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DJK Waldram Günther Mücke Urgestein über seine Karriere als Spieler und Trainer.

Urgestein der DJK Waldram über seine Karriere als Spieler und Trainer

Günther Mücke: Über 1.000 Spiele und rund 650 Tore für die DJK Waldram

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Waldram Urgestein Günther Mücke verbindet wahnsinnig viel mit seiner DJK. In seiner Zeit als Spieler lief der 57-Jährige über 1.000 mal für die DJK Waldram auf und traf rund 650 mal.

Waldram – Als er seine aktive Karriere im Sommer 2003 mit 40 Jahren beendete, hatte er mehr als1000 Spiele absolviert und rund 650 Tore geschossen – alle für denselben Verein, die DJK Waldram. Vom Fußball lassen kann Günther Mücke bis heute nicht: Derzeit liegt das Hauptaugenmerk des 57-Jährigen darauf, die A-Juniorenspieler an die drei Waldramer Herrenmannschaften heranzuführen und dauerhaft für den Verein zu begeistern.

„Wir haben nicht die Wohlfühloase gehabt wie die jungen Spieler mittlerweile“

Das sei heute weitaus schwieriger als zu seiner aktiven Zeit. „Wir haben nicht die Wohlfühloase gehabt wie die jungen Spieler mittlerweile. Aber es war eine schöne Zeit“, erzählt der einstige Torjäger, während die Gedanken weit zurückschweifen. In eine Zeit, als es auf der Waldramer Anlage noch kein Vereinsheim gab, sondern lediglich eine Holzhütte und statt eines Kunstrasens einen „schuntigen Platz“, mit aufgeschürften Knien und Eisplatten im Winter. „Wir haben uns zum Kicken auf Wiesen getroffen, Wurzeln ohne Ende, da haben wir gespielt. Also – fantastisch“, sagt er und lacht. „So bin ich dazu gekommen, und dann hab’ ich nicht mehr losgelassen.“

„Gerd Müller war mein großes Vorbild“

Vollends mit dem Fußball-Virus infiziert wurde er während der Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland. „Gerd Müller war mein großes Vorbild.“ Bei dem Geständnis wirkt der eingefleischte Fan des TSV 1860 München für einen Moment ein wenig verlegen. „Dem habe ich gerne zugeschaut, wie er das macht.“ Zwölf Jahre alt war Mücke, als Müller im Finale gegen die Niederlande in seiner unnachahmlichen Art den 2:1-Siegtreffer erzielte. „Das hat mich geprägt.“ In Johann Schwentner fand der Schüler einen Coach, der sein Talent früh erkannte und förderte. Mit 17 Jahren debütierte Mücke mit Sondergenehmigung in der Waldramer Herrenmannschaft, aus der er in den folgenden 23 Jahren nicht mehr wegzudenken war.

„Bei 650 Kisten, da hat’s so viele Höhepunkte gegeben“

An Details, etwa das erste Tor in der ersten Mannschaft, seinen wichtigsten Treffer oder das letzte Tor in seiner langen Karriere, kann er sich kaum erinnern. „Bei 650 Kisten, da hat’s so viele Höhepunkte gegeben, das kann ich nicht alles zuordnen“, sagt er entschuldigend. Dann fällt ihm doch eine Partie ein, die ihm nachhaltig Freude bereitet hat. Gegen die DJK Darching in der Saison 1992/93. Die Gäste mit ihrem Spielertrainer Hans Angerer, vormals beim FC Bayern München, lagen 2:0 vorn. Dann krempelte Kapitän Mücke „die Ärmel hoch“. Waldram gewann mit 3:2, drei Mal hatte Mücke eingenetzt, das Siegtor in der 92. Minute. Angerer hatte ihn im Spiel gereizt. „Der fragte mich doch glatt, ob ich nicht besser fußballspielen kann“, hatte der Darchinger Kapitän damals gesagt. Noch heute grinst er verschmitzt, wenn er von seiner kleinen Rache erzählt. Am Ende jener Saison feierte die DJK den Aufstieg in die Bezirksliga, damals die fünfthöchste Spielklasse.

Nach nur zwei Jahren ging es wieder hinunter. Mückes größter sportlicher Erfolg geht einher mit einer der größten Enttäuschungen in seiner Fußballer-Laufbahn: Unmittelbar vor Beginn der zweiten Bezirksligasaison wechselten gleich acht Waldramer Spieler über den Isar-Loisach-Kanal zum Ortsrivalen BCF, der damals in der C-Klasse kickte. Die „Völkerwanderung“, wie die Presse seinerzeit titelte, hat bis heute Spuren hinterlassen. „Charakterlich war das eine Schweinerei von allen Beteiligten“, sagt Mücke, wenn er an den Anfang vom Ende der DJK in der Bezirksliga zurückdenkt. Obwohl der verbliebene Kader eine starke Hinrunde spielte, wurde der Klassenerhalt knapp verpasst.

