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Den Ball fest im Blick: Mathias Schuster hat aufgrund seiner guten Reflexe schon machen Treffer des Gegners verhindert. Beim 1:5 in Habach vor einer Woche hatte der 23-Jährige aber einen weniger guten Tag erwischt. 

Eigentlich gelernter Mittelfeldspieler

Zufalls-Torhüter Mathias Schuster: „Ich gehe niemals aus Polling weg“

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Im Tor landete Mathias Schuster eher zufällig. Seitdem hat sich der Torhüter des Kreisligisten SV Polling vor allem aufgrund seiner hervorragenden Reflexe einen Namen in der Region gemacht. 

Polling – Neben dem Fußball hat der 23-Jährige noch ein weiteres Hobby, das er leidenschaftlich betreibt. Wie gut, dass das Leben kein Computerspiel ist und keinem Plan folgt. Mathias Schuster wäre sonst niemals im Tor gelandet. Es gab eine Zeit, in der Schuster als recht talentierter Mittelfeldspieler kickte „und ein paar Kilos weniger“ hatte, scherzt der Pollinger. Vermutlich würde er heute neben Sebastian Gößl die Bälle hin- und herschieben.

Aber sein Körper hat das erfolgreich verhindert. Mit 16 – Schuster spielte als B-Jugendlicher bei den A-Junioren – begannen die Leiden an den Knien. Schuster war zu schnell gewachsen, die Patellasehne schmerzte. Seine Trainer lösten die knifflige Lage mit einem Experiment und stellten den Pollinger in den Kasten. Dort ist er geblieben – und da möchte nicht mehr weg. Außer vielleicht für ein Gaudi-Spiel in der Zweiten Mannschaft.

Der Reiz dieses Jobs hat Schuster erfasst. Der 23-Jährige erklärt: „Entweder du bist der Gefeierte oder der Depp.“ Vorige Woche war er – entschuldigt sei die Wortwahl – einer der Deppen. Gegen Habach verschuldete er eines von fünf Gegentoren, weil er einen Rückpass aufnahm. Das war ihm zuvor noch nie passiert. Erklären kann er solche Aussetzer auch nicht. Aber im Amateursport dürfen sie passieren, findet der Torwart. Vor allem, weil sie in seinem Fall die Ausnahme bleiben.

In der Region kennt man ihn als hobbymäßigen Hexer. Fachgebiet: spektakuläre Reflexe. Am vergangenen Wochenende gegen Miesbach klappte er das linke Bein wie eine Klinge beim Taschenmesser aus. Den Ball, aus kurzer Distanz abgefeuert, lenkte er links am Tor vorbei. Trainieren könne man solche Paraden nicht, da alles in Bruchteilen von Sekunden abläuft, sagt der Pollinger, der sich als unkonventionell beschreibt. „Hauptsache, der Ball ist weg.“ Etwas mehr als nur Hexerei steckt schon dahinter. Pollings Torwart-Trainer Alexander Kraus und seine Übungen etwa. Kollege Fabian von Bülow, die Nummer zwei, beobachtet gern gegnerische Fußballer, ihre Vorlieben und Marotten. Dieses Wissen teilt er mit Schuster. „Echt top, was sich die Zwei alles überlegen“, lobt Schuster.

Über den nächsten Gegner, den SV Uffing, braucht Schuster eigentlich kein Dossier. Er kennt das Team gut genug aus früheren Duellen. Einige Spezln kicken zudem beim SVU. Sie warnt er schon einmal vor: „Da wird’s richtig scheppern.“ Allein die Ausgangslage ist brisant. Schließlich treffen sich zwei Vereine mit enttäuschten Erwartungen und den meisten Gegentoren (13) in der Kreisliga. „Danach können wir wieder Spezln sein“, sagt der Torhüter. Allerdings wird er das Duell verpassen. Mit dem Musikverein fährt er nach Prag. Einmal im Jahr touren die Musiker ohne Instrumente. In Südtirol beim Törggelen waren sie schon, auch die Partnerkapelle aus Platten bei Trier (Rheinland-Pflaz) haben sie besucht. „Muss auch mal sein“, findet der Trompeter.

Unter der Woche klappt es erstaunlich gut, Musik und Sport zu kombinieren. Montags probt er mit der Band „Blechpfiff“, am Dienstag und Donnerstag steht er auf dem Fußballplatz, Freitag übt der Musikverein. Nur die Wochenend-Planung strengt an. Der Samstag gilt als der Musikertag mit Einsätzen bei Hochzeiten, Festzügen oder im Bierzelt. Glücklicherweise habe er einen „sehr kulanten Papa“, der ihn auch mal für ein Fußballspiel freistellt. Dazu muss man wissen: Bernd Schuster dirigiert den Musikverein in Polling. „Er hat gesehen, dass ich relativ gute Leistungen bringe, da drückt er ein Auge zu.“

Bislang funktioniert der Spagat. Alle Seiten bekommen ihren Teil an Mathias Schuster. Aufgeben möchte er keines der beiden Hobbys. Auch ein Wechsel kommt für ihn nicht in Frage. Schuster kann sich nicht einmal an Anfragen erinnern. Womöglich, weil er sie direkt abgeblockt und ausgeblendet hat. Er betont: „Ich gehe niemals aus Polling weg.“

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