Christian Timmermann Trainer des SV Polling II.
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Christian Timmermann Trainer des SV Polling II.

Der SV Polling II tut sich nach dem Aufstieg in die A-Klasse in der neuen Liga noch schwer

SV Polling II: Noch ein gutes Stück entfernt von einer soliden Saison

  • Andreas Mayr
    VonAndreas Mayr
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Der SV Polling II tut sich nach dem Aufstieg in die A-Klasse in der neuen Liga noch schwer.

Polling – Eine Meisterfeier Ende Juli dürfte es in Polling auch noch nicht gegeben haben. Doch das Coronavirus lässt diesbezüglich wenige Alternativen zu. Wenige Tage vor dem Saisonstart saßen die A-Klassen-Aufsteiger der Zweiten Mannschaft zusammen, bei Fassbier und Grillfleisch. Der Förderverein sponserte Meistershirts. Auf einen Abend wie diesen haben sie in Polling lange gewartet, und das hat ausnahmsweise nicht primär mit der Pandemie zu tun.

Bereits 2016 versiegten die Aufstiegsambitionen der SVP-Reserve mit einer Niederlage am letzten Spieltag. In den Jahren danach häuften sich die Dramen um dritte Plätze und verpasste Aufstiege. Irgendwas schien den SV Polling von dieser verflixten A-Klasse fernzuhalten. Vom Kader und vom Potenzial gehöre die Zweite Mannschaft eines Kreisligisten in die A-Klasse, betont Christian Timmermann, der Trainer.

Timmermann: „Der Kader ist so breit, dass ich nicht mehr die Fußballschuhe anziehen sollte“

29 Jahre ist er alt und geht schon in sein fünftes Jahr in dieser Position. Einerseits ist das ein ungewöhnlicher Werdegang, weil Fußballer in seinem Alter normalerweise noch selbst kicken. Andererseits war es nur der logische wie konsequente Schritt für Timmermann. In Peißenberg hat er früher Jugendmannschaften betreut. Nach einem Jahr in Polling stieg er zum Spielertrainer der Reserve auf. Das war 2017. Mittlerweile hat er Lehrgänge absolviert und sich so sehr mit der Rolle des Trainers angefreundet, dass er nur noch einspringt, sobald Not am Mann ist. „Der Kader ist so breit, dass ich nicht mehr die Fußballschuhe anziehen sollte“, scherzt Timmermann.

Beim SVP, das ist Vereinsphilosophie, etikettieren sie nicht die Spieler nach Mannschaft eins und zwei. Timmermann und Kreisliga-Coach Robert Färber greifen auf einen Pool von bis zu 45 Fußballern zurück. „Natürlich sind die Top 11 bis 15 in der Kreisliga gesetzt“, betont Timmermann. Doch abgesehen davon ist das System durchlässig. Dafür muss man ja nur die Statistik der Meistersaison aufrufen: In 16 Partien setzte der SVP 45 Spieler ein – mit Abstand Höchstwert der Liga. Dieser Gruppe attestiert der Coach „hohes Entwicklungspotenzial“, da beinahe alle am Anfang ihrer Karrieren stehen. „Da bist du mit 25 Jahren alt“, witzelt Christian Timmermann.

SV Polling II: Luxusprobleme mit Nebenwirkungen

Solch’ ein Personalluxus hat aber auch seine Nachteile, gerade für einen Trainer. „Ab und zu ist man der Buhmann“, räumt Timmermann ein. Im Laufe der Saison versuche er, jeden mit genug Minuten zu versorgen. Es versteht sich von selbst, dass sich eine Mannschaft mit so vielen Anwärtern nie zu 100 Prozent einspielen kann. Dafür kann Polling – theoretisch zumindest – variabler spielen als alle anderen, bei den unterschiedlichen Typen, die den Kader formen. Das mache den Reiz seines Jobs aus, sagt Timmermann.

Die neue Liga werde für sein Team auf jeden Fall eine Herausforderung. „Schneller und körperlicher“ kicken sie in der A-Klasse, das weiß Christian Timmermann aus seinen über hundert Spielen für Peißenberg auf diesem Level. Diese Art Fußball sollte den Pollingern liegen. „Wir sind nicht die Mannschaft, die den schönsten Fußball spielt“, betont ihr Trainer. Beim SVP regelt’s das Kollektiv. Nicht selten sitzen nach den Einheiten 15 Mann oder mehr vor dem Sportheim zusammen. „Der Teamgeist macht uns stark.“

TImmermann: Ziel ist eine „solide Saison“

Bei all der positiven Atmosphäre, die das Team umgibt, muss Christian Timmermann aber auch auf das große Manko hinweisen: Diverse Testspiele fielen aus, die Spielpraxis geht ab – und das war in den ersten Partien der A-Klasse 5 spürbar. Zum Start gab’s gleich mal ein 0:3 gegen den amtierenden Vizemeister und Fast-Aufsteiger SV Haunshofen. Wesentlich schmerzhafter war aber das 0:6 in Bernried. Ein erstes Erfolgserlebnis bahnte sich am vergangenen Sonntag an. Bei den Spielfreunden Bichl, die ihre ersten drei Partien allesamt gewonnen hatten, hielten die Pollinger bis Mitte der zweiten Halbzeit ein 1:1. Dann zog ein Unwetter über dem Sportgelände auf. Die Partie wurde zunächst unterbrochen. Als keine Besserung in Sicht war, brach der Schiedsrichter ganz ab. Die Partie wird am morgigen Donnerstag nachgeholt.

Das Ziel „Klassenerhalt“, das sich die meisten Aufsteiger vorgeben, formuliert der Trainer etwas anders. Eine solide Saison möchte er spielen, in der ihn keine Sorgen plagen. Seine Fußballer sollen Erfahrungen sammeln und es genießen, „endlich in der A-Klasse zu spielen.“

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