Ein Trainer ist skeptisch: Für Peißenbergs Coach Florian Heringer (links) läuft, was die Corona-Maßnahmen im Amateurfußball betrifft, einiges schief.
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Ein Trainer ist skeptisch: Für Peißenbergs Coach Florian Heringer (links) läuft, was die Corona-Maßnahmen im Amateurfußball betrifft, einiges schief.

Corona bestimmt weiterhin die Saison

TSV Peißenberg-Trainer Heringer: „Das ist erst der Anfang“

  • VonChristian Heinrich
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TSV Peißenbergs Coach Heringer fragt sich, ob Saison noch zu retten ist. Die Inzidenzwerte steigen wieder und es kommt zu häufigeren Infektionen, die sich auch beim Fußball bemerkbar machen.

Peißenberg – Bisher ist Florian Heringer noch nicht als Schwarzmaler in Erscheinung getreten. Mit dunklen Prognosen tut sich der Coach des TSV Peißenberg schon von Berufs wegen schwer. Als Fitnesstrainer obliegt es ihm, seine Klienten zu motivieren, dass sie ihre gesteckten Ziele erreichen. Doch nach dem vergangenen Wochenende ist die Skepsis in Heringer neu erwacht, die ihn schon das gesamte Frühjahr über heimgesucht hatte.

„Das ist erst der Anfang“, prophezeit der Coach mit Blick auf den vergangenen Spieltag.

Am vergangenen Sonntag trat zum ersten Mal in dieser Spielzeit die von der Politik verordnete Regelung in Kraft, dass nur an einem Fußballspiel teilnehmen darf, wer geimpft, genesen oder getestet ist. Die 3G-Weisung wurde nötig, da der Inzidenzwert an drei aufeinanderfolgenden Tagen die Marke von 50 im Landkreis überschritten hatte. Diese Vorschrift wurde am Montag von der Bayerischen Staatsregierung in ihrer inzwischen 13. Verordnung über die Maßnahmen zum Infektionsschutz zurückgenommen, doch an den Hygieneauflagen der Behörden ändert sich gar nichts. Sie müssen auch weiterhin streng beachtet werden.

TSV Peißenberg: Offizielles Stelle eines Corona-Beauftragten geschaffen

Beim TSV Peißenberg war dies stets der Fall. Der Vorsitzende des Gesamtvereins, Stefan Rießenberger, wacht mit scharfem Blick über die Umsetzung der Bestimmungen und hat sogar die offizielle Stelle eines Corona-Beauftragten geschaffen, der alle Abteilungen kontrolliert. „Da wird geschaut, dass das alles gesetzeskonform abläuft“, stellte Heringer fest. Zu seinem Leidwesen hat er in den vergangenen Wochen mitbekommen, dass anderswo nicht dieselbe Konsequenz aufgebracht wird, der Ausbreitung der Pandemie entschlossen entgegenzutreten.

Dieses in seinen Augen laxe Verhalten hat jüngst auch Klemens Wind beklagt. Nicht einmal ein Zehntel der Klubs, für die der Schiedsrichter-Obmann der Gruppe Weilheim zuständig ist, hat ihm bisher ein Hygienekonzept übermittelt, wie es vor der Saison vereinbart war. Bei seinen Besuchen auf den Fußball-Plätzen hat Wind festgestellt, dass kaum noch Bereitschaft vorhanden ist, die Schutzbestimmungen umzusetzen. Die Hygienekonzepte also nur ein Papiertiger? Das kann Heringer nur betätigen. „Die sollten sich mal mit rein in die Kabinen setzen oder mit unter die Duschen stellen oder bei den Fahrten zu den Auswärtsspielen dabei sein.“

Nachdem vor zwei Wochen beim FC Wildsteig/Rottenbuch sechs Spieler ermittelt worden waren, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, meldete der TSV Hohenpeißenberg am vergangenen Wochenende mindestens zwei Corona-Fälle. Ob ein Zusammenhang mit dem Aufeinandertreffen der beiden Vereine am 7. August besteht, ist nicht bekannt.

Die beiden Landkreisvereine müssen keine Einzelfälle bleiben. „Das wird uns im Kleinen auch so gehen“, so Heringers Vermutung. Er erwartet, dass im Oberland derselbe Effekt eintritt wie beim Finale der Fußball-EM in Wembley. Dort sollen in und um das Stadion 2295 Personen infektiös gewesen sein, die bei diesem Ereignis wahrscheinlich 3404 weitere Menschen infiziert haben.

Heringer: Mit dem Impfen ist nicht alles getan

Bisher hat der Verband darauf vertraut, dass die Klubs die Hygienekonzepte, die er ihnen auf seiner Homepage anbietet, auch umsetzen. Ob der Aufwand die Sicherheit erhöht, bleibt abzuwarten. Mittlerweile gilt als erwiesen, dass sich selbst Geimpfte wieder anstecken und das Virus weitergeben können. „Das ist alles Blendwerk“, sagt Heringer. Er warnt davor, sich darauf zu verlassen, dass allein mit Impfen alles getan sei. Darüber hinaus sieht er auch Konflikte auf die Mannschaften zukommen. „Es wird den einen oder anderen Spieler geben, der keine Lust hat, sich impfen zu lassen.“

Es wird aber auch Kicker geben, die es sich aus wirtschaftlichen Gründen gar nicht leisten können, weiter Fußball zu spielen. Welcher Arbeitgeber sieht es schon gern, dass seine Beschäftigten wegen Corona ausfallen oder im schlimmsten Fall das Virus mit in den Betrieb bringen? Diese Frage steht nach Ansicht des TSV-Trainers genauso wenig auf der Agenda des Verbandes wie die materielle Versorgung der Spieler im Krankheits- oder Quarantänefall oder bei einem erneuten Lockdown. „Der BFV kann uns unser Gehalt ja nachbezahlen“, so Heringer. Er selbst erlebt harte Zeiten: Als Fitness-Coach hat er die meisten Monate des Jahres bislang in Kurzarbeit verbracht.

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