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Keine Geduld mit dem Trainer: BCF Wolfratshausen entlässt Tochtermann - „Kann mir nichts vorwerfen“

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Von: Oliver Rabuser

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Angefressen: Nur vier Monaten durfte Trainer Heinz Tochtermann beim BCF Wolfratshausen arbeiten – und dies nicht gerade unter optimalen Bedingungen.
Angefressen: Nur vier Monaten durfte Trainer Heinz Tochtermann beim BCF Wolfratshausen arbeiten – und dies nicht gerade unter optimalen Bedingungen. © or

Nach nur viermonatiger Tätigkeit sieht der BCF Wolfratshausen genügend Anzeichen, um sich von Heinz Tochtermann zu trennen.

Wolfratshausen – Begründet wird die Maßnahme mit Meinungsverschiedenheiten zwischen Trainer und Mannschaft. Nach nur acht Spieltagen hat sich Fußball-Bezirksligist BCF Wolfratshausen von seinem Trainer Heinz Tochtermann getrennt.

Die Begründung fiel eher sparsam aus, die Entscheidung wirft Fragen auf: War es das schon mit dem selbst proklamierten Umbruch? Warum reagiert man mit einer so drastischen Maßnahme trotz des Wissens um die nicht einfache Situation? Und welche Rolle spielt dabei die Mannschaft?

„So kann ich nicht aufhören, die Art und Weise ist für mich nicht akzeptabel.“

Heinz Tochtermann (66), Ex-Trainer des BCF Wolfratshausen

Tochtermanns Meinung zufolge eine sehr große – zumindest was die Routiniers im Kader betrifft. Ursprünglicher Plan des 66-jährigen war es, nach den zwei vereinbarten Spielzeiten ein Resümee und womöglich nach 40 Jahren im Trainergeschäft einen Schlussstrich zu ziehen. „Aber so kann ich nicht aufhören, die Art und Weise ist für mich nicht akzeptabel“, stellt der frühere Profi klar.

Zur Erinnerung: Anfang März hatten die BCF-Verantwortlichen um Abteilungsleiter Helmut Forster den bisherigen Trainer des SV Ascholding-Thanning für zwei Jahre verpflichtet, um mit ihm den zwingend notwendigen und bereits begonnenen Umbruch im Team – was Alter und Herkunft der Spieler betrifft – zu realisieren. Dass es sportlich nicht gleich zu einem durchschlagenden Erfolg kommen würde, war klar. Nach schwacher Vorbereitung mit enormer Personalfluktuation steht der Ballclub aktuell mit sechs Punkten auf dem drittletzten Tabellenplatz. „Das Abschneiden hat nichts mit dem Trainer zu tun. Die Spiele spielen immer noch wir“, beteuert Kapitän Ralf Schubnell. Dabei war Tochtermann aus dem Umfeld eindringlich vor der Aufgabe in Farchet gewarnt worden. „Als Löwe ist man ein Kämpfer, es war eine Herausforderung für mich“, betont der einstige Stürmer des TSV 1860 München.

BCF-Kapitän Schubnell: „Wir haben alle versagt - Verein, Trainer und Mannschaft“

Jetzt hat sich sein Engagement auf andere Weise erledigt. „Dass das nach vier Monaten so endet, war von uns sicher nicht geplant“, sagt Helmut Forster. Und auch Kapitän Schubnell spricht Klartext: „Wir haben alle versagt – Verein, Trainer und Mannschaft.“. Der 27-Jährige bestätigt zwar die gute zwischenmenschliche Bande zum Coach, spürte aber auch eine „gewisse Distanz“, wodurch Tochtermann „uns nicht mehr vollständig erreicht“ habe. Hier setzt auch Forster an. „Es gab wohl verschiedene Meinungen und demnach Meinungsverschiedenheiten“, so der 76-Jährige kryptisch. Gespräche mit Teilen der Mannschaft am Montag hätten zu einem Ergebnis geführt, das „ich persönlich sehr bedauere“. Der Funktionär versichert, dass es vonseiten der Sparte keinerlei Intention zur Trennung gab: „Aber scheinbar war die Nähe zwischen Mannschaft und Trainer nicht mehr so, wie man sie braucht, um erfolgreich zu sein.“

Tochtermann, dessen Assistent Leo Fleischer übergangsweise bis zur Winterpause übernimmt, sieht das anders. Er wirft der Abteilungsleitung „fehlende Geduld“ vor. Es gebe aus seiner Sicht keinerlei Probleme, weil das Konzept auf zwei Spielzeiten ausgelegt und der eine oder andere Rückschlag eingeplant war. Er habe sich nichts vorzuwerfen, vielmehr versucht, trotz der schwierigen Bedingungen „durch Trainingsmethodik Struktur reinzubringen“. Doch sei das Umsetzen einer Spielphilosophie ob der vielen Absenzen kaum möglich gewesen. Auch die Trainingsbeteiligung sei dürftig gewesen. Er sei von einigen Kickern „brutal enttäuscht“. Diesen fehle der „letzte Biss“ und der „sportliche Charakter“.

Laut Kapitän Schubnell stehen an der Kräuterstraße schwere Zeiten an: „Wir sind zusammen gescheitert, müssen jetzt zusammen den Karren aus dem Dreck ziehen.“

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