Vorstandssitzung via Video

So arbeiten die Vereinsvorstände in der Coronakrise

  • Thomas Wenzel
    vonThomas Wenzel
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  • Rudi Stallein
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  • Ewald Scheitterer
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Die Coronakrise bremst die Sportvereine aus. Dennoch müssen die Funktionäre weiterhin ihren Aufgaben nachgehen. Ein Überblick über die Vereine aus Bad Tölz-Wolfratshausen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Fuß- und Handbälle liegen im Ballschrank, die Hürden stehen in der Garage, die Sprungmatten sind seit Wochen nicht mehr benutzt worden, das Eis im Heinz-Schneider-Stadion ist abgetaut: Die Corona-Krise hat die Sportvereine in die Zwangspause geschickt, aber für deren Funktionäre geht die Arbeit trotzdem weiter. Und was zu erledigen ist, tun sie auf ganz unterschiedliche Weise. Die Sportredaktion hat sich im Landkreis umgehört.

ESC mit wöchentlicher Vorstandssitzung

Weiterhin aktiv ist man beim ESC Geretsried. „Nach einer Pause findet nun jeden Dienstag eine Vorstandssitzung via Internet statt“, teilt Sabrina Kruck mit. Dies funktioniert nach Angaben der Geschäftsstellenleiterin des Eishockey-Klubs mit Hilfe eines Videokonferenz-Programms. Besprochen werden momentan eine offizielle Eröffnungsfeier für das renovierte Heinz-Schneider-Eisstadion und ein Programm für das 60-jährige Bestehen des Eissports in Geretsried. 

„Außerdem können wir schon die ersten Mannschaftsmeldungen an den Verband herausgeben und auch Spielerwechsel melden“, berichtet Sabrina Kruck. Größere Planungen gebe es momentan noch nicht. „Aber es ist auch schön, wenn man die Kolleginnen und Kollegen vom ESC jede Woche einmal sieht – und sei es nur auf dem Monitor.“ Die Geschäftsstelle selbst, die zwischenzeitlich im ehemaligen Kunstbunker am Isardamm untergebracht war, musste aufgelöst werden. Sie wird nach der Fertigstellung der entsprechenden Räume ins Eisstadion umziehen.

Handballer bangen um Sponsoren

Alles lahmgelegt ist dagegen bei den Handballern der HSG Isar-Loisach. „Bei uns finden keine Sitzungen oder Versammlungen statt“, teilt Dr. Peter Seemann mit. Der Vorsitzende der Spielgemeinschaft aus TSV Wolfratshausen und TuS Geretsried ist auch ratlos, wann und wie es weitergehen soll: „Schließlich ist Handball ja ein Sport mit großem Körperkontakt.“ 

Üblicherweise gibt es im Frühjahr und Sommer so genannte Qualifikationsrunden für die Nachwuchsteams, um die künftige Ligeneinteilung zu ermitteln. Dies falle jetzt flach. Probleme sieht der HSG-Chef auch in finanzieller Hinsicht: „Wir haben viele Firmen, die uns sponsern. Da muss man abwarten, wie es denen ergangen ist.“

Alfred Barth: „Uns sind die Hände gebunden“

„Ich habe wahnsinnig viel zu tun“, sagt Alfred Barth. Wie geht’s mit dem Handball weiter? Wann können die Fußballer wieder auf den Platz? Könnte man nicht die Laufbahn für die Leichtathleten wieder öffnen? Mit solchen Fragen beschäftige er sich derzeit hauptsächlich, sagt der Vorsitzende des TSV Wolfratshausen. „Aber selber können wir nicht agieren. Uns sind die Hände gebunden.“ Deshalb tausche man sich „auf Abteilungsleiter-Ebene“ in der Whatsapp-Gruppe („wir haben da einen sehr kurzen Draht“) hauptsächlich über neue Informationen von den Fachverbänden aus. 

Ansonsten warte man auf weitere Entscheidungen aus der Politik. Für den Vereinschef persönlich bringt jede Verlängerung der Ausgangsbeschränkungen weitere Arbeit mit sich, weil sie gleichbedeutend sind mit der Absage von Veranstaltungen ist: So musste nach dem Mai-Sportfest im Isar-Loisach-Stadion nun auch der Wolfratshauser Stadtlauf – eine Veranstaltung im Rahmen der Raiffeisen Oberland Challenge – abgesagt werden. „Da hängt viel dran, beispielsweise die Zeitmessfirma, der mit jeder Absage Einnahmen wegbrechen. Und die Veranstaltungen selbst kosten viel Geld“, verdeutlicht Barth. „Aber wegen Sponsorengeldern brauche ich im Augenblick zu keinem Geschäft gehen.“

TuS Geretsried setzt „schon immer“ auf digitale Kommunikation

Beim TuS Geretsried, größter Sportverein im Landkreis,pflege man „schon immer eine gute digitale Kommunikation“, sagt der Vorstandsvorsitzende Mirko Naumann. „Es gibt häufiger mal etwas abzustimmen, wo man nicht immer gleich zusammenkommen kann. Wir sind eigentlich permanent in Kontakt.“ Auch wenn der Sportbetrieb derzeit pausieren müsse, sei es in der Arbeit des Vorstands „nicht viel ruhiger, als sonst“. 

