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Beinahe gleichauf auf die Zielgerade: Tabellenführer TSV Peiting (in roten Trikots, hier Christoph Hertl) und den Tabellenvierten Polling (hier Marcel Mayr) trennen gerade einmal zwei Punkte.

Kreisliga 2: Fast jeder kann noch absteigen

Spannendste Liga aller Zeiten: 8 Teams kämpfen um den Aufstieg

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Eine solche Konstellation hat es im Kreis Zugspitze vermutlich noch nie gegeben. Drei Spieltage vor Saisonende muss in der Kreisliga 2 der Großteil der 14 Vereine noch um den Klassenerhalt bangen – und hat gleichzeitig noch die Chance zum Sprung in die Bezirksliga. Davon betroffen sind auch vier Mannschaften aus dem Landkreis Weilheim-Schongau.

VON STEFAN SCHNÜRER

Landkreis – Fest stehen bislang nur zwei Dinge: Tabellenführer TSV Peiting kann nicht mehr absteigen, und der TSV Landsberg II muss den Gang in die Kreisklasse antreten. Alle anderen Entscheidungen: noch offen. Für die betroffenen Vereine ist das eine kuriose Situation: Sie müssen im Kampf gegen den Abstieg noch Punkte sammeln. Gelingt ihnen dies, haben sie nicht bloß den Klassenerhalt geschafft. Womöglich spielen dann einer oder zwei von ihnen kommende Saison in der Bezirksliga. Wirklich attraktiv findet das keiner der Trainer von den vier Klubs aus dem Landkreis-Weilheim-Schongau. Bezeichnend die Aussage von Peitings Trainer Benjamin Schweiger: „Eigentlich müsste der Verband beschließen, dass keiner aufsteigt.“

TSV Peiting

Zuletzt musste Coach Schweiger schmunzeln: „Wir vergeigen unsere Spiele und bleiben dennoch vorn.“ In der Tat: Aus den vergangenen beiden Partien holte seine Mannschaft nur einen einzigen Punkt und schoss kein Tor, trotzdem grüßt sie noch immer von der Tabellenspitze der Kreisliga 2. Als die Peitinger vor eineinhalb Wochen beim abstiegsbedrohten SC Oberweikertshofen II mit 0:2 unterlagen, drängte sich bei Schweiger der Eindruck auf: Die Burschen wollen gar nicht aufsteigen. Was überhaupt auffällt: Vor allem gegen die Mannschaften aus den unteren Regionen lassen die Peitinger gern die Punkte liegen. Beim – allerdings mit einigen Spielern aus dem Kader des Landesliga-Teams verstärkten – TSV Landsberg II gab’s eine 1:2-Niederlage, gegen den Vorletzten, dem 1. SC Gröbenzell, gab’s ein 2:2. Wesentlich besser schaut’s bei den Duellen gegen die Titelkonkurrenten aus: Die direkten Vergleiche – und die könnten in dieser verrückten Saison den Ausschlag geben – hat die Schweiger-Elf gegen Pöcking, Polling, Bernbeuren und Jahn Landsberg Landsberg die Nase vorn. Lediglich gegen den SV Mammendorf zieht der TSV den Kürzeren.

