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Erfolg trägt grün: die Aufsteiger vom TuS Geretsried mit (hinten von links) Jirka Louda, Antonia Schaller, Michelle Deschle, Philip Bußler, Noah Gnalian, (vorne von links) Samuel Gnalian und Simi Pal Da. Zum Team gehört außerdem Julia Bitsoukova.

Badminton Regionalliga

Geretsried zurück in der 2. Bundesliga - nur die Party fällt aus

  • vonRudi Stallein
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Nach nur einem Jahr kehrt der TuS Geretsried zurück in die 2. Bundesliga. Das hat der Verband in der Coronakrise entschieden. Diesmal versucht es das junge Team sogar ohne hauptamtlichen Trainer.

Geretsried – Es ist schon verblüffend, welch dramaturgische Elemente ein Spielplan gelegentlich schafft. Da ging das Badminton-Team des TuS Geretsried als Tabellenführer der Regionalliga Süd in die letzten vier Spiele. Für den Endspurt sah er unter anderem das Topspiel beim Zweiten, dem TV Dillingen, der nur zwei Punkte in der Tabelle zurückliegt, vor. Unter Umständen hätten die Geretsrieder Meisterschaft und direkten Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga Süd an einem Abend geschafft. Was wäre das für eine Feier geworden.

Doch dazu kam es nicht mehr. Wegen der Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus’ erklärte der Badminton-Verband die Saison vorzeitig für beendet – und den TuS Geretsried zum Meister. Ohne Spiele. Ohne Party. „Wir waren in einer komfortablen Situation“, sagt der stellvertretende Abteilungsleiter Sascha Gnalian. Selbst wenn der TuS das Spitzenspiel verloren hätte, wäre er wahrscheinlich vor Dillingen geblieben. Trotzdem betont Gnalian: „Wir hätten die Saison natürlich lieber sportlich beendet.“ Als Tabellenführer erhielt der TuS nach dem Abbruch Aufstiegsrecht. Ob das Team nächste Saison in der 2. Bundesliga spielen will, „die Entscheidung mussten wir selbst treffen“, sagt Gnalian. Denn der Sprung nach oben ist an einige Auflagen gebunden. Der Verband verlangt beispielsweise ein qualifiziertes Nachwuchskonzept, um genügend eigene Talente hervorzubringen. Hat Geretsried schon in der Vergangenheit erfüllt, sagt der Teamsprecher. „Wir haben ja eine sehr junge Mannschaft mit vielen eigenen Spielern.“ Auch die finanzielle Mehrbelastung, die auf den Verein zukommt, stemmt der TuS. Sportlich habe die Mannschaft „auf jeden Fall das Potenzial für oben“, betont Gnalian.

Warum sich der TuS einen hauptamtlichen Trainer spart

Nachdem das Abenteuer Zweite Liga beim ersten Versuch bereits nach einer Saison geendet hatte, unterzog man die Mannschaft einer Verjüngungskur. Auf die Dienste des Iren Mark Brady, der zu den Spielen aus Dublin eingeflogen war, verzichtete Geretsried in der Regionalliga. Top-Spielerin Ann-Kathrin Spöri wechselte in die 1. Bundesliga zum TV Refrath. Der Klub war vorbereitet. „Es war absehbar, dass sie perspektivisch höherklassig spielen würde.“ Fünf Neue ergänzten die Mannschaft. Aus dem eigenen Nachwuchs stießen Simi Pal und Philip Bußler zum Regionalliga-Team, dem sich außerdem die Deutsche U15-Vize-Meisterin Antonia Schaller (ESV München), die Weißrussin Julia Bitsoukova sowie der Tscheche Jirka Louda anschlossen. Mit dem jungen Kader (das Durchschnittsalter liegt bei knapp über 20 Jahren) sieht der stellvertretende Abteilungsleiter das Team auch für die 2. Bundesliga gut gerüstet. Vor allem die jungen Spieler Philip Bußler, Michelle Deschle und Antonia Schaller haben sich in der abgelaufenen Saison „kontinuierlich verbessert und zu Leistungsträgern entwickelt“. Der Kern bleibt zusammen („alle haben ihre Zusage gegeben und wollen 2. Liga spielen“), trotzdem soll der Kader in der Breite verstärkt werden. Zumal noch nicht sicher ist, ob Jirka Louda auch nächste Saison zu jedem Spiel aus Tschechien anreist. Julia Bitsoukova ist weiterhin als Ersatz eingeplant. „Sie spielt viele internationale Turniere und kommt nur, wenn Not an der Dame ist.“

Dafür spart sich Geretsried diesmal einen hauptamtlichen Trainer. Beim ersten Zweitliga-Auftritt hatte Johann Niesner den TuS betreut. Mit Udo Lehmann und Uwe Eckhoff stellt der Verein zwei Trainer der höchsten Qualifikationsebene, die weiterhin die Spieler trainieren. In der Liga fehlt zwar ein Coach an der Linie. Aber die Spieler hält Organisator und Manager Gnalian für „erfahren genug, um sich gegenseitig zu coachen“. Bis dahin vergeht noch einige Zeit. Aktuell sei „Schlägerpause – das ist immer mal ganz gut“, betont Gnalian. Er hofft auf einen regulären Saisonbeginn Ende September oder Anfang Oktober, der keinesfalls garantiert ist. „Der normale Sportbetrieb ist sicher einer der letzten Bereiche, der nach Corona wieder freigegeben wird.“ Deutlich vorher wird es hoffentlich eine Gelegenheit geben, die aus bekannten Gründen ausgefallene Meisterfeier nachzuholen.

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