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Die Kreisklasse ist kein Selbstläufer: Der junge Trainer Cem Acikbas (2. v. re.) steht mit dem TuS Geretsried II an der Tabellenspitze der KK2, hat aber am Wochenende in Hausham eine 0:7-Schlappe hinnehmen müssen.

„Lieber einmal richtig auf die Mütze“

Cem Acikbas über seinen Job als jüngster Trainer der Kreisklasse

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Mit vier Siegen stürmte der TuS Geretsried II an die Tabellenspitze der Fußball-Kreisklasse 2. Am Sonntag gab es mit der 0:7-Niederlage bei der SG Hausham einen herben Rückschlag.

Geretsried - Daran hat auch Cem Acikbas, mit 28 Jahren jüngster Trainer in der Kreisklasse, ein wenig zu knabbern. Im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Rudi Stallein blickte der Konzernbuchhalter und Controller eines Geretsrieder Chemie-Unternehmens aber schon wieder optimistisch in die Zukunft.

Herr Acikbas, am Sonntag klangen Sie ratlos. Haben Sie inzwischen eine Idee, woran es gelegen hat?

Sagen wir mal, es war eine Kopfsache. Es gibt auch Gründe, die ich nicht in der Zeitung diskutieren möchte. Fakt ist, dass der eine oder andere Spieler nicht so fit war. Wir waren immer einen Tick langsamer als der Gegner, immer einen Tick zu spät am Ball. Aber Hausham war bisher auch der mit Abstand beste Gegner.

Ist die Euphorie nun dahin?

Den guten Start hatten wir so auch nicht erwartet. Vielleicht war das jetzt ein ganz guter Weckruf, der deutlich macht, dass das kein Selbstläufer ist, sondern dass man in jedem Spiel an seine Grenzen gehen muss. In jedem Fall ist es mir lieber, statt ein paar Mal knapp zu verlieren, einmal richtig auf die Mütze zu bekommen und seine Lehren daraus zu ziehen.

Welche Lehren ziehen Sie als Trainer aus so einem Spiel?

Ich weiß jetzt, dass man immer die Spannung hochhalten muss. Und der Mannschaft offenbar immer wieder einimpfen muss, worum es geht. Am Sonntag war eine andere Atmosphäre als vorher. Beim Aufwärmen war nicht so der Zug drin. Den muss man wieder reinbekommen.

Bevor Sie bei der TuS-Reserve eingesprungen sind, waren sie im Herrenbereich ein Unbekannter…

Ja, ich habe vorher nur als Jugendtrainer beim TuS gearbeitet. Angefangen habe ich bei der U16, dann ein Jahr die U18 trainiert und auch bei der U15 in der Bezirksoberliga ausgeholfen.

Was ist der größte Unterschied zwischen Jugend und Erwachsenen?

Die Erwachsenen sind nochmal besser ausgebildet. Man muss nicht mehr im Detail an Grundlagen arbeiten. Sie haben auch schon eine gewisse Spielphilosophie. Da ist mehr Austausch gefragt. Im Jugendbereich kann man als Trainer viel mehr vorgeben.

Und am Wochenende sind Sie als junger Coach an Grenzen gestoßen?

Das war schon eine schwierige Situation für mich. Du kannst nicht fassen, was da passiert, aber irgendwann als Trainer auch nicht mehr eingreifen. Das war schwer zu ertragen.

Die Harmonie und gute Stimmung könnte bald gestört werden, weil eine Reihe von Studenten fehlen werden. Wie wollen Sie das auffangen?

Daran arbeiten wir. Tatsächlich werden Marc Thiess, Maximilian Untch, Fabian Wieland und wahrscheinlich auch Jakob Bahnmüller in Regensburg studieren, Robert Barbir studiert bereits im dritten Semester in Nürnberg. Die Fünf werden im Training auf jeden Fall fehlen. Aber wir haben zusammen mit der Ersten Mannschaft einen größeren Kader als im Vorjahr. Deshalb glaube ich, dass wir trotzdem eine schlagkräftige Truppe zusammenstellen können.

Ist es nicht frustrierend, wenn man weiß, dass die gute Zeit absehbar zu Ende geht?

Es bestand ja die Chance, dass die Jungs in München was Passendes finden. Das war leider nicht der Fall. Aber das Studium geht jetzt vor. Das ist ihre Zukunft. Fußball ist nur Hobby. Das kann ich nachvollziehen, auch wenn es aus Trainersicht bitter ist.

Welches sind Ihre persönlichen Ziele als Trainer?

Berufsbedingt muss ich auch von Jahr zu Jahr schauen. Für mich ist wichtig, am Saisonende sagen zu können, dass ich mein Bestes gegeben habe, die Mannschaft ebenfalls, und dass sie sich in gewisser Weise weiterentwickelt hat. Wenn das gegeben ist, kann man sich überlegen, wie man weitermacht. Andernfalls ziehe ich auch Konsequenzen. Wenn ich glaube, jemand anderes macht es besser, dann kann ich mein Ego gut zurückstellen.

Sie sind auch beim Ortsrivalen ASC engagiert. Führt das manchmal zu Interessenskonflikten?

Das stimmt, ich bin Gründungsmitglied des ASC und in der Vorstandschaft seit Anfang an der Kassier. Aber schwierig wird’s erst, wenn wir in einer Liga spielen würden. Wir haben dieses Jahr ein Freundschaftsspiel gehabt, das war schon komisch für mich. Zumal der Tasso (ASC-Spielertrainer Lasidis, Anm. d. Red.) einer meiner besten Freunde ist.

Das bedeutet, dass die TuS-Reserve schnell in die Kreisliga aufsteigen muss, damit Sie sich mindestens noch ein Jahr aus dem Weg gehen können…

Daran denke ich im Moment noch gar nicht (lacht). Wir sind die Situation ja gerade durchgegangen. Schauen wir erst mal, was der Herbst bringt.

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