Einst in der südbadischen Auswahl und im Nachwuchs des SC Freiburg am Ball, jetzt auf Erfolgskurs mit dem BCF Wolfratshausen: Ralf Schubnell (li.) hat nicht nur als neuer Kapitän eine wichtige Rolle im Farcheter Team.
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Einst in der südbadischen Auswahl und im Nachwuchs des SC Freiburg am Ball, jetzt auf Erfolgskurs mit dem BCF Wolfratshausen: Ralf Schubnell (li.) hat nicht nur als neuer Kapitän eine wichtige Rolle im Farcheter Team.

Kapitän des BCF Ralf Schubnell im Interview

Ralf Schubnell ist stolz neuer Kapitän des BCF Wolfratshausen zu sein

Der neu-gewählte Kapitän des BCF Wolfratshausen erzählt im Interview mit Oliver Rabuser, was für eine Ehre es ist, der neue Spielführer seines Teams zu sein.

Wolfratshausen – So schnell kann’s gehen. Vor eineinhalb Jahren war Ralf Schubnell Student und Außenbahnspieler. Inzwischen ist er zur Führungskraft gereift, im Job und beim Fußball gleichermaßen: Als Bauleiter verdingt sich der 25-Jährige in einem Münchner Architekturbüro, den BCF Wolfratshausen führt Schubnell seit dem Re-Start als Kapitän an. Im Interview mit BCF-Reporter Oliver Rabuser schildert der Badener seinen Werdegang und die Pläne, die er mit dem Bezirksligisten hat.

Herr Schubnell, wie ging es bei Ihnen los mit dem Fußball?

Ich habe so mit sechs oder sieben Jahren bei mir zuhause in Neustadt in Südbaden angefangen. In der D-Jugend habe ich es in die Bezirksauswahl geschafft, ein Jahr später klopfte der SC Freiburg an. Dort spielte ich bis zur U15, dann wurde ich rausgeworfen.

Klingt dramatisch ...

Schuld waren meine körperlichen Defizite. Ich kam relativ spät in die Pubertät und war einfach zu klein für einen Profiklub. Ich bin daraufhin zurück nach Neustadt, wo ich bereits als A-Jugendlicher im Herren-Landesligateam spielte. Dazwischen kickte ich immer wieder mal für die Südbaden-Auswahl. Nach zwei Jahren haben wir mit Neustadt den Aufstieg in die Verbandsliga geschafft. 2017 kam ich des Studiums wegen nach München. Da habe ich beim FC Schwabing mittrainiert, wo mein Bruder spielte. Zusammen mit dem damaligen Trainer bin ich dann zum ASV Dachau.

Wo nach einem Jahr wieder Schluss war?

Ich habe mich dort nicht 100-prozentig wohlgefühlt. Das ist ein eingeschworener Haufen, wo du dich als Auswärtiger einfach irgendwie schwertust.

Nun sind Sie in Farchet gelandet. Was treibt einen Fußballer mit Ihrem Potenzial an, zu einem Doppelabsteiger zu wechseln?

Ich wusste schon, was mich erwartet. Schon beim Probetraining habe ich gemerkt, dass hier nicht alles stimmt. Es hat aber auch seinen Reiz, einer zerrütteten Mannschaft wieder aufzuhelfen. Ich bin hier auf ein paar coole Charaktere wie Jona Lehr, Timon Hummel oder Mitch Rödl getroffen. Es ist jetzt unser aller Aufgabe, wieder ein Team zu formen.

Wie haben Sie die Entwicklung von einem mittelmäßigen Bezirksligisten zum aktuellen Seriensieger erlebt?

Ich bin ja erst seit September vergangenen Jahres da, brauchte nach dem Studium eine Auszeit. Potenzial hatte die Mannschaft schon immer. Es fehlte aber an Konstanz. Wir haben fast jede Woche mit einer anderen Aufstellung gespielt. Inzwischen sind wir im Zentrum stabil. Ich persönlich bin eigentlich besser als Außenspieler. Aber ich fühle mich im Zentrum für die Mannschaft unheimlich wichtig.

