Die aktuelle Lage stellt den SC vor große Herausforderungen

SC Huglfing: „Wir stehen am Scheideweg“

  • VonChristian Heinrich
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Der SC Huglfing befindet sich vor einem Dilemma: Entweder man schafft ein coronakonformes Trainingsangebot oder der Verein muss einige Abgänge in Kauf nehmen.

Huglfing – Manchmal ist es gar nicht so einfach, ja oder nein zu sagen. „Wir sind hin- und hergerissen“, so Karl Albrecht. Er räumt ein, dass es seinem Verein momentan schwer fällt, eine klare Entscheidung zu treffen. Der Zweite Abteilungsleiter und Sportliche Leiter der Fußballer des SC Huglfing muss jedoch eine definitive Antwort finden, ob für sein Herren-Team die Saison nun beendet werden soll oder nicht. Die Abteilung ist gespalten. Die Fußballer wollen alles daran setzen, wenigstens noch ein paar Spiele herunterzureißen, um den vorletzten Platz in der Kreisklasse 3 zu verlassen und damit dem drohenden Abstieg zu entgehen. Die Verantwortlichen hingegen ersehnen den Abbruch der Runde, die nun schon fast zwei Jahre lang dahinsiecht. „Für uns Ehrenamtliche wäre es an der Zeit, einen Cut zu machen“, erläutert Albrecht seinen Standpunkt. Für die Schwarz-Gelben geht es jedoch nicht nur um eine Grundsatzentscheidung, sondern auch um die Zukunft des Vereins. Eigentlich sind die Weichen schon gestellt. Das schmucke Vereinsgelände wird in Zukunft um einen neuen Rasenplatz sowie um einen Kunstrasenplatz erweitert. Der Bedarf ist groß. 

Schwere Zeiten für den SC Huglfing

Neben den Herren spielen noch zwei Damen-Teams in der Kreisliga und in der A-Klasse. Außerdem bevölkern 100 Kinder und Jugendliche regelmäßig das Gelände. Das Prunkstück des Vereins bilden die Mädchen. Die B-Juniorinnen besitzen als Bezirksoberligist den Status der ranghöchsten Mannschaft aus der gesamten Region. Bei so viel Begeisterung schlittert der Verein in Zeiten von Corona in ein schier unauflösbares Dilemma. Spielen die Herren, streben auch wieder die Damen und die Jugend auf den grünen Rasen. Nur: Wer regelt dann den gesamten Betrieb? Wer sorgt für die Tests und übernimmt die Haftung? „Wir als Abteilungsleitung sind in der Zwickmühle“, klagt Albrecht. Fußball spielen wollen alle, aber wie ist das zu rechtfertigen, wenn nicht einmal alle Kicker zur Arbeit oder zur Schule gehen können? Wie schwer es fällt, eine klare und unumstößliche Position zu beziehen, zeigt sich allein in der Frage des Saisonabbruchs.

„Wir könnten damit leben, wenn wir absteigen“, so Albrecht. Er macht aus eine Versetzung in die A-Klasse kein Drama. Auf der anderen Seite fürchtet er um die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, wenn der Sportclub die Klasse nicht halten kann. „Das gibt schon den einen oder anderen von uns den Todesstoß für die Motivation, der hin und her schwankt, ob er weiter Fußball spielen soll oder nicht.“ Die vergangenen 15 Monate haben die Welt auf den Kopf gestellt und mit ihr den Mikrokosmos des SC Huglfing.

SC Huglfing: Viele Verletzungen im Ligapokal

Als der Verein im vergangenen September wieder das Fußballspielen aufnahm, blühte der Optimismus, die Saison zu einem positiven Ende zu bringen. Im Glauben an die eigene Stärke meldete sich der SC auch für den Ligapokal an, den der Bayerische Fußball-Verband trotz der Pandemie als Parallelwettbewerb zur normalen Runde aus der Taufe gehoben hatte. Heute kann Albrecht über diesen verwegenen Akt nur den Kopf schütteln: „Das war Übermut.“ Seine Mannschaft bezahlte teuer dafür, den Verlockungen des Verbandes nicht widerstanden zu haben. Im Ligapokal-Spiel gegen den Nachbarn ASV Eglfing handelten sich die Schwarz-Gelben nicht nur eine Niederlage, sondern auch zahlreiche Verletzte ein. „Das war tödlich für uns“, erinnert sich Albrecht. Personalprobleme plagten fortan sein Team. In der Meisterschaft wurde nicht mehr gewonnen und für den Ligapokal meldete der Verein sein Team ab. Dass diesem Wettbewerb nur ein paar Wochen des Dahindarbens gegönnt waren, bevor ihm die Pandemie im April endgültig den Gar ausmachte, vergrößert den Schmerz nur noch. 

SC Huglfing: „Es geht darum, ob der Volkssport Fußball am Ende noch Volkssport ist“

Wie so viele andere Vereine in Bayern hatte der SC aufs falsche Pferd gesetzt. Sehr wahrscheinlich wird es nicht bei diesem Verlust bleiben. Corona hat die gesamte bayerische Fußballlandschaft wie ein gewaltiger Orkan durcheinandergewirbelt. „Es wird nichts mehr so sein wie zu Beginn der Saison 2019/20“, spricht Albrecht von einer Zeitenwende. Auch er weiß, dass viele seiner jungen Kicker in den vergangenen fußballfreien Monaten plötzlich Gefallen an individuellem Sport gefunden haben. „Wenn die weg sind sind sie weg“, ist Albrecht klar, obwohl er darauf hofft, dass die jungen Männer weiter treu zum Verein stehen. 

Beharren nun die Verbandshäuptlinge darauf, dass der neu geschaffene Paragraph 93 strikt durchgesetzt wird, verlieren die Huglfinger Herren nicht nur ihre Kreisklassenzugehörigkeit, sondern aus Enttäuschung auch ihr Vertrauen in den Verband. „Es geht darum, ob der Volkssport Fußball am Ende noch Volkssport ist“, befürchtet Albrecht einen drohenden Mitgliederschwund. Weil dann Fußball nicht mehr flächendeckend im Freistaat angeboten werden könnte, redet er den Fußball-Mächtigen ins Gewissen: „Wenn man bestimmte Dinge nur noch durchdrücken will, glaube ich, dass sich die Leute das auf Dauer nicht mehr zumuten.“ 

Die Verdrossenheit des Fußballvolks ist bei den Verantwortlichen in der Brienner Straße aber noch nicht wirklich angekommen. Zu sehr kreisen sie um sich selbst und ihrem guten Ruf, als einziger deutscher Landesverband die Saison nicht abgebrochen zu haben. Als kleiner Verein spürt der SC Huglfing diesen leisen Stimmungswandel jedoch wie ein sensibler Seismograph. „Wir stehen am Scheideweg“, bringt Albrecht die Situation beim SC auf den Punkt. Der Verein wird sich neu orientieren müssen. In welche Richtung der Weg des Sportclubs künftig führen wird, lässt sich im Augenblick schwerer denn je bestimmen.

(Christian Heinrich)

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