Auch wenn die Peitinger für einen Tabellenführer ziemlich unsouverän daherkommen, stehen sie laut ihrem Trainer zu Recht an Platz eins: „Wir waren an 16, 17 Spieltagen Erster und wir haben mehr Punkte geholt als alle anderen“, so Schweiger. Geht’s nach ihm, soll das bis zum Saisonende auch so bleiben. Nach Schweigers Rechnung könnte die Entscheidung im Titelrennen nach dem vorletzten Spiel beim TSV Altenstadt gefallen sein. Von den Voraussetzungen her darf seinen Worten nach aber nur der SC Pöcking aufsteigen: „Vom Einzugsgebiet und den Strukturen haben die Pöckinger die besten Voraussetzungen.“ Zu den Titelkandidaten zählt er auch die Pollinger, „eine heiße Mannschaft“, so der TSV-Coach. Bei seinem Team müsse der Kader – unabhängig davon, in welcher Liga Peiting künftig spielt – breiter werden. Schweiger wünscht seiner Mannschaft nur eines nicht: Platz zwei. Will der TSV über die Relegation aufsteigen, muss er binnen zehn Tagen vier Spiele absolvieren. „Das ist der Wahnsinn“, so Schweiger, der betont, dass sein Team personell schon jetzt „auf dem Zahnfleisch daherkommt“. Außerdem würde dann die Sommerpause fast komplett ausfallen. „Da muss man mit der Mannschaft über die Konsequenzen sprechen“, so Schweiger.

SV Polling

Es ist gerade einmal etwas mehr als drei Wochen her: Am Karsamstag kamen die Pollinger beim TSV Altenstadt mit 1:5 unter die Räder, was den Sturz auf Relegationsplatz elf bedeutete. Der Klassenerhalt war in großer Gefahr, bei den Verantwortlichen herrschte Panik. Trainer Marco Pröbstl musste gehen, als Nachfolger wurde sein Vorgänger Richard Hartmann installiert, der das Team aus dem Klosterdorf vor dem sofortigen Wiederabstieg bewahren sollte. Und der Motivator mit der Hansi-Hinterseer-Frisur leistete ganze Arbeit. Mit vier Siegen in Folge – einmal stand der künftige Coach Robert Färber aushilfsweise an der Seitenlinie – arbeiteten sich die Pollinger nicht nur aus dem Tabellenkeller, mit der längsten Siegesserie der gesamten Kreisliga-2-Saison rückten sie bis auf zwei Punkte an Spitzenreiter Peiting heran. Titelträume? Von wegen. „Wir schauen immer noch nach unten“, versichert Hartmann. Andererseits: „Wenn du die Chance zum Aufstieg hast, musst du sie wahrnehmen.“ Doch Vorrang hat der Verbleib in der Kreisliga, „das ist unsere Motivation“. Sein Favorit auf den Sprung in die Bezirksliga ist Pöcking: „Wie ich gehört habe, wollen die auch rauf“, so Hartmann. Nimmt er das vergangene Spiel in Eichenau zum Maßstab, attestiert er seiner Mannschaft trotz des 5:1-Sieges keine Bezirksligareife: „Die Eichenauer haben uns so was von hergespielt. Wir haben unsere Tore einfach nur zur rechten Zeit geschossen.“ Doch Fußball ist eben Ergebnissport, es zählen nur die Punkte – und davon haben die Pollinger zuletzt viele gesammelt.

Jetzt richtet sich der Blick erst einmal auf das Heimspiel am kommenden Sonntag gegen den SC Maisach. „Das hat jetzt absolute Priorität“, so Hartmann. Und sollte seine Mannschaft auch diese Partie gewinnen, gibt’s die Woche drauf in Pöcking „ein absolutes Endspiel“, so der SVP-Coach. Trotz dieser rosigen Aussichten übt er sich weiter in Demut. Sein Wahlspruch lautet „Flieg’ nicht so hoch, mein kleiner Freund“. Und so wird Hartmann nicht müde, die Erwartungen zu senken und die Euphorie zu dämpfen – zumal der Kader im Saisonendspurt immer dünner wird. Jüngste Opfer sind Lukas Schimpl und Vinzenz Mayr, für die verletzungsbedingt die Saison zu Ende ist. Eines wünscht sich Hartmann auf keinen Fall: Zweiter werden und dann in der Relegation gegen Habach spielen. „Das wäre bitter für mich.“ Neben Polling ist auch der ASV, den er ebenfalls bereits mit großem Erfolg trainiert hat, ein Herzensverein von Hartmann.

