Im Moment ein gewohntes Bild: Denis Grgic bejubelt seinen Treffer zum 1:0 im Heimspiel gegen Berg. Später legte er einen weiteren nach. Auch zum Start gegen Penzberg gelang dem 20-Jährigen ein Doppelpack.
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Im Moment ein gewohntes Bild: Denis Grgic bejubelt seinen Treffer zum 1:0 im Heimspiel gegen Berg. Später legte er einen weiteren nach. Auch zum Start gegen Penzberg gelang dem 20-Jährigen ein Doppelpack.

Vor der Partie gegen den SC Oberweikertshofen

SV Raisting: Denis Grgic zahlt Vertrauen zurück - Schon jetzt mehr Tore als in der Vorsaison

  • Andreas Mayr
    VonAndreas Mayr
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Am Sonntag trifft der SV Raisting in der Bezirksliga auf den SC Oberweikertshofen. In der bisherigen Saison kann vor allem Stürmer Denis Grgic überzeugen.

Raisting – Der Name, den in Raisting alle rufen, kommt eigentlich aus Murnau. Dort, beim TSV, haben die Kollegen Denis Grgic immer „Brate“ genannt. Das serbische Wort für „Bruder“, das man auch in Bosnien verwendet, wo Grgics Familie herkommt. Seitdem ruft jeder „Brate“, wenn er Grgic meint. Wer sich nun die Mühe macht und genauer auf die Rasengespräche der Raistinger Fußballer achtet, der wird gewiss kein Phonetik-Wunder erleben, aber eigentlich dauernd vom „Brate“ hören.

Denn Denis Grgic ist omnipräsent, hat unter anderem nach zwei Spielen in der Bezirksliga bereits seine Torausbeute der Vorsaison (drei Treffer) übertrumpft. Er sagt zwar: „Tore sind nicht das Allerwichtigste. Nächste Woche fragt keiner mehr, wer sie gemacht hat.“ Bedauernswerterweise misst man aber nun einmal einen Angreifer anhand dieser Zahlen. Und ein wenig projizieren sie ja auch die Leistung.

Denis Grgic hat schwierige erste Saison beim SV Raisting hinter sich gelassen

Voriges Jahr etwa, Trainer Johannes Franz blickt heute mit einem Lächeln darauf zurück. Denis Grgic schoss wenig Tore, war kein „absoluter Stammspieler“ und leistete sich so manchen Durchhänger. Zu seinen größten Kritikern zählte er selbst, was dann am Saisonende die Frage aufwarf, ob es denn wirklich klug war, bereits mit 20 Jahren nach Raisting zu wechseln. Zumal er mit der Schichtarbeit in Peiting manche Einheit verpasst. Aktuelles Beispiel: Vorige und auch diese Woche trainiert Denis Grgic nicht. Mit dem Wechselthema beschäftigte sich der Peißenberger intensiv. Die alten Kollegen aus Murnau, mit denen er 2019 noch den Erhalt der Kreisliga im Relegationsspiel vor fast 2000 Zuschauern gegen Uffing gefeiert hatte, fragten natürlich an. Auch Heimatklub Peißenberg war eine Option. Dort hat ihn seine Mutter ins Fußballtraining geschickt. Sein Bruder Sinan (17), er soll noch mehr Talent haben, kickt beim TSV noch in der Jugend. Doch Coach Hannes Franz wirkte auf Denis Grgic ein, sicherte ihm eine wichtige Rolle zu, sagte: „Seine Zeit wird kommen.“ Außerdem erinnerte sich der Stürmer an frühere Zeiten. „Ich brauche immer ein Jahr. Das war in Murnau dasselbe.“

SV Raisting: Taktik wird auf Grgic angepasst - Stürmer dankt mit Toren

Ein wenig war’s auch Systemsache. Grgic bevorzugt lange Bälle, Pässe in die Gassen. Da ist er gefährlich. Als Michael Adelwart, der Abteilungsleiter in Murnau, Grgic aus Peißenberg verpflichtete, schwärmte er schon von dieser kompromisslosen Art, die man heute nicht mehr häufig findet. Ein Denis Grgic geht keinem Duell aus dem Weg. Wenn es weh tut, tut es weh – egal, ob ihm oder seinem Gegner. In Saison zwei hat Trainer Franz justiert und seine Taktik etwas an Denis Grgic angepasst. Die Raistinger füttern ihn häufiger mit weiten Bällen. Gefühlsmäßig habe er in zwei Partien mehr Großchancen kreiert als in 18 Partien der vorigen Spielzeit. Wobei er selbstkritisch anmerkt, er müsse davon mehr verwerten. „In anderen Spielen hast du nicht so viel Chancen.“

Der Reifeprozess in dieser Beziehung zwischen Grgic und dem SVR war schon in der Vorbereitung zu sehen. Er habe sich nach der verkorksten Vorsaison relativ wenig Druck gemacht. Teamerfolg stand vor eigenen Zielen. Mit einem Mal passte alles zusammen. Die Kollegen gewöhnten sich an den „Brate“ und seine Wucht, Grgic zahlte es mit Toren zurück – eine fußballerische Symbiose der besten Art. Gegen den aufstrebenden Ex-Klub aus Murnau traf er doppelt. „Ungern“ habe er in diesem Duell getroffen. Aber: „Mit Absicht Vorbeischießen mache ich sowieso nicht.“

SV Raisting: Niederlage unter der Woche gegen VfL Denklingen - jetzt kommt der SC Oberweikertshofen

Im Bezirksliga-Derby gegen Penzberg vor zwei Wochen gelang ihm ein weiterer Doppelpack. „Glücklich, aber geil“ sei dieser 4:1-Sieg gewesen. Wie dann auch gegen Berg am vorigen Sonntag (3:0) nennt Grgic die drei Punkte einen Erfolg der Einheit. „Wir harmonieren“, sagt das Gesicht des höchst erfolgreichen Starts. Trotz der Euphorie hat Denis Grgic Bereiche gefunden, in denen er sich zwingend verbessern will. Das Abseits ist so eine Geschichte. Viel zu oft läuft er frühzeitig hinter die Abwehr der Gegner. „Ich will unbedingt das Ding machen, man will einen Ticken schneller sein“, sagt er.

Eine Prise Geduld braucht’s, auch wenn „eh keiner mitzählt, wie oft du im Abseits gestanden bist“. Die Maßeinheit, die den Wert eines Stürmers kennzeichnet, sind Tore. Mit vier Treffern nach drei Spielen belegt er derzeit Rang drei der Bezirksliga-Torjägerliste. Sein Saisonziel: „So viele Tore wie möglich.“ Beim Spiel unter der Woche ging Grgic allerdings leer aus. Seine insgesamt müde wirkenden Raistinger verloren beim Aufsteiger Denklingen mit 0:2. Eine neue Gelegenheit, sein Torekonto aufzustocken, bietet sich dem 20-Jährigen an diesem Sonntag im Heimspiel gegen den SC Oberweikertshofen (15 Uhr, Raiffeisen-Arena an der Wielenbacher Straße).

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