Mit starken Reflexen ausgestattet: Korbinian Neumaier gehört zu den großen Torwart-Talenten in der Region. Das Foto zeigt den Peißenberger bei einem Landesliga-Spiel mit der U19 des TSV Murnau gegen den TSV Schwabmünchen.
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Mit starken Reflexen ausgestattet: Korbinian Neumaier gehört zu den großen Torwart-Talenten in der Region. Das Foto zeigt den Peißenberger bei einem Landesliga-Spiel mit der U19 des TSV Murnau gegen den TSV Schwabmünchen.

In der nächsten Saison wechselt er in den Herrenbereich

Torwart Korbinian Neumaier von der U19 des TSV Murnau ist heiße Ware

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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TSV Murnau: In der U19 zeigt Torwart Korbinian Neumaier starke Leistungen. Der 18-Jährige muss sich in der nächsten Saison entscheide, wo er spielen möchte.

Peißenberg – Das ganz und gar glanzlose 0:12 der Peißenberger F-Junioren im Frühjahr 2008 gegen Weilheim gehört dann doch zu den Spielen, die die Zeit nicht überdauert haben. Was man noch weiß: Torwart Korbinian Neumaier beförderte am Ende seine Handschuhe mit viel Verve gen Rasen, es folgten große Tränen des ganz kleinen Mannes und ein Schwur, der, wie sich herausstellte, nicht zu den unbrechbaren zählt. Am Tag seines ersten Fußballspiels nahm sich Korbinian Neumaier vor, nie mehr in dieses Tor zurückzukehren. Welch’ Glück für die Nachwelt, dass sich der sechsjährige Peißenberger dann doch gegen sich selbst auflehnte und mit diesem frühen Trauma abschloss.

Es wäre wirklich traurig gewesen, wenn eine Karriere so früh geendet hätte. Tatsächlich hat sie noch allerhand Kurven und Einbahnstraßen genommen, sodass Neumaier jetzt, zwölf Jahre danach, von einer Zukunft im höherklassigen Amateurbereich träumt. Derzeit fängt er für den TSV Murnau, Landesliga, U19. Manche, die es wissen wollen, nennen ihn das größte Torhüter-Talent der Region. Aber mit diesen Titeln muss man vorsichtig sein. Korbinian Neumaier soll sich auf jeden Fall bald entscheiden, wo er im Sommer 2021 spielt. Viele Vereine haben schon gefragt. Darunter waren selbstverständlich auch die Peißenberger. Er kennt einige aus der Kreisliga-Mannschaft. „Man muss sich alle Seiten anhören“, sagt der 18-Jährige.

Kreisliga muss es mindestens für Korbinian Neumaier sein - in zwölf Jahren noch kein Training abgesagt

Aber es gibt schon ein paar Voraussetzungen. Nichts gegen den FC Seeshaupt oder den SV Wielenbach – aber Kreisliga muss es mindestens sein. Ach, und ein Stammplatz sollte im Angebot enthalten sein. „Oberstes Ziel ist es zu spielen – so hoch und so gut wie möglich.“ Wer Wetten liebt, sollte auf den TSV Murnau setzen. Dort steht in Felix Schürgers zwar ein überqualifizierter Mann im Kreisliga-Tor, doch der hat einen weniger Fußballer-freundlichen Berufszweig eingeschlagen hat: Schürgers ist Polizist. Beim TSV habe er sich etwas aufgebaut, „da hängt etwas dran“, betont Neumaier. „Wenn ich ein Trikot anziehe, trage ich es mit Stolz. Sonst hat das keinen Sinn.“

Gleichzeitig, und das sollte eine Warnung für Murnau sein, zählt der Korbi zu einer langsam aussterbenden Spezies Fußballer, denen längst jeder Top-Klub nachjagt. „In zwölf Jahren habe ich kein Training abgesagt, weil ich keine Lust hatte.“ Manchmal hat ihn der Papa, sein Held, fünf Mal die Woche nach Murnau oder Geretsried gefahren. „Da musst erst einmal einen finden, der das macht.“

Über seinen Werdegang sagt er heute: „Das war mehr Arbeit als Talent“, wobei er auch nicht ganz talentfrei ist. In Raisting, an den glorreichen Bayernliga-Tagen, klebte er hinter dem Tor von Urban Schaidhauf fest, beobachtete jede Bewegung. Seit einigen Jahren schult ihn Günter Hornung, der Torwart-Guru des Oberlandes. „Ein überragender Mann“, befindet Neumaier. Hornung scannt einen Torwart wie es diese Anlagen für die Passagiere am Flughafen tun. Er fand Fehler, von denen Neumaier nicht einmal wusste, dass sie existieren. Manchmal wirft der 72-Jährige einen Ball in die entlegensten Regionen des Tores. „Den krieg’ ich nie“, schleudert ihm Neumaier entgegen. Nach dem fünften Versuch kommt er ran. „Günter hat eigentlich immer recht“, sagt er.

Niederlagen fressen Korbinian Neumaier innerlich extrem auf

In Geretsried hat er den Mann, der die Hexer ausbildet, kennengelernt. Ansonsten waren das weniger erfolgreiche Gast-Semester bei der U17 des TuS. Neumaier beklagte die Atmosphäre der Einsamkeit. „Ich brauche ein Team, das war kein richtiges.“ Zur Winterpause ließ er sich in die Reserve versetzen, obwohl er die Hälfte aller BOL-Partien bestritten hatte. Nach einem Jahr kehrte er zurück nach Murnau. Trotzdem sagt er: „Ich bereue nichts.“ Er hätte auch nach Regensburg zum Jahn ins Leistungszentrum gehen können. Aber das Murnauer Angebot las sich besser: ein Soziales Jahr mit gehörig Taschengeld und einer Ausbildung zum B-Lizenz-Coach. Im Trainerkurs saßen Männer mit 24 Jahren und aufwärts. Und der 16-Jährige. Er liebt den Vergleich mit Älteren. Am Anfang die epischen Duelle mit dem Bruder, der im Garten immer „voll auf die Hütte draufgezimmert hat“. Heute mit den Männern in der Kreisliga. Im Ligapokal vertrat er den verletzten Schürgers zwei Mal. Er hörte die Klagelieder der enervierten Oldies, die Sprüche, die sie absonderten, als der Peißenberger wieder einen Ball hielt. „Die verkraften das nicht so gut, wenn sie gegen einen jungen an ihre Grenzen kommen“, scherzt Neumaier.

Nach dem Derby beim SV Uffing (1:2) mit den vielen Glanzparaden fand er in seinem Handy-Postfach einen Haufen Glückwünsche. Seine Kollegen bei der Gemeinde in Polling mieden ihn am Montagmorgen trotzdem, als wäre er ein gefährlicher Bär, der bei der kleinsten Provokation über sie herfallen könnte. Sie haben gelernt, die Zeichen des Frusts zu deuten, geschlossene Bürofenster, dunkle Räume. Niederlagen fressen Korbinian Neumaier noch immer innerlich auf. Manche Dinge ändern sich nie. (Andreas Mayr)

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