„Enormer Zusammenhalt“: Trotz der schwierigen Situation sieht Patrick Verbaast seinen Verein auf einem guten Weg. Die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum wollen die Fußball-Freunde Geretsried im kommenden Sommer nachholen.
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„Enormer Zusammenhalt“: Trotz der schwierigen Situation sieht Patrick Verbaast seinen Verein auf einem guten Weg. Die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum wollen die Fußball-Freunde Geretsried im kommenden Sommer nachholen.

Corona machte Feierlichkeiten Strich durch die Rechnung

Jubiläumsfeier der FF Geretsried geplatzt: „Dann feiern wir im Sommer 50 + 1“

  • vonRudi Stallein
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Anfang dieses Jahres freuten sich die Fußball-Freunde Geretsried mit einer nahezu komplett neuen Führungsmannschaft auf schöne Zeiten.

Geretsried – Die sollten in diesem Jahr mit Events zum 50-jährigen Bestehen des Vereins ihren Höhepunkt finden. Doch dann kam Corona und stellte den Vorstand vor manche Herausforderung, wie der neue FFG-Chef Patrick Verbaast im Interview mit unserem Mitarbeiter Rudi Stallein erläuterte.

Herr Verbaast, im Januar sind Sie mit viel Elan in Ihre neue Aufgabe gestartet. Aber kaum hatten Sie das Steuer übernommen, wurden Sie von der Pandemie ausgebremst. Was haben Sie da gedacht?

Es sind sehr eigenartige Zeiten. Aber das Ausbremsen ging ja in Etappen. Als wir angefangen haben, waren wir noch mitten in der Hallenturnierzeit. Deshalb war zum Auftakt viel Bewegung da, ein richtiger Aufschwung. Wir haben eine tolle Truppe aus 16 Leuten, sieben neugewählte Vorstandsmitglieder und weitere Helfer. Die Gruppe ist groß genug, um Arbeit aufzuteilen. Das hat gut funktioniert. Es waren alle Weichen gestellt, das Ziel war der Start der Rückrunde.

Aber bis dahin geriet einiges durcheinander…

Es gab eine Woche, wo sich plötzlich alles gewendet hat. Das war, als die Herrenmannschaften im Trainingslager waren und wegen der hohen Infektionszahlen in Italien einen Tag früher als geplant abgereist sind. Dann ging es Schlag auf Schlag. Es gab das Trainingsverbot, Spielverbot. Aber es war noch immer ein großer Elan da. Wir wollten, sobald es geht, wieder anfangen und haben alles dafür getan.

„Akzeptanz diverser Maßnahmen war nicht immer gegeben“

Was bereitete die größten Probleme?

Die Testspiele liefen im Rahmen des Machbaren. Aber der eigentliche Spielbetrieb war sehr herausfordernd. Wir haben nur vier Kabinen, aber teilweise sechs Spiele an einem Tag gehabt. Das war eine logistische Meisterleistung, das zu organisieren. Die Besucherregelung hat auch Stress mit sich gebracht. Wir haben Einlasspunkte am Gelände schaffen müssen, was aber funktioniert hat.

In einer ähnlichen Situation wie im Sommer sind Sie jetzt wieder?

Die Überlegungen sind jetzt: Wie können wir ein attraktives Angebot für die Vereinsmitglieder bieten? Wie bringen wir Sport auf den Kunstrasen? Wir hätten jetzt beispielsweise fantastisch draußen trainieren können. Andererseits: Es ist zwar nicht schön, dass jetzt grad gar nichts läuft. Aber es ist auch eine gewisse Erleichterung, sich nicht schon wieder mit neuen Maßnahmen auseinandersetzen zu müssen.

Wie sind die Aktiven mit der ganzen Situation umgegangen?

Querdenker haben wir nicht (lacht). Aber das Vereinsheim zu schließen, plus ständig Mund-Nasen-Schutz tragen zu müssen in Gegenwart anderer – das hat nicht jeder gleich akzeptiert. Die Einsicht, dass man was tun muss, ist da. Aber die Anfang dieses Jahres freuten sich die Fußball-Freunde Geretsried mit einer nahezu komplett neuen Führungsmannschaft auf schöne Zeiten. Aber die Akzeptanz diverser Maßnahmen war nicht immer gegeben. Da haben wir öfter mal darauf hinweisen müssen.

