Da spielte er mal von Anfang an: Emanuel Taffertshofer (im schwarzen Trikot) stand bei der 0:1-Niederlage seines SV Sandhausen in Düsseldorf am 21. November in der Startelf. Nach 81 Minuten wurde er ausgewechselt.
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Da spielte er mal von Anfang an: Emanuel Taffertshofer (im schwarzen Trikot) stand bei der 0:1-Niederlage seines SV Sandhausen in Düsseldorf am 21. November in der Startelf. Nach 81 Minuten wurde er ausgewechselt.

Bayerischer Lebensmut als Heilmittel

Emanuel Taffertshofer zwischen Startelf und Erstzbank beim SV Sandhausen

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Emanuel Taffertshofer spielt wie sein Bruder Uli in der dritten Liga. Emanuel pendelt beim SV Sandhausen zwischen Startelf und Ersatzbank.

Abertshausen/Sandhausen – Man sollte sich ziemlich schnell von dem Gedanken verabschieden, dass alle Fußballprofis das Leben der Millionäre leben. Die Abende von Emanuel Taffertshofer, Zweitligakicker beim SV Sandhausen, sehen zur Coronazeit so gewöhnlich wie eintönig aus, er könnte auch ein junger Bänker sein. Er schaut mit seiner Frau Serien auf Netflix, er isst daheim, weil die Restaurants geschlossen sind, er greift manchmal zum Playstation-Controller. Man darf ja sonst nicht viel. Nun ist immer ganz interessant zu wissen, mit welchen Fußballklubs echte Fußballprofis antreten. Der Abertshausener (Gemeinde Obersöchering) wählt am liebsten Atletico Madrid. „Ich bin heißer Fan“, sagt er. Den Verein findet er sympathisch, dessen Trainer Diego Simeone feiert er. Und damit das Zocken besonders viel Gaudi breitet, verpflichtet er im Karrieremodus gern einen gewissen Emanuel Taffertshofer vom SV Sandhausen, seine virtuelle Version. Der 25-Jährige scherzt: „Der wird oft eingewechselt, der kommt zu seinen Einsätzen.“

So witzig der Konsolenkick sein mag, er entbehrt nicht einer gewissen Tragik: Denn in dieser Zweitliga-Saison ergeht es dem „Taffi“ aus Knochen und Muskeln fast wie seinem FIFA-Doppelgänger. Er wird eingewechselt, manchmal spielt er gar nicht. In nur drei der zehn Partien der Sandhäuser stand er in der Startelf. Wieso? Nun, er wisse selbst nicht, wie er das sagen soll. In der Vorbereitung empfahl er sich. Im DFB-Pokal half er beim Einzug in Runde zwei mit. Beim 3:2 über Darmstadt am ersten Spieltag startete er auch noch. Doch danach saß er auf der Ersatzbank. „Kam für mich auch ein bisserl überraschend, weil ich gut drauf war“, sagt er.

Die Tabellensituation ist kritisch für den SV Sandhausen

Jedenfalls lief es in den Wochen darauf weder für Taffertshofer noch für Sandhausen besonders gut. Der SVS steht jetzt im unteren Drittel. „Wenn man die Tabelle anschaut, ist die Lage ernst“, sagt der Mittelfeldspieler. Die Vereinsführung hat auch schon den Trainer ausgetauscht. Michael Schiele, kürzlich noch bei Würzburg, coacht jetzt Sandhausen. Sehr viel positive Energie bringe er mit, erklärt Taffertshofer. Konditionell hat der Coach nachbessern lassen mit manchen Doppeleinheiten. Der gesamte Wechsel verlief in Sandhausen so ruhig wie beinahe nirgendwo anders im Profigeschäft. „Man kann hier in Ruhe arbeiten, auch wenn es einmal nicht so läuft.“ Das schätzt Taffertshofer sehr an seinem Klub.

Trotzdem, irgendwie müssen die Sandhausener ja raus aus der Krise, und der Abertshausener im Speziellen. Vorige Saison, als er eine ähnlich schwere Zeit mitgemacht hat, nutzte er die Corona-Zwangspause im Spielbetrieb, um sich „konditionell wie insgesamt zu steigern“. Im Dezember 2020 hat zwar die Unterhaltungsbranche wieder Pause, aber die Fußballer machen weiter. Taffertshofer bleibt nichts anderes übrig, als weiter Gas zu geben und kleine Botschaften gen Michael Schiele zu schicken. „Ich hoffe, dass ich unter dem neuen Trainer regelmäßig zum Einsatz komme“, sagt er.

Taffertshofer tauscht sich mit Bruder und Ligakonkurrent Uli regelmäßig aus

Dieses Pendeln zwischen Startelf und Reservebank belastet ihn höchst unterschiedlich. Wenn er das Gefühl habe, „dass ich gut drauf bin“, verkraftet er die Rückschläge schwerer. Seine Gegenmittel: eine Ladung positive Gedanken, praktisch bayerischer Lebensmut, und seine Frau. „Die hilft mir sehr dahoam.“ Mit Bruder Uli, Profi bei Ligakonkurrent Osnabrück, tauscht er sich regelmäßig aus. Nach dem Trainerwechsel hat auch der Papa angerufen „und gefragt, wie’s ausschaut“. Nicht alles an diesem Negativlauf des SVS ist schlecht. Das Bruder-Duell vor ein paar Wochen war „schon etwas Besonderes“ – auch wenn Emanuel Taffertshofer nur eingewechselt wurde. „Aber dann habe ich mich sehr gefreut.“ Apropos: Beim 3:2-Sieg gegen Würzburg vergangene Woche stand er wieder in der Startelf. (Andreas Mayr)

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