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Die Brüder sprechen über ihre Karriere

Sebastian/Manuel Kluge: „Mama war beim FC Bayern, der Papa beim BCF“

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Sebastian und Manuel Kluge sind Brüder und haben in ihrer Karriere so einiges erlebt. Egal ob gemeinsam oder getrennt, Fußball war immer ein großer Teil ihres Lebens.

VON RUDI STALLEIN

Wolfratshausen – Es gibt viele Gründe, warum Buben oder Mädchen anfangen, Fußball zu spielen. Sebastian Kluge (heute 38) und sein knapp zwei Jahre jüngerer Bruder Manuel hatten es wohl einfach in den Genen. Jedenfalls waren die „fußballverrückten Eltern“ nicht schuldlos daran, dass ihre Söhne früh Gefallen am Ballsport beim Ball-Club Farchet fanden. „Die haben ja alle Fußball gespielt damals – die Mama, der Papa, Onkel Norbert, die ganze Familie“, erinnert sich Sebastian.

Der Papa spielte beim BCF, die Mama beim FC Bayern

Papa Manfred verteidigte 20 Jahre beim BCF Wolfratshausen. Mama Hilde spielte Anfang der 1970er-Jahre bei den Frauen des TSV 1860 München, bevor sie sich im Winter 1973 dem FC Bayern anschloss. Mit dem holte sie 1976 die erste Deutsche Meisterschaft nach München. 1981 war Schluss beim FCB, weil das erste Kind unterwegs war. „Da war ja klar, dass wir auch irgendwie dazu kommen“, sagt Sebastian. Zumal der Papa auch noch ihr Trainer war, als sie bei den F- und E-Junioren über den Platz am Isar-Loisach-Kanal tobten.

Ab der D-Jugend trennten sich die Wege der Brüder

Ab den D-Junioren trennten sich die Wege, und es dauerte etliche Jahre, bis sie gemeinsam für den BCF aufliefen. Der Altersunterschied und die damaligen Regularien des Bayerischen Fußball-Verbands verhinderten zunächst, dass die Brüder in einer Mannschaft spielten. Den älteren zog es nach einem Gastspiel bei den D-Junioren des TSV Wolfratshausen, weil es zu der Zeit in Farchet keine gab, zum TSV 1860 München. Die Löwen verließ Sebastian in der B-Jugend in Richtung FC Starnberg, damals das Aushängeschild im Jugendfußball in der Region. Manuel ließ den Umweg nach München aus und wechselte in der C-Jugend gleich nach Starnberg. „Da haben wir das erste Mal richtig zusammengespielt“, erinnert sich Manuel. Als B-Junior hatte er, inzwischen auf die Torwartposition gewechselt („ich wollte halt nicht mehr laufen“), bei den A-Junioren trainieren dürfen, wenn die mal keinen Keeper hatten.

Frust und Freude lagen damals für die Brüder nah beieinander. So stieg Sebastian in seinem letzten A-Jugend-Jahr aus der Bayernliga ab. „Und wir sind danach gleich wieder aufgestiegen“, erinnert sich Nachrücker Manuel an den größten sportlichen Erfolg seiner Karriere.

