Neue Spielform für die Fußballer im Kreis Zugspitze ab kommender Saison – hier Wackersberg gegen Lenggries II.
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Neue Spielform für die Fußballer im Kreis Zugspitze ab kommender Saison – hier Wackersberg gegen Lenggries II. 

Auf- und Abstiegsrunden nach der Winterpause

Reform des Spielsystems im Kreis Zugspitze? „Ersten Reaktionen fast alle positiv“

  • vonRudi Stallein
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„Alte Zöpfe abschneiden“ möchten die Spielleiter des Fußballkreises Zugspitze im unteren Amateurbereich:

Bad Tölz-WolfratshausenVon der Kreisliga abwärts soll das bisherige Spielmodell mit Hin- und Rückspielen über eine gesamte Spielzeit ab der Saison 2021/22 ad acta gelegt und durch ein „spannendes Modell“ ersetzt werden. Dieses wurde den Vereinen am vergangenen Freitag in einem Webinar vorgestellt.

Kurz zusammengefasst sieht das neue Spielsystem so aus: Die bisherigen Spielgruppen werden halbiert, vom Sommer bis zur Winterpause tragen die Klubs Hin- und Rückspiele aus, im Frühjahr wird die zweite Saisonhälfte mit einer Aufstiegsrunde und einer Abstiegsrunde fortgesetzt. Im Anschluss stehen Relegationsspiele entweder mit Hin- und Rückspiel oder als Play-off- beziehungsweise Play-down-Spiele im Modus „best of three“ im Spielplan.

„Wir wollten mal was Neues machen“, erklärt Heinz Eckl, Zuspitz-Kreisvorsitzender des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV), der das Modell vorstellte. 251 Vereinsvertreter wohnten der Online-Präsentation bei. Außerdem gebe es „mehr Spannung vor der Winterpause und neue Spannung nach der Winterpause“, meint Eckl.

Alle Spiele müssen bis Ende November gespielt werden - Verschiebungen nicht mehr möglich

Weitere Vorteile seien unter anderem: zwei Regelspieltage weniger, keine langfristig verzerrten Tabellen, leistungsorientiertere Neueinteilungen in der zweiten Saisonhälfte, mehr Derbys in kürzerer Zeit durch eine regionalere Einteilung in Saisonhälfte eins. „Die ersten Reaktionen waren fast alle positiv“, hat Eckl festgestellt. „Die Fragen, die gestellt worden sind, waren sachlich.“

Ein Problem des neuen Systems: Alle Spiele der ersten Saisonhälfte müssen bis Mitte November gespielt werden. Verschiebungen ins Frühjahr sind nicht mehr möglich. „Es wäre mehr Zug drin, auch mehr Disziplin“, hofft Eckl. Andernfalls, „wenn’s Schweinswürste regnet und wirklich gar nichts geht“, sagt Eckl lachend, würden entscheidende Tabellenplätze über eine festgeschriebene Quotientenregelung ermittelt.

Das nun vorgestellte Spielmodell ist nicht, wie mancher vermuten könnte, aus Langeweile während des Lockdowns entstanden. „Das Modell lag schon im Februar 2020 in der Schublade“, versichert Eckl, „aber dann kam Corona.“ Bevor sie damit nun an die Öffentlichkeit gingen, hatten die Spielleiter ihre Idee bereits mit 24 Vereinsvertretern in drei Online-Sitzungen diskutiert und in Nuancen verfeinert. Am Ende wurde testweise abgestimmt: 18 der 24 Mitgestalter sprachen sich für das neue Modell aus.

SV Ascholing eher gegen Reform

Zu ihnen gehört Hans Makrutzki nicht. „Ich bin ein Fan der klassischen Variante und eher gegen das neue System“, sagt der Fußball-Abteilungsleiter des SV Ascholding. „Für die Fans wird es immer schwieriger, weil sie sich immer wieder an neue Tabellen gewöhnen müssen, während die höheren Ligen alle im normalen Modus weiterspielen“, gibt Makrutzki zu bedenken. Christian Feirer vom FSV Höhenrain, der ebenfalls ins Fein-Tuning eingebunden war, befürwortet das neue Modell. „Ich finde es spannend. Man wird sicher noch einige Stellschrauben nachziehen müssen. Aber ich denke, einen Versuch ist es wert“, sagt der FSV-Vorsitzende, betont aber auch: „Das heißt nicht, dass der Verein auch dafür stimmt.“

Bis Montag, 19. April, können die Fußballvereine nun darüber abstimmen, ob sie die neue Spielform wollen oder nicht. Eine Zweidrittel-Mehrheit ist nötig, um das Ganze in die Tat umzusetzen. Bei einem „Ja“ ist zunächst eine „Projektphase“ von zwei oder drei Jahren geplant. Danach könne erneut abgestimmt werden, „ob das Modell dauerhaft eingeführt wird, oder ob es zurückgeht ins alte System“, stellt Heinz Eckl klar. 

Die neue Spielform am Beispiel der Kreisklasse 

Statt bisher in vier Ligen verteilen sich die insgesamt 57 Teams (so viele sind in der Saison 2019/20 in der Kreisklasse am Start) in der ersten Saisonhälfte auf acht Spielgruppen, eine mit acht, sieben mit jeweils sieben Teams. Von Anfang August bis Anfang November stehen 14 Spieltage mit Hin- und Rückspiel auf dem Programm. Die Plätze 1 bis 3 (insgesamt 24 Mannschaften) starten im Frühjahr in die Aufstiegsrunde, die in vier Gruppen mitje sechs Teams ausgespielt wird – von Ende März bis Ende Mai. Die vier Erstplatzierten steigen in die Kreisliga auf. Die Zweitplatzierten treten in der Relegation gegen vier Kreisligisten an. Die verbleibenden 33 Teams kämpfen in der Abstiegsrunde in sechs Gruppen (drei mit sechs, drei mit fünf Vereinen) um den Klassenerhalt. Die sechs Tabellenletzten steigen direkt ab. Die sechs Vorletzten gehen in die Relegation gegen die sechs Tabellenzweiten der A-Klassen-Aufstiegsrunde. Als zusätzlichen Anreiz gibt es am Ende der SommerHerbst-Runde pro Tabellenplatz Bonuspunkte, die jedes Team ins Frühjahr mitnimmt.

(Rudi Stallein)

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