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Bezirksliga Süd tobt nach BCF-Nichtantritt: „Gehört bestraft“ - Anzeige beim Sportgericht

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Von: Oliver Rabuser, Christian Heinrich

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Keinen Torhüter und nur acht Feldspieler hatten Jona Lehr (Mi.) und der BCF Wolfratshausen am Wochenende zur Verfügung – und sagte deshalb die Partie gegen Haidhausen ab. Die Konkurrenz in der Bezirksliga ist verärgert
Keinen Torhüter und nur acht Feldspieler hatten Jona Lehr (Mi.) und der BCF Wolfratshausen am Wochenende zur Verfügung – und sagte deshalb die Partie gegen Haidhausen ab. Die Konkurrenz in der Bezirksliga ist verärgert © Oliver Rabuser

Der Nichtantritt des BCF Wolfratshausen in der Bezirksliga Süd sorgt weiterhin für Ärger. FC-Penzberg-Coach Martin Wagner fordert eine Bestrafung.

Wolfratshausen – Eigentlich war die Absetzung des Bezirksligaspiels gegen die SpVgg Haidhausen gut erklärt worden (wir berichteten). Dennoch sorgte der BCF Wolfratshausen durch sein Nichtantreten am Sonntag für erheblichen Diskussionsstoff. Zu ungewöhnlich ist das Ereignis, noch unpassender der Zeitpunkt. Denn der Ballclub griff dadurch ungewollt, aber massiv in das Titelrennen der führenden Klubs ein.

Die Niederlage des SC Oberweikertshofen gegen Penzberg (2:3) geschah zwar rein auf sportlicher Ebene. Aber das torlose Remis des VfL Denklingen gegen den MTV Berg fußt auf einer ganzen Reihe von kurzfristig festgestellten Covid-Erkrankungen im Lager der Gastgeber. Für den Aufsteiger kein Ding dennoch anzutreten und das Beste zu versuchen – Konkurrent Haidhausen dagegen bekam vom Verband die Punkte aus dem gecancelten Match in Farchet auf einem Silbertablett serviert.

Denklingen und Penzberg sind verärgert

Entsprechend sauer ist Markus Ansorge. „Wo ist da die Fairness?“, fragt der Trainer des VfL und ergänzt: „Der BCF ist eine Mannschaft mit Vergangenheit. Die haben Bayernliga gespielt.“ In seinen Augen sei dies eine „Wettbewerbsverzerrung“. Unterstützung bekommt der Coach von zwei anderen Bezirksliga-Kollegen. „Klar ist, dass es für Oberweikertshofen und Denklingen extrem bitter ist, wenn Haidhausen kampflos die Punkte kriegt“, stellt beispielsweise Johannes Franz vom SV Raisting klar. Ähnlich sieht es auch Martin Wagner. „Das geht gar nicht“, meint der Coach des FC Penzberg und spricht ebenfalls von „Wettbewerbsverzerrung“. Wie es stattdessen funktionieren kann, demonstrierte seine Mannschaft am Samstag in Oberweikertshofen, wo sie allen Verletzungssorgen zum Trotz über sich hinauswuchs und mit 3:2 gewann. Deshalb wäre es für Wagner inakzeptabel, die Dinge einfach so auf sich beruhen zu lassen: „So etwas gehört bestraft.“

Markus Ansorge: Der Denklinger Trainer ist sauer.
Markus Ansorge: Der Denklinger Trainer ist sauer. © Verein

BCF-Spartenchef Forster verteidigt die Entscheidung

Aus Sicht des BCF war die Absage jedoch alternativlos. Sagt zumindest Helmut Forster. Der Fußball-Abteilungsleiter betont noch einmal, dass die Gemengelage vom Samstag keinen Spielbetrieb zugelassen hätte. Zwar sei die Farcheter Reserve spielfrei gewesen, allerdings selbst mit einem halben Dutzend an Ausfällen konfrontiert. Zudem sei die Kreisklasse jene Grauzone des Amateurbereichs, wo Spieler an Samstagen bisweilen arbeiten müssen.

Helmut Forster: Der BCF-Spartenchef hatte eine Spielverlegung angeboten.
Helmut Forster: Der BCF-Spartenchef hatte eine Spielverlegung angeboten. © Oliver Rabuser

Problem: Es standen keine Torhüter zur Verfügung

Das Kernproblem aber war nach Aussage des Spartenleiters ein anderes. Nachdem Alexander Schröferl seine Laufbahn wegen Totalschadens im Knie in einem Frühstadium beenden musste, stehen dem Klub für zwei Mannschaften aktuell nur drei Torhüter zur Verfügung. Alle drei waren am Wochenende aus medizinischen Gründen nicht einsatzfähig. „Ich bin einer, der sagt: Wenn es irgendwie geht, ziehen wir es durch“, stellt Forster klar. Zudem habe man versucht, über den Verband eine Spielverlegung zu erreichen. Das aber wollten die Haidhausener nicht, weil sie sonst vor dem Topspiel gegen Denklingen eine englische Woche absolvieren müssten. Der BCF-Abteilungsleiter unterstreicht, dass Mitch Rödl und Jona Lehr als Trainerduo „alles versucht“ hätten, um doch irgendwie eine Mannschaft aufs Feld zu bringen. Was die beiden letzten Bezirksligapartien betrifft, ist Forster etwas optimistischer gestimmt: Bei den beiden Coronafällen ist eine Freitestung zu Beginn der Woche zu erwarten; aus dem Lazarett sind ein bis zwei Rückkehrer denkbar. Das würde wenigstens die Mindeststärke abdecken. „Wir wollen unbedingt spielen“, versichert Forster. „Und ich gehe davon aus, dass wir das schaffen.“

Wolf-Peter Schulte: Der BFV-Spielleiter hat sich eingeschaltet.
Wolf-Peter Schulte: Der BFV-Spielleiter hat sich eingeschaltet. © BFV

Sportgericht prüft Vergabe der Punkte und Strafe für BCF

Mit dem Vorfall befasst ist mittlerweile auch Wolf-Peter Schulte. Der Bezirksspielleiter vom Bayerischen Fußballverband (BFV) ist nicht verwundert über die Empörung in Denklingen und in anderen Vereinen: „Es ist vollkommen klar, dass da Ärger in der Liga aufkommt.“ Ob der BCF wirklich nicht in der Lage war, eine vollzählige Mannschaft aufzubieten, könne er nicht beurteilen. Er wisse nur, dass die Farcheter bei ihm kein offizielles Attest hinterlegt haben für die beiden Spieler, die sich mit Covid 19 infiziert haben sollen. „Ich weiß nicht, ob das stimmt“, räumt der Schäftlarner ein.

Er hat deshalb Anzeige beim Sportgericht gestellt, wo der Fall seit Montag vorliegt. Dort wird aber zunächst nur über die Vergabe der Punkte an die SpVgg Haidhausen verhandelt. Und dann über die Höhe der Strafe für den BCF. Ein dritter Punkt, der sowohl für Denklingen als auch für Oberweikertshofen von Interesse gewesen wäre, bleibt davon unberührt. „Das Spiel wird nicht mehr angesetzt“, ist sich Schulte sicher. (Oliver Rabuser/Christian Heinrich)

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