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Aus Gegnern werden Mitspieler: Weilheim (in schwarzen Trikots, hier Maximilian Ferner) und Oberhausen (hier Tobias Kreutterer, hier eine Szene aus dem August 2017) werden künftig gemeinsam auf Torejagd gehen. 

Zweckgemeinschaft für das Überleben

Spielgemeinschaft als einzige Alternative für Weilheim und Oberhausen

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Zwei Vereine ziehen die Notbremse: Um den Spielbetrieb für die kommende Saison aufrechtzuerhalten, bilden der BSC Oberhausen und der TSV Weilheim künftig eine Spielgemeinschaft.

Oberhausen/Weilheim – Den Verantwortlichen ist bewusst, dass dieser Zusammenschluss eine „für Außenstehende ungewöhnlich wirkende Maßnahme“ ist, wie die beiden Vereine in einer gemeinsamen Erklärung berichten. Immerhin hatten beide Vereine in der Vergangenheit nichts miteinander zu tun.

Vor allem aber für die Weilheimer ist dieser Schritt überlebenswichtig: „Abmelden oder Spielgemeinschaft, da gab es nicht viel Spielraum“, steht in der Mitteilung der Vereine. Beim TSV klafft, was den Nachwuchs betrifft, eine Lücke von etwa drei Jahren, die zu überwinden eine Herkulesaufgabe gewesen wäre. Daher haben die Trainer und die Sportliche Leitung beschlossen, den Weg für eine Spielgemeinschaft freizumachen. Es ist eine Entscheidung, die die Leitung der Fußball-Abteilung des TSV Weilheim laut dem Schreiben „absolut mitträgt“.

Von Personalproblemen geplagt sind jedoch auch die Oberhausener, die mit dem vierten Platz in der Kreisklasse 3 eine sportlich erfolgreiche Saison hingelegt haben. Für zwei Mannschaften im Spielbetrieb hätte für den BSC das Personal in der kommenden Saison nicht mehr gereicht. „Wir hätten die Reserve abmelden müssen“, sagt BSC-Trainer Markus Bierling. „Ohne AH-Spieler hätten wir es schon diese Saison nicht mehr geschafft.“ Daher „wurde auch seitens der Abteilungsleitung vorausschauend über die Situation diskutiert“, ist in der gemeinsamen Mitteilung zu lesen.

Nach dem Bericht im „Weilheimer Tagblatt“ und „Penzberger Merkur“ vor etwa einem Monat über das drohende Aus des Weilheimer Herrenteams nahm der BSC unter Federführung von Spartenleiter Gerhard Bertl Kontakt mit dem TSV auf. Bei ersten Gesprächen zwischen den beiden Abteilungsleitungen habe es einen Konsens gegeben. Schließlich wurde die Spielgemeinschaft Oberhausen/Weilheim „auf den letzten Drücker“, wie es in der Erklärung heißt, beim Spielgruppenleiter angemeldet. Inzwischen wurde die SG auch vom Bezirksausschuss genehmigt. Für die Verantwortlichen kommt es nicht überraschend, dass das Organ des BFV den Antrag auf eine Spielgemeinschaft positiv beschieden hat. Im Ligenbetrieb greife das Vereinssterben weiter um sich, vielen Klubs stehe „keine andere Alternative mehr zur Verfügung“, schreiben BSC und TSV in ihrer Mitteilung.

Für die Spartenleitung der Weilheimer ist die Spielgemeinschaft ein Geschenk: „Wir geben unseren jungen Spielern nicht nur weiterhin die Möglichkeit, ihren geliebten Sport fortzuführen, sondern motivieren sie auch, ihr Potenzial im Wettbewerb weiterzuentwickeln“, wird TSV-Abteilungsleiterin Claudia Auner in der Mitteilung zitiert. Es entstehe eine „Win-Win-Situation für beide Vereine“.

Laut Oberhausens Coach Bierling war, zumindest was den BSC betrifft, das Ja zur Spielgemeinschaft eine Entscheidung, bei der die Spieler nicht ins Boot geholt worden seien. Mittlerweile haben sich die Spieler der künftigen SG in Oberhausen getroffen. „In harmonischer Atmosphäre“, berichten die Vereine, seien Details zur anstehenden Saison „zu beiderseitiger Zufriedenheit geklärt“ worden. Die SG Oberhausen/Weilheim wird in der Spielzeit 2019/20 mit zwei Mannschaften in den Punktspielbetrieb starten. Die Erste spielt in der Kreisklasse, die Zweite in der B-Klasse.

Die Oberhausener und die Weilheimer bilden in der kommenden Saison aber nicht die einzige neue Spielgemeinschaft: Auch der FC Oberau und der TSV Farchant haben sich bei den Herren zu einer SG zusammengeschlossen. 

Kommentar vom Autor: 

Rein rational betrachtet ergibt der Zusammenschluss von TSV Weilheim und BSC Oberhausen durchaus Sinn. Beide Vereine haben enorme Personalprobleme, die Alternative wäre bei beiden Vereinen über kurz oder lang die Einstellung des Spielbetriebs im Herrenbereich gewesen. Der demographische Wandel in unserer Gesellschaft hat mittlerweile auch den Fußball erreicht. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen nimmt kontinuierlich ab, und beileibe nicht mehr jeder Heranwachsende entscheidet sich für den Fußball. Das, was sich jetzt mit Oberhausen und Weilheim ereignet, wird kein Einzelfall bleiben. Weitere Spielgemeinschaften werden folgen. Festzuhalten bleibt in diesemspeziellenFall aber auch: Der Zusammenschluss von TSV und BSC fühlt sich an wie ein Kunstprodukt. Engere Beziehungen zwischen beiden Vereinen hat es in der Vergangenheit nicht gegeben. Dieser Zusammenschluss ist keine Liebes-, sondern eine Zweckheirat. Die Gefahr ist groß, dass diese Ehe schon nach kurzer Zeit wieder geschieden wird

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