Von Jagemann spielt seit der Saison 07/08 für den SV Ascholding/Thanning
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„Wir haben zusammen eine super Zeit“: Der Ascholdinger Fußballer Philip von Jagemann (Mitte) bleibt seinem Verein seit Jahren treu und möchte noch ein großes Ziel verwirklichen.

Von Jagemann spielt seit der Saison 07/08 für den SV Ascholding/Thanning

Philip von Jagemann: „Der Verein ist ein genialer Lebensabschnitt“

  • vonRudi Stallein
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Philip von Jagemann spielt schon seit den Junioren beim SV Ascholding. Als er in der Saison 2007/08 bei den Herren Debütierte spielte er noch Libero. 

In der Fußball-Bundesliga jagte vor Corona ein Rekord-Transfer den nächsten. Manche Spieler beenden kaum eine Saison beim selben Club. Auch in der Region üben die höherklassigen Vereine auf gute Kicker einen Reiz aus, locken manche Vereine Wandervögel mit lukrativen Angeboten. Es gibt aber auch diejenigen, die den Versuchungen des Geldes und des Erfolgs auf Dauer widerstehen, ihrem Verein ihre ganze Karriere lang treu bleiben. Wir stellen in einer Serie einige dieser „treuen Seelen“ vor und versuchen zu ergründen, was für sie den Reiz ihres Heimatclubs ausmacht.

Thanning – An seine ersten Einsätze im Erwachsenen-Fußball erinnert sich Philip von Jagemann nur vage. Was er aber sicher weiß: Damals wurde noch mit Libero gespielt. Der „freie Mann“ hinter der Abwehrreihe war seine Position bei den Junioren, als er mit 18 Jahren in der ersten Mannschaft des SV Ascholding/Thanning debütierte. Das war 2007/08. Wenig später, er hatte gerade das Abitur in der Tasche, lockte ein höherklassiger Verein. Fast wäre es Trainer-Legende Hans Rest gelungen, den jungen Thanninger zum SV Bad Tölz zu lotsen. Der spielte damals in der Bezirksliga; Abi-Kollege Kilian Weiß (später kurzzeitig beim TuS Geretsried) hatte den Kontakt hergestellt. „Dort zu spielen hätte ich mir vorstellen können, da hat vieles gepasst“, sagt von Jagemann rückblickend. Nach ein paar Probetrainings hatte er bereits unterschrieben. Aber dann legte sein Stammverein ein Veto ein, machte dem jungen Mann klar: „Wir brauchen dich hier!“

„Ich wollte einen Wechsel ohne Geräusche, ohne Freigabe vom Verein ging das nicht“

Damit hatte sich das Thema erledigt. „Ich wollte einen Wechsel ohne Geräusche, aber ohne Freigabe vom Verein ging das nicht.“ Zwei, drei Jahre hätte er sich in Bad Tölz vorstellen können. Dabei macht er nicht den Eindruck, als ob er nachhaltig bedauere, dass es nicht geklappt hat. „Letztlich war es eine super Geschichte“, sagt von Jagemann, der vor allem an die Zeit unter Trainer Michael Stich gerne zurückdenkt. Der Niederbayer übernahm den Trainerjob beim SV im Sommer 2009. Nach einem stabilen Mittelfeldplatz im ersten Jahr schnupperte man 2010/11 am Aufstieg in die Kreisklasse. „Er hat die Truppe zusammengehalten und uns ein perfektes Spielsystem verpasst.“ Nach Tabellenplatz zwei zur Winterpause verpasste der SV am Ende als Dritter das Ziel nur knapp.

„Mehr als lose Gespräche hat es nie gegeben“

Seit jener Saison führt sein Klub eine Spielerstatistik. Die Daten unterstreichen den Stellenwert des Spielers, der seit Jahren die Nummer zehn trägt. „Für die Viererkette war ich zu langsam“, erklärt von Jagemann die „Umschulung“ vom letzten Mann zum Mittelfeldstrategen. Mit 223 Einsätzen bis Ende der vorigen Saison führt er die Statistik an. Oft gefehlt hat er nicht: Insgesamt 19 865 Minuten stand er auf dem Platz, im Schnitt 89 Minuten pro Spiel. Dabei gab er 119 Torvorlagen, 114 Mal traf er selbst. Deshalb verwundert es nicht, dass gelegentlich andere Vereine an ihn herantraten. „Mehr als lose Gespräche hat es nie gegeben.“

„Der Verein ist ein genialer Lebensabschnitt“

Es hat ihn aber auch nie wirklich weggezogen. „Meine ganzen Spezln spielten in Ascholding. Wir haben zusammen eine super Zeit. Wenn ich die Spieler sehe, mit denen ich hier zusammengespielt habe: Das finde ich cool“, erklärt von Jagemann, der als Referent bei einer Münchner Stiftung tätig ist und als Coach die U 12 des FC Deisenhofen sowie den Nachwuchs am DFB-Stützpunkt in Wolfratshausen trainiert. „Der Verein ist ein genialer Lebensabschnitt, früher oder später hat man Familie, irgendwann machen die Knochen nicht mehr mit.“

„Der Aufstieg wäre für uns eine Sensation“

Bis es so weit ist, soll möglichst noch ein großes Ziel verwirklicht werden: der Aufstieg in die Kreisklasse. So hoch spielte Ascholding zuletzt 1995, weiß von Jagemann. Heuer, 25 Jahre später, könnte es wieder gelingen. Nach zwei dritten Plätzen in den vergangenen Spielzeiten, führt der SV derzeit die Liga an. Zwar ist deren Ende wegen der Corona-Krise ungewiss, aber sollte irgendwann weiter gespielt werden, will man Platz eins verteidigen. „Alles andere wäre ja kompletter Käse“, sagt von Jagemann. „Der Aufstieg wäre für uns eine Sensation. Wenn das gelingt, nehmen wir definitiv eine Woche Urlaub.“

Und wenn der sportliche Erfolg ihn womöglich doch noch mal bei dem einen oder anderen Klub ins Blickfeld rücken würde? Daran mag er keine großen Gedanken verschwenden. „Ich bin da ganz entspannt“, sagt er. „Wenn die Löwen anrufen würden, dann würde ich mich vielleicht ausleihen lassen.“

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