Umkämpftes Derby vor stattlicher Kulisse: Die Habacher (in weißen Trikots, hier Philipp Puchner) waren vor etwa 400 Zuschauern ein ebenbürtiger Gegner, doch am Ende blieben die Punkte in Murnau.
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Umkämpftes Derby vor stattlicher Kulisse: Die Habacher (in weißen Trikots, hier Philipp Puchner) waren vor etwa 400 Zuschauern ein ebenbürtiger Gegner, doch am Ende blieben die Punkte in Murnau.

Verhängnisvoller Chancenwucher

„Für mich war es ein klarer“ - ASV Habach wartet vergeblich auf Elferpfiff beim TSV Murnau

  • Andreas Mayr
    VonAndreas Mayr
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45 Minuten Überzahl, gute Chancen, aber am Ende keine Punkte: So ging es dem ASV Habach in Murnau. Am Ende hätte es aus Sicht der Gäste sogar noch Strafstoß geben müssen.

Habach – Und dann kniete er da. An der linken Schulter Schlamm, an der rechten Hand ein paar Tropfen Blut. Die Arme hilflos erhoben, als wolle er zu höheren Mächten beten. Aber niemand erhörte Felix Habersetzer in dieser 94. Minute im Strafraum der Murnauer. Elfmeter hätte es geben müssen, sagten die Habacher unisono. „Für mich ein klarer“, befand Habersetzer, der Unbremsbare in dieser Partie.

„Kann man geben“, sagte auch sein Coach, Markus Vogt. „Wenn das im Mittelfeld passiert, ist das zu 100 Prozent Foul.“ Vogt meinte die Aktion von Torwart Felix Schürgers, der nach einer Flanke aus seinem Kasten sprintete und Habersetzer sowie den Ball weggrätschte. „Ich spüre den Kontakt, er hat keine Chance zum Ball“, erklärte der Habacher Außenspieler. Noch während er auf dem Rasen kniete, hallte der Schlusspfiff durch die Luft und verwandelte sich in einen Klangteppich aus Schreien und Rufen – der Jubel der Sieger. Der ASV Habach hatte 0:1 (0:1) beim Tabellenführer verloren – und wusste nicht wieso.

ASV Habach spielt 45 Minuten in Überzahl und geht beim TSV Murnau leer aus

Auf der Tribüne in Murnau, die so gut wie nie in dieser Saison besucht war (locker 400 Zuschauer), machte recht flott nach Ende ein Spruch die Runde. „Wenn man Gerechtigkeit will, darf man nicht Fußball spielen.“ Diese Weisheit erzählten sich die Anhänger der Gäste. Fair war das wirklich nicht, dass sie ohne Punkt heimfuhren. 45 Minuten kickten die Habacher in Überzahl, etwa fünf davon auch noch mit zwei Mann mehr nach gelb-roten Karten gegen die Murnauer Laurenz Schneider (48.) und Georg Kutter (90.). Aus unerklärlichen Gründen bremste der Vorteil den ASV lange aus. Trainer Vogt macht dafür unter anderem „ein total konfuses Spiel“ verantwortlich mit neun gelben Karten. „Murnau hat hinten alles dicht gemacht“, erkannte Felix Habersetzer. Und das war total untypisch für den TSV.

Bislang kannte man die Murnauer als Schön- und Schnellspieler der Kreisliga, worauf sich der ASV glänzend eingestellt hatte. Das Trainerduo Vogt und Andreas Hoiss verordnete „Verteidigung first“: fallen lassen, Räume abdichten und dann schauen, dass über die Flügel „die Post abgeht“, so formulierte es Vogt. Mit dieser Taktik entschärften die Gäste die Murnauer Maschinerie im Angriff. „Die waren überrascht, dass wir so tief stehen“, sagte der ASV-Coach.

„Mit der Qualität müssen wir einfach mehr Tore machen.“

Habachs Trainer Markus Vogt nach der Niederlage beim TSV Murnau.

Nur nach dem Platzverweis schlug die Partie eine unvorhersehbare Richtung ein. Mit dem Taktieren klappte es nicht angesichts eines 0:1-Rückstands, für den der Penzberger Manuel Diemb per Abpraller nach einem Eckball gesorgt hatte (19.). Habach musste vom Konter- in den Ballbesitz-Modus wechseln und tat sich damit verdammt schwer. „Da hatten wir unsere beste Phase“, sagt TSV-Trainer Tim Schmid. Sein Team entdeckte den Kampf für sich als wirksames Mittel. „Schön zu sehen, dass es auch so geht. Dessen waren wir uns gar nicht bewusst“, betonte Schmid.

Erst 15 Minuten vor Schluss gelang es den Habachern immer häufiger, Felix Habersetzer auf links als Galopper zu installieren, der ein ums andere Mal seinen Gegenspielern ausbüxte. Symptomatisch dafür Georg Kutters zweite gelbe Karte, als er im Stil eines Ringers Habersetzer mit zwei Händen packte und zu Boden riss. „Viele taktische Fouls, keine bösen“, sagte der Top-Spieler selbst. Aber im Gegensatz zum ASV stand die Defensive der Hausherren bei Standardsituationen. Lediglich bei Matthias Adelwarts Pfostenschuss (75.) wankte Murnau. Was nicht bedeuten soll, dass Habach keine Chancen kreierte. Im Gegenteil, über 90 Minuten kamen locker fünf richtig gute Torszenen zusammen. „Mit der Qualität müssen wir einfach mehr Tore machen“, befand Vogt. Doch wenn sich ein Muster durch die Saison zieht, dann das vom Chancenwucher. (Andreas Mayr)

TSV Murnau - ASV Habach 1:0

Tore: 1:0 (19) M. Diemb. Gelbe Karten: Murnau 2, Habach 3. Gelb-rote Karten: Murnau: Schneider (48.), Kutter (90.). Schiedsrichter: Calin Lazar. Zuschauer: 400.

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