Die Tendenz war immer: Weitermachen

Ihn selbst zog es nie wirklich aus Waldram fort, obwohl es Anfragen gab. Einmal schien Bayernligist SC Fürstenfeldbruck interessiert. Doch ausgerechnet da, kurz nachdem er die Lehre als Feingeräteelektroniker abgeschlossen hatte, zog er sich einen Kreuzbandriss zu. „Da war ich für die durch. Kreuzbandriss, was willst Du da noch für eine Karriere machen?“ So habe man damals gedacht. Er nicht. Aufgeben kam für ihn nicht infrage. „Ich habe immer gesagt: Erst wenn ich schmerzfrei bin und wieder alles machen kann, entscheide ich, ob ich weiterspiele oder nicht.“ Die Tendenz war immer: Weitermachen.

Daran hinderte ihn weder ein zweiter Kreuzbandriss noch ein Schlüsselbeinbruch und auch nicht ein Syndesmosebandriss und Sprunggelenksbruch, den er sich im Pokalspiel gegen den TuS Geretsried zuzog – einen Tag, bevor er mit seiner Frau in den Urlaub fahren wollte. „Das ist dann nicht gegangen“, sagt Mücke und muss lachen. Ein Vereinswechsel sei vielleicht auch an mangelndem Selbstbewusstsein als junger Spieler gescheitert, räumt er ein. „Ich hatte immer die Ausrede: Ich trau’ es mir nicht zu.“

„Das war ein total feiner Haufen und eine tolle Umgebung“

So beendete er seine Karriere dort, wo er sie begonnen hatte. Einen anderen Verein gab es erst, als er nicht mehr selbst das Spielfeld beackerte: Im Winter 2010/11 heuerte das Waldramer Urgestein überraschend als Trainer beim Kreisklassenklub TSV Dietramszell an. Erste Erfahrungen als Coach hatte er zuvor bei der DJK-Jugend und bei der 2. Mannschaft gesammelt. „Das war ein total feiner Haufen und eine tolle Umgebung. Man hat mich da zum ersten Mal als Trainer wahrgenommen, weil wir guten Fußball gespielt haben“, erinnert er sich an seine Dietramszeller Zeit.

Die dauerte vier Jahre und endete mit dem Abstieg in die A-Klasse. Mücke nahm sich eine Auszeit („ich habe etwas Abstand gebraucht“), kehrte zurück nach Waldram. A-Klasse sei für ihn keine Option gewesen, begründet, warum er Angebote anderer Vereine ablehnte. Doch bei der DJK saß Trainer Ralf Zahn fest im Sattel, weshalb Mücke wieder bei der Jugend anfing, bevor er für zwei Jahre als Co-Trainer mit Zahn zusammenarbeitete. Nach zwei verpatzten Aufstiegsrelegationen war damit Schluss.

„Ich will, dass relativ viele von den Jungs in Waldram bei den Herren nachschieben“

Nun geht er wieder in der Arbeit mit der A-Jugend auf, als Chefcoach eines Trainerteams mit Stephan Hafenmayer, Matthias Herbert und Christian Gampl. „Ich will, dass relativ viele von den Jungs in Waldram hängen bleiben, dass die bei den Herren nachschieben. Dass wir ihnen das Gefühl geben, dass sie hier aufgehoben sind, dass man sie fordert, dass man sie mitnimmt“, beschreibt der Jugendtrainer seine Motivation, sich für den Nachwuchs mit derselben Leidenschaft zu engagieren, wie er es als Spieler getan hat.

Und so wie er es genossen und gelernt hat, als er als Jugendlicher schon in der Ersten reinschnupperte, bevor seine damaligen Trainer Peter „Pele“ Kunzmann und Gerhard Schöpf mit einem Rudel talentierter Jugendspieler die Erste übernahmen. „Das ist jetzt eine große Herausforderung.“ Und was kommt danach? Vielleicht greife er „bei einem anderen Verein mit einer gut aufgestellten Jugendarbeit“ noch mal an. Aber eigentlich habe er darüber noch nicht nachgedacht. Und wenn er so vor sich hin sinniert, klingt es, als würde er zu gerne doch noch mal in Waldram als Chefcoach bei den Herren die Verantwortung tragen wollen. „Ein paar Jahre kann ich mich schon noch bewegen“, sagt der 57-Jährige. „Da gibt’s vielleicht noch mal eine Möglichkeit. Momentan haben sie halt andere Pläne.“

Eins weiß er jedoch gewiss: Ein Leben ganz ohne Fußball wird’s für ihn nicht geben. Und ein Leben ohne die DJK auch nicht. „Das ist mein Verein“, betont Mücke, „und selbst wenn ich die Sechziger trainieren würde, dann ist Waldram immer noch mein erster Verein.“

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