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Gelb zeigen allein reicht nicht mehr: Schiri-Obmann Thomas Sonnleitner hat einen Brandbrief verfasst.

Sonnleitner: „So kann es nicht weitergehen“

Schiedsrichter-Obmann kritisiert in Brandbrief Gewalt gegen Unparteiische

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Erst drei Wochen ist die Fußball-Rückrunde in den unteren Klassen alt, und schon gibt es Ärger auf den Fußballplätzen.

Nach einem Spiel zwischen Olympic Geretsried und FF Geretsried wurde der Schiedsrichter von einem Zuschauer der Fußballfreunde Geretsried, der selbst in der Zweiten Mannschaft aktiv ist, angespuckt. Bei einem Futsalspiel zwischen dem FC Penzberg und der BSK Allgäu attackierte ein Spielervater auf dem Spielfeld Schiedsrichter, Spieler des Gegners und Betreuer. In Bad Tölz kam es nach einer Partie zu einer Mannschaftsschlägerei mit 20 bis 25 Personen, die sogar einen Polizeieinsatz zur Folge hatte. Zudem wurde der Schiedsrichter nach einer A-Klassen-Begegnung durch den Vorsitzenden des FC Geretsried in einem Zeitungsbericht massiv kritisiert.

Für Schiedsrichter-Obmann Thomas Sonnleitner aus Waakirchen ist dies eine gefährliche Entwicklung. Er hat deshalb einen Brandbrief geschrieben, der per BFV-Mailpostfach allen Vereinen im Kreis zugestellt wurde. „Wollen wir wirklich so weitermachen?“, fragt er in die Runde und stellt fest: „Es ist halt immer einfacher, die Schuld anderen zu geben. Emotionen gehören zum Fußball, da stimme ich zu, und in der Hektik kann auch mal ein falsches Wort fallen – wir sind alle nur Menschen. Aber der Grat zwischen Emotion und Aggression wurde in den genannten Fällen deutlich überschritten.“

Er habe etliche zustimmende Mitteilungen von Vereinsvertretern erhalten, berichtet der Chef der Tölzer Schiedsrichtergruppe. Die Sportgerichtsverhandlungen laufen jeweils noch – es ist mit harten Strafen zu rechen. Doch es stellt sich die Frage: Wieso häufen sich diese Vorfälle immer mehr? Wieso treten diese fast ausschließlich in den Städten und bei meist fremdländisch geprägten Mannschaften auf?

„Viel hängt dabei vom Verhalten und Auftreten der Vereinsverantwortlichen und dem Trainer ab, die sich oftmals ihrer Vorbildfunktion gegenüber Spielern und Zuschauern nicht bewusst sind“, stellt Sonnleitner fest. „Dass es auch anders gehen kann, zeigt das Beispiel Olympic Geretsried. Inzwischen hat der Verein drei eigene Schiedsrichter, und die Disziplin und Wertschätzung gegenüber Schiedsrichtern ist dadurch merkbar gestiegen.“

Generell verweist er auf die Fair-Play-Tabelle, in der die Vereine Strafpunkte für gelbe und rote Karten sowie Sportgerichtsurteile bekommen. „Die Fair-Play-Tabelle lügt nicht. Wenn man dort weit hinten steht, sollte man sich vielleicht überlegen, warum das so ist und etwas selbstkritisch sein“, sagt Sonnleitner. Sicherlich gebe es Schiedsrichter, die mehr Karten geben, „aber das gleicht sich über die Saison sicher aus“. Sollte eine hohe Kartenanzahl aber aus Disziplinlosigkeiten resultieren, besteht aus Sicht des Schiedsrichter-Obmanns Handlungsbedarf für die Vereinsführung.

Das Verhältnis zwischen Vereinen und Schiedsrichtern sei meist gut, aber die jüngsten Vorkommnisse hätten gezeigt, dass Wertschätzung und Verständnis gegenüber Schiedsrichtern, aber auch bei den Spielern, Trainern und Zuschauern untereinander weiter intensiviert werden müsse. So seien Regelschulungen und Runde Tische geplant. So soll wieder Ruhe einkehren auf den Fußballplätzen der Region.

„Wir wollen zur neuen Saison auch die Trainer einladen, mit uns zu sprechen“, sagt Sonnleitner. Ziel sei mehr Transparenz bei der Regelauslegung. Und sollte es Probleme zwischen einem Schiedsrichter und einem Verein geben, „dann kann mich der Verein gerne kontaktieren. Wir werden eine Lösung finden.“ Denn es soll kein Team mit einem mulmigen Gefühl zu Auswärtsspielen fahren.

Gewalt gegen Schiedsrichter im Amateurfußball ist aktuell in enormes Problem. Auch Willi Döder erlebte eine solche Attacke. Dennoch steht er weiter auf dem Platz.

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