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100 Jahre SV Münsing-Ammerland - „Mit Faustball fing alles an“

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Von: Rudi Stallein

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Das Team des SV Münsing in der Saison 2022/23 in der Kreisliga 2: (hinten, v. li.) Torwarttrainer Peter Rudrich, Lukas Manhart, Julian Hauptmann, Michael Geiger , Florian Graf, Christian Auer. Mitte von links: Co-Trainer Hans Zachenbacher sen., Stefan Mannweiler, Josef Holzer, Hans Zachenbacher jun., Lorenz Niggl, Luis Hirn, Sebastian Uhle, Michael Lang, Trainer Ralf Zahn. Vorne von links: Florian Buchloh, Xaver Mair, Tobias Werner, Michael Hirn, Eric Maier, Max Pflieger. Es fehlen: Sebastian Schönacher, Ferdinand Seitz, Paul Müller-Menrad und Julian Bartl.
Das Team des SV Münsing in der Saison 2022/23 in der Kreisliga 2: (hinten, v. li.) Torwarttrainer Peter Rudrich, Lukas Manhart, Julian Hauptmann, Michael Geiger , Florian Graf, Christian Auer. Mitte von links: Co-Trainer Hans Zachenbacher sen., Stefan Mannweiler, Josef Holzer, Hans Zachenbacher jun., Lorenz Niggl, Luis Hirn, Sebastian Uhle, Michael Lang, Trainer Ralf Zahn. Vorne von links: Florian Buchloh, Xaver Mair, Tobias Werner, Michael Hirn, Eric Maier, Max Pflieger. Es fehlen: Sebastian Schönacher, Ferdinand Seitz, Paul Müller-Menrad und Julian Bartl. © rst

Der SV Münsing feiert sein 100-jähriges Jubiläum. Highlight der Feierlichkeiten ist ein Spiel gegen die Profimannschaft des TSV 1860 München.

Münsing – Eine rauschende Festwoche wollten sie feiern, aber wie so vielen vergällte Corona im vorigen Jahr auch dem SV Münsing-Ammerland die Vorfreude. Das 100-jährige Bestehen des Vereins sollte 2021 gebührend gefeiert werden. „Aber wir haben schon im Herbst 2020 die Reißleine gezogen, und das war eine weise Entscheidung“, sagt SV-Vorstand Michael Sandherr. Auch ein Jahr später musste die bereits angekündigte Festwoche samt Bayerischem Abend, Disconacht und der Kabarettistin Luise Kinseher als Highlight im Festzelt am Hartlweg erneut verschoben werden; sie soll nun im kommenden Jahr nachgeholt werden.

„Es war im Frühjahr, als wir uns entscheiden mussten, nicht abzusehen, wie Corona sich entwickeln würde. Und mit einem Zelt, wo die Menschen dicht beieinandersitzen, war uns das zu unsicher“, sagt der Zweite Vorstand Adrian „Adi“ Miggisch (69). Dafür konnte ein weiterer Programmpunkt – unter freiem Himmel – fixiert werden: Ein Freundschaftsspiel gegen die Profis des TSV 1860 München an diesem Freitag. Aus der Anfangsphase des Klubs, der 1921 als SV Ammerland gegründet wurde, und heute als SV MünsingAmmerland der mitgliederstärkste Verein der Gemeinde ist, gibt es weder schriftliche Aufzeichnungen noch Zeitzeugen. Deshalb liegen die frühen Jahre ziemlich im Dunkeln.

Gesichert ist, dass Konrad Alfred Graf von Pocci, Urenkel des „Kasperlgrafen“ Franz von Pocci, zu den Gründungsmitgliedern gehörte. Der „Lederhosengraf“ – den Beinamen erhielt er wegen seines bodenständigen Auftretens – prägte später als Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Vorsitzender und Mäzen jahrzehntelang die Entwicklung des Vereins. Dieser Verein war zunächst für die damals sehr populäre, und heute nahezu in Vergessenheit geratene Sportart Faustball gegründet worden. Bereits zwei Jahre später rollte bei der Würmgaumeisterschaft jedoch der Fußball, der bald zur bestimmenden Sparte des Vereins wurde. Und dies ist bis heute so geblieben: Neben zwei HerrenFußballmannschaften, die in der Kreisliga und in der BKlasse kicken, ist die wachsende Jugendabteilung der Stolz des Vereins. Aktuell gehören dazu die Bambinis, die G-Junioren, je zwei F-, E- und D-Junioren-Mannschaften sowie eine C- und eine A-Jugend. Weitere Abteilungen sind Turnen, Volleyball, Stockschießen und Wintersport.

