. „Bei uns ist aber immer noch Eis vorhanden, weil es draußen kalt genug ist und wir eine halboffene Halle haben“, berichtet Schongaus Teammanager Martin Resch. „Wir wollen das Grundeis auch halten, um schnell wieder loslegen zu können, falls es möglich ist“, so Resch.

Eishockey: Spieler der EA Schongau halten sich individuell fit

Eine Besprechung mit der gesamten Mannschaft gab es aus gegebenem Anlass schon länger nicht mehr, nur Gespräche mit einzelnen Spielern. Die Schongauer halten sich individuell fit. „Dafür sind sie Sportler genug und haben auch ein Eigeninteresse“, sagt Resch. Er hält die aktuellen Einschränkungen, die vonseiten der Politik beschlossen wurden, für nachvollziehbar. Sorge, dass Spieler der „Mammuts“ zu anderen Vereinen abwandern könnten, hat Resch nicht. „Wenn ein Spieler auf uns zukommt, werden wir ihm keine Steine in den Weg legen.“ Lukrative Angebote gab es für die zwei Kontingentspieler Jakub Muzik und Roman Tomanek bereits zur Genüge. Beide entschieden sich jedoch, in Schongau zu bleiben, wo sie als Festangestellte einen Beruf außerhalb des Eishockeys ausüben.

Der EAS-Teammanager hat die Hoffnung nicht ganz aufgegeben, in diesem Winter noch einmal aufs Eis zurückzukehren. „Wir sehen uns da in der Verpflichtung. Wir hoffen dabei vor allem auf den Trainingsbetrieb für den Nachwuchs“, betont Resch die Vorrangstellung der Kinder. Die Erste Mannschaft in der Bayernliga steht diesbezüglich auf der Prioritätenliste nicht so weit oben.

Jeden Monat kostet die Eishalle den TSV rund 8 000 Euro. Das Geld haben wir jetzt gespart.

Stefan Rießenberger, Präsident des TSV Peißenberg

Gleiches gilt für den TSV Peißenberg. „Wir wollen den Kindern, wenn es möglich ist, wieder Training anbieten“, sagt TSV-Präsident Stefan Rießenberger, der für seine Entscheidung, unmittelbar nach Bekanntgabe des Lockdowns die Eismaschinen abzuschalten, viel Kritik einstecken musste. „Ich bin in der Luft zerrissen worden, aber ich denke, das war richtig. Jeden Monat kostet die Eishalle den TSV rund 8 000 Euro. Das Geld haben wir jetzt gespart“, sagt Rießenberger, der im Falle der Erlaubnis durch die Politik sofort die Kühlaggregate anwerfen würde. „Innerhalb von fünf Tagen haben wir dann wieder Eis“, so der TSV-Präsident, der jedoch auch einschränkt: „Wenn das erst Ende Januar der Fall sein sollte, bringt das nichts.“ Er sieht den Eishockey-Vereinen zunehmend die Zeit davonlaufen.

Eishockey: In Peißenberg soll die Mannschaft das letzte Wort haben und entscheiden, ob sie weiterspielt

Das weiß auch die Mannschaft: „Die Spieler möchten alle wieder aufs Eis. Ihnen geht es ab, fünfmal in der Woche zu trainieren oder zu spielen. Aber so richtig glaubt keiner daran“, berichtet „Eishackler“-Chef Norbert Ortner, der mit den Spielern vor kurzem eine Videokonferenz abgehalten hat. „Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass die Situation in drei Wochen recht viel besser ist“, sagt Ortner, der mit einer Verlängerung des Lockdowns über den 10. Januar hinaus rechnet. Möglicherweise im Februar noch eine Pokalrunde zu spielen, ergibt für ihn wenig Sinn. „Das Entscheidungsrecht liegt aber bei der Mannschaft“, betont Ortner. Sein Team soll im Falle einer Freigabe das letzte Wort über eine Fortsetzung der Saison – in welcher Form auch immer – haben. „Das sind alles Amateure und keine Profis, für die es Berufsrisiko ist, zu spielen. Unsere Spieler können sich wegen der Arbeit nicht erlauben, mehrfach in Quarantäne zu gehen“, ergänzt Ortner.

Eishockey: „Eishackler“-Chef Ortner plant schon für die Saison 2021/22

Der Blick des „Eishackler“-Chefs richtet sich bereits in die Zukunft. „Ich beginne jetzt schon langsam mit der Planung der Saison 2021/22. Vielleicht machen wir dann auch schon früher Eis, bereits im August“, verkündete Ortner, der sich mit seinen Mannen am Dreikönigstag wieder vor dem Bildschirm zusammensetzen will. „Vielleicht wissen wir dann mehr“, so Ortner.

Peißenbergs Präsident Stefan Rießenberger ist indes fassungslos darüber, dass in Peiting weiter Eishockey gespielt werden darf: „Es ist der größte Witz, dass die Oberliga als Profiliga eingestuft wird.“ Anders ist die Sichtweise in Schongau: „Wir freuen uns für jeden Verein, der es stemmen kann, ohne Zuschauer zu spielen und jede Liga, die ausgetragen wird. Wenn es in Hinblick auf Corona sicher ist, ist es wichtig für die gesamte Sportart, dass Eishockey weiter präsent ist“, so Teammanager Resch.

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