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2G+ für Zuschauer? Vereine laufen Sturm: „Lächerlich“ - „Frechheit“ - „Regel gehört abgeschafft“

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Von: Marinus Savary

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In Zukunft werden vermutlich öfters Zuschauer vom Innenbereich ausgeschlossen werden.
In Zukunft werden vermutlich öfters Zuschauer vom Innenbereich ausgeschlossen werden. © Imago/Matthias Koch

Die Corona-Verordnungen, also 2G-Plus für Zuschauer und 2G für Spieler, stoßen bei vielen Vereinen auf Entsetzen. Wir haben uns bei den Klubs umgehört.

Oberbayern - Die Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-Pandemie stellen die Fußballvereine im Amateurbereich vor große Herausforderungen. Die Regelungen sind nicht unumstritten. Gerade die 2G-Regelung für Spieler sorgte für viel Aufruhr. Nun soll am Spielfeldrand und auf den Tribünen für Zuschauer sogar die 2G-Plus-Regel greifen.

Das bedeutet, dass die Zuschauer neben ihrem 2G-Nachweis auch noch zusätzlich einen aktuellen gültigen Test mit einem negativen Ergebnis vorweisen oder geboostert sein müssen. Das bedeutet für die Vereine einen erheblichen Mehraufwand. Wir haben einige Vereinsverantwortliche zu den neuen Verordnungen befragt.

Ugur Alkan (Sportlicher Leiter TSV 1865 Dachau)

Für Zuschauer im Freien wäre meine Meinung nach 3G vollkommen ausreichend. Maskenpflicht im Freien finde ich auch unsinnig. Ich finde es sehr schade, dass nicht-geimpfte bzw. genesene Spieler kein Fußball im Freien betreiben dürfen. Man könnte hier eine andere Regelung finden.

„Eine absolute Frechheit. Wo sind unsere Verbände BFV und DFB?“

Sepp Siegert vom 1. FC Penzberg

Anselm Küchle (Sportlicher Leiter VfB Hallbergmoos)

Wir sind grundsätzlich froh, dass wir unter Einhaltung der Regelungen die Vorbereitung in all unseren Teams durchführen können. Wir profitieren beispielsweise von unserer Infrastruktur und können die 1. Mannschaft in unterschiedliche Kabinen aufteilen. Ich persönlich würde mir wünschen, dass für die Zuschauer die Regelungen noch angepasst werden können. Für die Vereine ist es dann einfacher zu handhaben. Ansonsten hoffe ich, dass bei steigenden Temperaturen auch die Infektionszahlen sinken und somit die Regeln weiter angepasst werden können.

Sepp Siegert (Sportlicher Leiter FC Penzberg)

Ich finde es lächerlich. Dass nur noch Spieler unter 2G spielen dürfen, ist eine absolute Wettbewerbsverzerrung im Amateursport. Was machen die ungeimpften Sportler? 2G+ im Freien ist für Zuschauer und für die Vereine ein immenser Aufwand. Eine absolute Frechheit. Wo sind unsere Verbände BFV und DFB? Das ist wieder typisch Verband, der sich hinter der Politik versteckt und keine Eier hat. Sorry, aber wie viele Ehrenamtliche wollen sie denn noch vergraulen?

„Da kommt doch keiner mehr, wenn er sich vorher auch noch testen lassen muss und uns fehlen die Einnahmen.“

Reinhold Miefanger vom SC Olching

Uli Bergmann (Sportlicher Leiter SC Oberweikertshofen)

Ich finde, 2G+ ist nicht nötig. Es gibt vor allem draußen an der freien Luft genug Platz, um die Abstände zu wahren. Grundsätzlich appelliere ich an die Eigenverantwortung. Jeder muss einfach vorsichtig sein.

Reinhold Miefanger (Abteilungsleiter SC Olching)

Was soll ich dazu sagen? Es ist für mich wieder ein wirres Durcheinander, bei Zuschauern, Spielern und Betreuern komplett unterschiedlich. Bei Amateurspieler, also mit Amateurvertrag, ist auch nicht klar, was gilt. Für die derzeit 1000 zugelassenen Zuschauer gilt 2G+, 1,5 Meter Abstand und FFP2-Maske. Da kommt doch keiner mehr, wenn er sich vorher auch noch testen lassen muss und uns fehlen die Einnahmen. Warum gilt nicht, wie für die Spieler, die 2G-Regel? Bei Spielern ist es so, dass wir jetzt wieder eine extra Liste erstellen müssen. Daraus muss hervorgehen, dass alle 2G haben. Wir lassen die Spieler diese Liste unterschreiben. Damit ist der Verein aus der Haftung, wenn was nicht stimmen sollte. Alles sehr aufwendig und irgendwie nicht nachvollziehbar.

„Soll man freiliegende Sportplätze dann absperren und Stacheldrahtzäune bauen?“

Ralf Peiss vom SV Erlbach.

Christoph Saller (Trainer und Sportlicher Leiter 1. FC Garmisch-Partenkirchen)

Da gibt es eigentlich nicht viel zu sagen: Wie soll man einem Zuschauer erklären, dass er mittags mit 2G ins Restaurant zum Essen gehen kann, sich danach aber zum Zuschauen eines Fußballspiels im Freien testen lassen muss? Ich habe bisher niemanden gefunden, der mir diese Logik erklären kann. Die Notwendigkeit von Maßnahmen ist unbestritten, aber was dabei häufig rauskommt, ist in keiner Weise nachvollziehbar und sorgt für hohes Frust-Potenzial und Unverständnis.

Markus Wetzel (Sportlicher Leiter TSV Dorfen)

Wir haben aufgehört, Sachen zu hinterfragen oder uns aufzuregen. Weil es sowieso nichts bringt! Am Ende des Tages entscheiden die Oberen und wir haben es auszuführen. Wir halten uns daran, auch wenn der Aufwand, gerade für die Zuschauerkontrollen, enorm wird.

Ralf Peiss (Sportlicher Leiter SV Erlbach)

Mit 2G haben wir keine Probleme, da bei uns sowieso alle Spieler geimpft sind. 2G+ für Zuschauer sehe ich äußerst kritisch. Es wird einige Zuschauer geben, die sagen: Den Aufwand gebe ich mir nicht mehr. Gerade bei kleineren Anlagen ist der Aufwand realistisch gesehen gar nicht umsetzbar. Soll man freiliegende Sportplätze dann absperren und Stacheldrahtzäune bauen? Im Endeffekt verliert der Amateurfußball und deshalb sage ich: Diese Regel gehört abgeschafft!

Die Umfrage wurde geführt von Marinus Savary.

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