Zeitlich perfekt zum Jubiläum passend (wenn man die obligatorische Corona-Verzögerung einrechnet) feierte der Verein mit dem Aufstieg der Fußballer in die Kreisliga in diesem Sommer den größten Erfolg seit 20 Jahren. Damals, am Ende der Saison 2001/2002, hatte Adi Miggisch den SV Münsing schon einmal in die Kreisliga geführt, aus der man sich jedoch nach einem einjährigen Intermezzo wieder verabschiedete. Aber das passt wiederum gut zur Geschichte des Sportvereins, die von einem stetigen Auf und Ab geprägt ist. Während des Zweiten Weltkriegs waren die Aktivitäten des Vereins nahezu zum Erliegen gekommen.

Doch schon ein Jahr nach Kriegsende erfolgte die Neugründung mit den alten Mitgliedern, die auch wieder Punktspiele bestritten. Allerdings unter massiv erschwerten Bedingungen: Dass man damals mit Fahrrad, Bahn und sogar einem Ruderboot zu Auswärtsspielen reiste, ist heute kaum mehr vorstellbar. Auch der Traktor, damals üblich, hat als Mannschaftsbus längst ausgedient. Etliche in die Jahre gekommenen Aktive wollten jedoch schon bald nicht mehr an den Verbandsspielen teilnehmen, sondern gründeten eine „Privatmannschaft“, vergleichbar mit heutigen AltHerren-Teams. Während die Privatkicker auf ihre alten Tage freundschaftliche Duelle gegen namhafte Gegner wie die Senioren des FC Bayern München und des TSV 1860 München genossen, scheiterte die Fortführung einer ersten Mannschaft an der „Interesselosigkeit der Spieler“, wie der Chronist festhielt.

Es waren harte Zeiten: Laut Versammlungsbeschluss sollten Spieler, die sechs Monate mit ihren Beiträgen im Rückstand waren, vereinsintern gesperrt werden – es blieben nicht genügend Aktive übrig, um eine Mannschaft zu füllen. Ausgerechnet zur Feier des 35-jährigen Bestehens. In den 1960er-Jahren ging es dann allmählich wieder aufwärts. „Wer hat denn damals Fußball gespielt? Ein paar Münsinger und Ammerlander, wir haben oft gerade elf Leute zusammengebracht“, berichtet Xaver Oswald (84), der mit 520 Partien die drittmeisten Spiele für Münsing absolvierte und mit 129 Toren Platz vier in der ewigen Torschützenliste einnimmt – hinter Günther Nass (264), Adolf Plotek (203) und Josef Leis (195).

„Wir waren nicht so viele Leute, aber es hat Spaß gemacht.“Gespielt wurde damals auf einer Wiese in Ammerland. „Da waren Rösser drauf, und am Sonntag wurde Fußball gespielt“, erinnert sich Oswald. Schmunzelnd ergänzt er: „Der Platz war nicht grad, aber wir waren froh, dass wir überhaupt spielen konnten. Es hat sich keiner beschwert.“ Die Verhältnisse änderten sich 1967 unter dem damaligen Vorstand Karl Huber. An der Ammerlander Straße bekam der Verein einen neuen Sportplatz mit Flutlicht und Umkleidekabine. Zwei Jahre später gelang der lang ersehnte Aufstieg der ersten Mannschaft in die B-Klasse. Die wurde in den „Goldenen Siebzigern“ dauerhaft gehalten. Xaver Oswald wechselte in die Funktionärsebene, wo er – mit einer kurzen Unterbrechung – als erster Vorstand bis 1990 ebenfalls eine Ära prägte.