Alles, was im Rahmen von Corona geregelt und an die Abteilungen weitergeleitet werden müsse, sei hinzugekommen. Deshalb sei es „normales Business, nicht viel ruhiger als sonst“. In seiner Funktion als Trainer, erstelle er zudem regelmäßig Übungspläne für die von ihm trainierte Leichtathletin Lara Holzhauer. „Das müssen die Übungsleiter selbst organisieren“, sagt Naumann. Ansonsten heiße es abwarten. „Wir sind in einer beobachtenden Haltung. Es gibt keine Ausnahmeregelungen, sobald sich etwas ändert, müssen wir spontan reagieren.“

FF Geretsried bereitet sich auf Lockerungen vor

Bei den FF Geretsriedlädt Patrick Verbaast seine Vorstandskollegen in unterschiedlichen Besetzungen regelmäßig zu Videokonferenzen. „Mit google Hangouts ist das kostenlos und funktioniert gut“, sagt der neue Klubchef am Robert-Schumann-Weg. Zu besprechen gibt es genug, auch wenn der Fußball längere Zeit nicht rollt. So müsse beispielsweise eine Entscheidung getroffen werden, wie die von einem Sturm massiv beschädigten Trainerbänke ersetzt werden sollen. Im Zuge der Sanierungsarbeiten am Vereinsheim solle auch der Kiosk erneuert werden. 

Zudem musste die Feier, die eigentlich im Juli anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Fußball-Freunde gefeiert werden sollte, aufs nächste Jahr verschoben werden. „Wir haben genug zu tun“, so Verbaast. Und viel zu überlegen. „Wir hoffen natürlich, dass es bald Lockerungen gibt. Darauf müssen wir vorbereitet sein. Deshalb machen wir uns viel Gedanken, welches Trainingsformen, Fitnessübungen und Ballschule man umsetzen kann“, erklärt der Vorstand. „Wir werden genügend Übungsformen finden, um auch in dieser Zeit ein schönes Sportangebot zu bieten.“

„Aufräumen und Ausmisten“ in Bad Tölz

„Aufräumen und ausmisten“, ist laut Christiane Clarke vom TV Bad Tölz angesagt: „Wir haben jetzt ausreichend Zeit, all das aufzuarbeiten, was sonst immer gerne liegen bleibt.“ So wurden neue Formulare entworfen, neue Kommunikationswege installiert, Mehrzweckraum und Gänge in der Halle frisch gestrichen und die „Organisation für Familien- und Wandertag 2021 liegen nun fertig in der Schublade“, so die TV-Chefin. 

Auch werden Sitzungen der Vorstandschaft „für die wichtigsten anstehenden Dinge“ per Telefon-Konferenz abgehalten. „Dabei haben wir aber ständig mit technischen Problemen zu kämpfen. Auch macht man sich bereits Gedanken wie der sportliche Betrieb allmählich wieder anlaufen kann. So hofft Christiane Clarke, „dass wenigstens die Kinderbetreuung in der Turnhalle in den Sommerferien wieder funktioniert, wenn die Eltern wieder in die Arbeit gehen können“.

FCKS: Nur  die gröbsten und wichtigsten Dinge werden abgehandelt

Auf technische Hilfsmittel greift man auch beim FC Kochelsee Schlehdorfzurück. „Unsere Vorstandssitzungen laufen per Video-Konferenz ab. Anders geht’s derzeit ja nicht“, berichtet Vorsitzender Klaus Ellert. Freilich würden dabei lediglich die gröbsten und wichtigsten Dinge abgehandelt. 

Er räumt auch ein, „dass die virtuellen Sitzungen auf Dauer keinesfalls den persönlichen Kontakt ersetzen könnten“. Insgesamt warten die Kochelseer Kicker natürlich sehnlichst darauf, dass sie wieder auf den Fußballplatz dürfen. Dort habe man jetzt viel Zeit für die intensive Platzpflege – „viel mehr, als wir eigentlich dafür brauchen“, erklärt Ellert.

Christian Donbeck bastelt intensiv am Kader

Von der „Hoffnung, dass baldmöglichst wieder eine gewisse Normalität einkehrt“, lebt auch die organisatorische Arbeit beim EC Bad Tölz, wie Präsident Hubert Hörmann einräumt. Bei den Profis der Tölzer Löwen laufen die Saisonvorbereitungen au vollen Touren. Coach Kevin Gaudet und Geschäftsführer Christian Donbeck basteln intensiv am Kader, „auch wenn dabei eine gewisse Unsicherheit mitschwingt, da effektiv keiner genau weiß, wann und wie es weitergeht“, so Hörmann. „Ich stehe auch in regelmäßigem Austausch mit meinem Vize Sepp Hintermaier, und unser Nachwuchs-Chef Florian Funk kommt immer wieder vorbei, um die wichtigsten Sachen abzuarbeiten.“ 

Ständig besetzt sei auch das ECT-Büro mit Marion Buchwieser, „die kümmert sich um alle administrativen Sachen“. Die Vorstandssitzungen werden beim ECT durch zahlreiche Telefonkontakte ersetzt: „Freilich steigt dabei in gewisser Weise die Nervosität, da keiner weiß, wann und wie es weitergeht. Vor allem bei den wirtschaftlichen Aspekten rund um unsere DEL2-Mannschaft.“

TVL macht sich keine Sorgen: Haben einen gesunden Verein

Relativ gelassen sieht man die Auswirkungen der Epidemie noch beim TV Lenggries. „Wir haben totale Corona-Pause. Sportlich geht sowieso nichts, da alles abgesagt und die Sporthallen gesperrt sind“, sagt Vorsitzender Siegfried Brandhofer. Da keine wichtigen Sachen anstünden, habe man sich auch über Vorstandssitzungen noch keine Gedanken gemacht. Laufende administrative Dinge würden aber im Hintergrund „wie im Normalfall“ abgearbeitet. „Ansonsten haben wir halt Pause und warten darauf, dass die Beschränkungen gelockert werden“, so der TVL-Chef: „Außerdem haben wir insgesamt einen gesunden Verein, den auch die Corona-Krise nicht so schnell umwirft.“

Von Rudi Stallein, Ewald Scheitterer und Thomas Wenzel

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