TSV Bernbeuren

Bernbeurens Trainer Daniel Deli redet gar nicht erst um den heißen Brei herum: „Ich bin kein Träumer. Der Aufstieg geht nicht über uns.“ Seiner Ansicht nach wäre der Sprung in die Bezirksliga auch gar nicht wünschenswert, da er zu früh käme. Mit Grausen erinnert er sich noch an die Saison 2016/17: Nach der Vorrunde war der TSV Dritter der Kreisliga 2, am Ende war er in die Kreisklasse abgestiegen. „Eine Horror-Rückrunde“, erinnert sich Deli mit Grausen. Bei einem Aufstieg in die Bezirksliga wird es laut Deli noch schlimmer kommen: „Aufgrund unserer Vereinsstruktur würden wir in der Bezirksliga zerrissen werden.“ Da sei der VfL Denklingen, der sang- und klanglos Tabellenletzter in dieser Liga wurdet, noch erfolgreich dagegen gewesen. Allein schon die jüngste Heimbilanz stimmt ihn – vornehm gesagt – sehr zurückhaltend: In den vergangenen fünf Partien holte der TSV sieben Punkte. Die Gefahr, dass seine Mannschaft aufgrund der aussichtsreichen Tabellenkonstellation abheben könnte, sieht Deli nicht: „Ich habe eine sehr smarte Truppe, die Spieler stehen voll im Leben.“ Für ihn würde alles andere als die Welt untergehen, wenn seine Truppe in der Kreisliga bleibt – im Gegenteil: „Das wäre mir das Allerliebste.“ Delis Prognose: „Peiting macht noch sieben Punkte und wird Meister.“ Auch wenn bei ihm der Aufstieg nicht im Fokus steht, will er seinem eigenen Team das Gewinnen nicht verbieten: „Wir wollen immer so vorbereitet sein, dass wir gewinnen können.“ Doch erst einmal steht der Liga-Erhalt im Vordergrund. Dafür reichen laut Delis Rechnung 37 Punkte. 36 haben sie bereits auf der Habenseite. Zumindest dieses Vorhaben sollte nur Formsache sein.

TSV Altenstadt

Am kuriosesten ist die Ausgangslage unter den vier Landkreisvereinen für den TSV Altenstadt. Der Vorsprung auf Relegationsplatz elf beträgt nur vier Punkte, der Rückstand auf Relegationsplatz zwei jedoch auch. Ein Verein zwischen Aufstiegshoffnung und Abstiegsangst. Christoph Schmitt, der zusammen mit Robert Kanzler den TSV trainiert, bevorzugt den Blick nach unten. „Wir sind absolut noch nicht gesichert.“ Die aktuelle Formkurve spricht jedoch für die Altenstadter: Aus den vergangenen vier Partien haben sie zehn von zwölf möglichen Punkten geholt. Doch auch das ist für Schmitt kein Argument, dass sein Team jetzt zu den Aufstiegskandidaten zählen soll. „Wenn wir diese Punkte nicht geholt hätten, wären wir jetzt hinten drin.“ Hält der positive Trend an, könnte es durchaus noch für einen der ersten zwei Plätze reichen. Wirklich begeistert kling Schmitt nicht, wenn er über den durchaus möglichen Aufstieg nachdenkt: „Bezirksliga ist schon eine ganz andere Nummer. Für uns würde das extrem schwierig werden.“ Die Ausgeglichenheit der Liga ist für Altenstadts Coach nicht unbedingt ein Zeichen von Stärke: „Das Niveau ist schon niedriger als in den Jahren zuvor.“ Wegweisenden Charakter hat für ihn die Partie am kommenden Wochenende zu Hause gegen Kellerkind Gröbenzell. „Danach können wir eine Bestandsaufnahme vornehmen.“ Das Gute an der Sache: „Für alle geht’s noch um was. Das sind keine Spiele um die goldene Ananas.“, so Schmitt. Topfavorit auf den Aufstieg sind für ihn die Pöckinger: „Die haben das stabilste Team.“

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