Wie auf dem Platz zeigte er sich auch abseits des grünen Rasens als durchsetzungsstarker Stratege. 1982 wurde das in Eigenleistung gebaute Vereinsheim eingeweiht. Sportlich waren die Achtziger geprägt von stetigen Wechseln der Fußballer zwischen B- und C-Klasse. Dafür bekam der Verein, der seit 1985 SV Münsing-Ammerland heißt – sportlichen Zuwachs. Dank der wenige Jahre zuvor eröffneten Gemeindeturnhalle war es möglich, Hallensportarten anzubieten: Volleyball und Kinderturnen kamen als Sparten hinzu. Zunehmend schwierig wurden jedoch die Platzverhältnisse in der „Gruam“, wie das Fußballfeld an der Ammerlander Straße im Volksmund hieß. Nach einem Unwetter 1979 war der vollständig überflutete Platz fast ein Jahr lang unbespielbar. Daraufhin wurde 1981 bei der Gemeinde der Antrag auf einen neuen Sportplatz gestellt. Bis es soweit war, vergingen jedoch weitere 20 Jahre.

1991 erwarb die Gemeinde ein Gelände, nach weiteren zehn Jahren erfolgte durch Bürgermeister Franz Ertl und den Ersten Vorstand Sebastian Schöfmann (dem Nachfolger von Xaver Oswald) der Spatenstich für das neue Sport- und Vereinsheim am Hartlweg, seit 2002 die Heimat des SV Münsing-Ammerland. Das beflügelte offenbar auch die sportlichen Leistungen. Im Sommer desselben Jahres feierte die Mannschaft unter Trainer Adi Miggisch zum ersten Mal den Aufstieg in die Kreisliga. „In der ,Gruam‘ hätte der Verein keine Zukunft gehabt“, sagt Josef Leis (71), der sich lebhaft an die Einweihung der Anlage am Hartlweg erinnert, als ein „Monstersturm“ über Münsing hinweggezogen war. „Das Festzelt hat es komplett zerlegt“, so Leis.

„Aber der neue Platz war der Meilenstein schlechthin für den Verein. Die Anzahl der Jugendmannschaften hat sich binnen fünf, sechs Jahren verdoppelt. Das ist eine richtige Erfolgsgeschichte. Im Vergleich zu unserer Zeit damals hat der Verein dadurch einen unheimlichen Aufschwung genommen“, sagt der Ex-Vorstand, der im Jahr 2006 als Nachfolger von Sebastian Schöfmann die Führung des Vereins übernahm. Anfang 2020 zählte der Sportverein Münsing-Ammerland 1008 Mitglieder. Dann kam die Pandemie und ließ die Zahl auf rund 930 schrumpfen.

Zwei Jahre zuvor, bei der Jahresversammlung 2018, wurde Michael Sandherr als Nachfolger des zurückgetretenen Josef Leis in das Amt des Vorsitzenden gewählt. „Auf Vorstandsebene haben wir einen Generationenwechsel vollzogen, da passiert schon was“, sagt Sandherr, dessen großes Anliegen die Verbesserung der Infrastruktur des Vereins ist. Seit längerem wird über den Bau einer Doppelturnhalle diskutiert. „Da muss was passieren. Wir müssen im Indoorsport mehr anbieten können“, sagt Sandherr. Und die Fußballer sollen nach Möglichkeit mittels eines Kunstrasenplatzes vor allem im Winter wetterunabhängiger trainieren und spielen können.

„Das Projekt wurde bereits im Mai 2019 angeschoben, die baulichen Voraussetzungen sind bereits erfüllt“, erläutert der Vorstand. Aber durch zusätzliche Baumaßnahmen „wird’s ziemlich teuer, auch, weil die Preise gerade explodieren“, so Sandherr. Was bedeutet: Das Projekt ist aktuell sehr fraglich. Keine Frage ist hingegen, dass sie sich das Feiern in Münsing nicht nehmen lassen. Das kann man ja wunderbar auch bei einem Fußballspiel vor großer Kulisse – die erwartet der SV Münsing-Ammerland am Freitag, 23. September, wenn der TSV 1860 München auf der Sportanlage am Hartlweg gastiert. (Rudi Stallein)

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