Jetzt läuft es plötzlich wie am berühmten Schnürchen ...

Wir haben eine lange und intensive Vorbereitung hinter uns. Ich hatte in allen drei Bezirksliga-Partien jetzt das Gefühl, wir könnten hinten raus noch zulegen. Das war früher nicht der Fall. Man darf diese Spiele aber nicht überbewerten.

BCF-Kapitän will von Spiel zu Spiel denken

Darf man sich als Mannschaft der Stunde nicht auch mal hehre Ziele setzen?

Doch, schon. Bisher haben wir immer von Spiel zu Spiel gedacht. Es ging einzig darum, dem Abstieg zu entrinnen. Das ist auch immer noch so, da der Weg nach unten kürzer ist, als der zur Spitze. Aber am Samstag hat der Mitch plötzlich dieses Plakat in der Kabine aufgehängt.

Ein Plakat? Mit welchem Inhalt?

Es stehen die fünf Gegner der Herbstrunde drauf. Hinter zweien war bereits ein Häkchen. Am Samstag kam ein weiteres hinzu. Jetzt sollen auch die letzten beiden Spiele mit positiven Ergebnissen absolviert werden.

Mitch Rödl hatte den BCF nach zwei Abstiegen übernommen. Wie würden Sie Ihren Spielertrainer charakterisieren, wie bewältigt er diese Aufgabe?

Also ich komme brutal gut mit ihm zurecht. Er ist ein Trainer, der viel und gerne kommuniziert. Keiner, der sich nicht in seine Meinung reinreden lässt. Bei Mitch ist alles auf Augenhöhe. Seine kommunikative Art kommt gut an. Man merkt auch, dass er noch Spieler ist. Da ist in der Kabine immer mal ein Späßchen drin.

Rödl und Lehr sehen den BCF als Projekt, das mittelfristig zumindest wieder eine Spielklasse höher rücken soll. Sind Sie ein Typ, der diesen Weg mitgehen möchte?

Sonst wäre ich nicht hierher gekommen. Natürlich kommt es drauf an, wie es bei mir beruflich weitergeht. Aber ich würde mich sicher nicht so reinhauen, wenn ich von der Perspektive nicht überzeugt wäre.

Ralf Schubnell: Kapitänsamt als große Ehre für ihn

Sie laufen nach dem Neustart plötzlich als Kapitän auf. Bislang trug Musti Kantar die Binde. Wie kam es?

Musti hat das Amt niedergelegt, weil es mit Aufwand außerhalb des Platzes verbunden ist. Er ist beruflich und privat ziemlich eingespannt. Es wurde dann intern neu gewählt, und zu meiner Überraschung wurde ich berufen. Ich selbst habe Timon Hummel gewählt, weil er schon viel länger beim BCF spielt als ich. Aber das Ergebnis ist eine große Ehre für mich; es erfüllt mich mit Stolz.

Sie sprachen die Aufgaben eines Kapitäns an. Was wird da auf Sie zukommen?

Inzwischen bleiben einige Spieler wieder gerne auf ein Getränk sitzen. Manche hauen aber immer noch sofort ab. Da sind wir Führungsspieler gefragt, um Geselligkeit zu vermitteln. Wenn wir das schaffen, kommt der sportliche Erfolg von alleine. Zudem möchte ich einigen Spielern etwas mehr Leidenschaft abverlangen.

Sie und ihr Bruder spielen auch gerne Futsal. Woher kommt diese Passion?

Ich war vor sechs Jahren in der südbadischen Futsal-Auswahl (Hallen-Fußball, d. Red.), habe auch beim Länderpokal in Duisburg gespielt. Irgendwann fragte mich Markus Mayer vom FC Deisenhofen, ob ich nicht Lust hätte, bei ihnen zu kicken. Daraufhin bin ich zu Deisenhofen gegangen. Dort fühle ich mich – wie beim BCF – sehr wohl.

(OLIVER RABUSER)

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