Ein Leben lang Fußballer: Fritz Deutschenbaur.
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Ein Leben lang Fußballer: Fritz Deutschenbaur.

Nachruf für eine Vereinslegende

TSV Weilheim trauert um Fritz Deutschenbaur

  • Paul Hopp
    vonPaul Hopp
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Deutschenbaur ist eine Vereinslegende beim TSV Weilheim. Der Abwehrspieler spielte lange für die erste Mannschaft und kümmerte sich noch viel länger um die Jugend.

WeilheimMit der 1. Mannschaft des TSV Weilheim hat er seinerzeit so manche echte „Schlacht“ erlebt. Und als Abwehrspieler war er sich für keinen Sprint und keine Grätsche zu schade. Das alles war für Fritz Deutschenbaur aber absolut kein Grund, gegen den Dresscode zu verstoßen. Auf Mannschaftsfotos der 1960er Jahre, welche von erfolgreichen Spielen des TSV künden, ist er – anders als so manche seiner Kameraden – stets ordentlich zu sehen: mit aufrechter Haltung, Trikot in der Hose, die Stutzen nach oben gezogen. Derart akkurat erlebten ihn auch die Generationen von Spielern, die Deutschenbaur in der A-Jugend trainierte. Über 40 Jahre lang kümmerte er sich beim TSV um den Nachwuchs. Kürzlich ist der Weilheimer im Alter von 85 Jahren gestorben.

Deutschenbaur als Vorbild für viele Generationen

In der Ära Deutschenbaurs, der von 1964 an die A-Jugend coachte, erlebte der Nachwuchs mit die größten Erfolge. Mit ihm als Trainer schafften die Junioren des TSV Weilheim in der Saison 1976/77 den Aufstieg in die Bayernliga. Zu dem Bayernliga-Aufstieg kam 1974 der oberbayerische Vize-Titel im Pokal (im Endspiel unterlag Weilheim dem TSV 1860 München mit 2:3) und die Zugspitzmeisterschaft. Fünf Mal gewann der TSV Weilheim auch den damals prestigeträchtigen Zugspitz-Pokal. Die Saisonabschlussfahrten mit seinen jeweiligen Teams – Zielort war immer Tramin in Südtirol – nennen ehemalige Spieler „legendär“. Seinen Schützlingen vermittelte er damit Teamgeist – und wie wichtig dieser ist. Viele sprechen noch heute vom Vorbild, das Deutschenbaur gewesen sei.

Nach seiner Trainertätigkeit war „der Fritz“, wie er in der Abteilung für alle bekannt war, als Jugend-Betreuer im Einsatz. Zu den Erinnerungen über ihn gehören auch die von ihm peinlich sauber gewaschenen und genau gefalteten Dressen sowie die in Schönschrift ausgefüllten Spielberichtsbogen.

Deutschenbaur: „Zum Heiraten bin ich nicht gekommen“

Als Aktiver brachte es Deutschenbaur (seit 1. Januar 1954 Mitglied der Fußballabteilung) auf mehr als 200 Partien in der 1. Mannschaft. Gemeinsam mit seinem Bruder Martin „Nolle“ Deutschenbaur (Rekordhalter mit 562 Spielen) gehörte er zu den Leistungsträgern. Schon während seiner aktiven Zeit trainierte Fritz Deutschenbaur die Jugend. Und als sich kein anderer für den Posten fand, fungierte er obendrein mehrere Jahre als Jugendleiter. Während dieser Zeit „war ich bloß noch auf dem Fußballplatz“, erinnerte sich der Weilheimer vor Jahren im Gespräch mit der „Heimatzeitung“ – und fügte lächelnd hinzu: „Zum Heiraten bin ich nicht gekommen.“

Deutschenbaur begann seine Berufslaufbahn bei der Firma „Bormann“. Er wechselte danach zur Firma „Stahlgruber“, war für einige Zeit bei der Stadt Weilheim (als Platzwart) angestellt und arbeitete bis zur Rente 1999 bei der Schreibgeräte-Firma „Schneider“. Neben dem Fußball hatte Deutschenbaur fürs Eishockey (bei der Hobby-Mannschaft „Eisbären Weilheim“) und fürs Tennis eine große Leidenschaft.

Kurzfristig sprang der Weilheimer in der Not auch einmal eine gute Saisonhälfte als Trainer der 1. Herren-Mannschaft ein. Doch nicht nur beim TSV Weilheim war Deutschenbaur aktiv. In den 1990er Jahren und bis Anfang der 2000er trainierte er die 1. Mannschaften des TSV Pähl und des SV Polling. „Das waren super Jahre. Es gab nie Probleme“, sagte er einmal rückblickend. Mit den Pähler Verantwortlichen verband ihn danach eine Freundschaft, jahrelang ging er mit ihnen zum Kegeln. Bis zur Saison 2019/2020 besuchte Deutschenbaur Spiele der Weilheimer Fußballer sowie der Nachbarvereine und war regelmäßiger Gast am „AH-Stammtisch“. 

(PAUL HOPP)

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