Große Jubiläumsfeier war geplant - dann kam Corona

Jetzt wäre die Zeit für Hallenturniere, aber damit wird es wohl nichts werden?

Es gibt vom Landratsamt und von der Stadt Geretsried noch kein Modell für die Hallenwettbewerbe. Deshalb halten wir uns alle Optionen offen. Aber ob wir uns überhaupt den Stress antun, in die Halle zu gehen – auch mit dem Training – ist fraglich. Aber sobald Mannschaftssport wieder erlaubt ist und das Wetter es zulässt, würden wir gerne mit allen Mannschaften wieder draußen trainieren. Dafür haben wir ein gut funktionierendes Hygienekonzept.

Ihr Verein hatte dieses Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Hatten Sie eigentlich Gelegenheit, das zu feiern?

Der Gründungstag war der 8. Februar (1970, Anm. d. Red.). Da sind wir mit dem neuen Vorstand gemeinsam zum Essen gegangen. Wir hatten ja gerade erst als Team angefangen, so war das eine gute Gelegenheit, sich kennenzulernen. Ein großes Fest sollte es dann im Sommer geben.

Da hat Ihnen Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht ...

Ja, wir hatten für den Juli an zwei Wochenenden Jubiläumsfeste geplant. Dafür gab es viele Ideen. Wir wollten eine Art Regionalturnier machen und hatten angedacht, ein Spiel mit einem All-Star-Team der Region gegen ein All-Star-Team der Fußball-Freunde zu organisieren. Es sollte ein Zelt geben mit Live-Musik. Alles war geplant – es ging nur noch drum, ob wir es mit Bleistift oder Kugelschreiber fixieren. Aber sobald klar war, dass da eine Corona-Welle anlief, haben wir Abstand genommen. Spätestens als das Stadtjubiläum abgesagt wurde, war für uns klar, dass auch wir nicht feiern können.

Nicht nur negative Erfahrungen durch Corona bei den FF 

Soll das Jubiläum nachgeholt werden?

Ja, wir haben ja schon viele Fan-Artikel beschafft. Es lagern schon Käppis, Tassen, Krüge mit Jubiläumslogo im Keller. Jetzt werden wir eben nächsten Sommer mit vergleichbaren Aktivitäten 50+1 feiern (lacht). Und für unsere Gönner und Sponsoren haben wir Fanschals und Wanduhren mit Logo produzieren lassen, die wollen wir möglichst dieses Jahr zu Weihnachten überreichen – und auch den Gründungsvorstand von damals noch entsprechend würdigen.

Wie geht es jetzt im Winter weiter? Beim ersten Lockdown wurden dank des frischen Elans schnell Konzepte entwickelt. Funktioniert das nochmal?

Ich denke ja, die Leute sind mit sehr viel Herzblut dabei. Alle sind weiter sehr gut motiviert und ambitioniert. Und im Winter haben wir ja weniger Druck. Nur, dass man nicht weiß, wann wieder irgendwas geht, macht es aktuell etwas schwierig.

Der Bayerische Landessportverband (BLSV) befürchtet, dass die Sportvereine wegen der Pandemie viele Mitglieder verlieren werden. Teilen Sie diese Befürchtung?

Nein, im Gegenteil. Wir haben den Lockdown auch genutzt, um unsere Mitgliederdatenbank zu aktualisieren. Natürlich waren da ein paar sogenannte Karteileichen dabei, die die Erinnerung genutzt haben, sich offiziell abzumelden. Aber unterm Strich haben wir einen guten Zuwachs an Mitgliedern, vor allem im Jugendbereich – von der G- bis zur A-Jugend. Es spricht sich offenbar herum, dass wir auch in der Jugendarbeit sehr gut aufgestellt sind und nochmal einiges verbessert haben.

Dann können Sie der Pandemie auch etwas Gutes abgewinnen?

Eindeutig, vor allem, dass die FFG diese schwierige Zeit durch enormen Zusammenhalt überstanden haben. Die Leute im Team beharren nicht stur auf ihrer Meinung, sie sind offen für Diskussionen. Der Charakter insgesamt ist sehr stark, das gibt letztlich die Kraft, um solche Situationen überstehen zu können. Und das stimmt mich sehr positiv – auch über 2021 hinaus. Und sehr erfreulich war in diesem Jahr auch, dass endlich die Renovierung des Vereinsheims vorangetrieben worden ist: Wir haben ein neues Dach bekommen und die Toiletten sind komplett neu.

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