Zweimal Bayernliga: Erst in Starnberg, dann beim BCF

Wenig später endete für beide ihre Starnberger Zeit. Sebastian, inzwischen 21, wechselte zum BCF Wolfratshausen, der damals im Sommer 2004 unter Trainer Andi Brunner zum ersten Mal in die Bayernliga aufgestiegen war. Im selben Jahr schloss Manuel sich dem TuS Geretsried an. Der ältere Bruder hatte in Farchet „meinen Hafen“ gefunden, für den kleinen Bruder begann ein Wechselspiel zwischen den damaligen Top-Klubs im Landkreis. Mit dem TuS stieg er in die Bezirksliga auf, ging dann ebenfalls ein Engagement beim BCF ein, drei Jahre später stand er wieder beim TuS zwischen den Pfosten. Dieses Mal in der zweiten Mannschaft, mit der er den Aufstieg in die Kreisliga feierte. Noch einmal kehrte er zurück zu seinem Stammverein. Nunmehr „bis zum bitteren Ende“, wie er den endgültigen Abschied aus Farchet im Sommer 2016 nach dem Rauswurf von Trainer Patrik Peltram beschreibt, der einige spektakuläre Rücktritte zur Folge hatte. Während Sebastian eine fixe Größe auf der Außenbahn war, hatte der kleine Bruder beim BCF im Kampf um die Nummer 1 meist starke Konkurrenz: Franz Demmel, Günter Wernthaler, Stefan Schwinghammer, zuletzt Kevin Pradl. Als der sich in der Saison 2014/15 einen Finger gebrochen hatte, begann für die „Nummer 2“ die Zeit, die Manuel Kluge im Rückblick als sein „persönliches Highlight“ bezeichnet. 13 Spiele in Folge bestritt er damals für den Bayernligisten, darunter fielen ein 1:0-Sieg beim SV Pullach („die waren damals quasi unschlagbar“) und ein 3:2 beim FC Pipinsried, dem man damit den Regionalliga-Aufstieg versaut hatte.

Sebastian beendet seine Karriere mit 28 Jahren

Bruder Sebastian erlebte diese Zeit bereits nur noch als gelegentlicher Zuschauer. Nach sieben Jahren in Wolfratshausen hängte er die Fußballschuhe im Alter von erst 28 Jahren an den Nagel. „Das hatte in erster Linie berufliche Gründe“, erläutert der Abteilungsleiter eines Entwicklungsbüros in München. „Als Student war alles toll und machbar. Aber als ich angefangen habe, in München zu arbeiten, war es stressig. Vier oder fünf Mal in der Woche Training und Spiel, das war mir zu anstrengend“, erzählt Sebastian.

Gab es während der gemeinsamen Zeit manchmal besondere Rivalität zwischen den Brüdern? „Rivalität würde ich nicht sagen“, sagt Manuel, der als Wasserwart der Gemeinde Straßlach-Dingharting arbeitet. „Aber es ist schon etwas anderes, wenn im Training ein beliebiger Mitspieler etwas zu dir sagt – oder dein Bruder. Das nimmt man anders wahr. Da kann es schon sein, dass es das eine oder andere Wortgefecht gegeben hat.“ Sebastian ergänzt: „Aber das ist nach dem Training schnell vorbei.“

Die beiden Brüder erinnern sich gerne an die gemeinsame Zeit auf dem Platz zurück

Das gilt auch für den einen oder anderen besonderen Moment, über den die zwei gut miteinander scherzen können. Zum Beispiel ein Vorfall bei einem Nachholspiel beim SB Rosenheim. „Wir lagen 5:3 vorne, dann kriegt der Manu aus 45 Metern einen Freistoß rein“, erinnert sich Sebastian lachend an den Aussetzer seines Bruders. Der Torhüter nimmt’s gelassen: „Das waren schlechte Lichtverhältnisse, Regen, kalt, einfach saubeschissen.“ Sebastian sagt: „Da wurde es halt hitzig. Dann schreit man sich auch mal an.“ Bald darauf ertönte der Schlusspfiff – 5:4 gewonnen, alles gut.

Wo sie einmal dabei sind, spezielle Momente Revue passieren lassen, packt der große Bruder eine weitere Story zum Schmunzeln aus. Aus einem Match gegen Sonthofen. „Jetzt bist Du ja nicht der Riese“, foppt Sebastian seinen Bruder. Doch dann kommt nicht – wie man hätte erwarten können – ein weiterer Blackout. Im Gegenteil: Spielstand 2:0 für den BCF, der kurz vor Schluss eine Ecke gegen sich erwartet. Im Fünfer postiert sich Karl Murböck, dieser Zwei-Meter-Hüne aus dem Isarwinkel. „Der steigt zum Kopfball hoch und Du bist auch hochgestiegen und hast dem Karl den Ball vom Kopf genommen – da sind alle mit offenem Mund dagestanden“, erzählt Sebastian. „Ja, das waren zwei Begegnungen, die hängen geblieben sind“, findet auch Manuel und grinst übers ganze Gesicht.

Dann fällt ihm auch eine kuriose Geschichte ein. „Bei einem Testspiel in Deggendorf hat der Basti den Ball aus 16 Metern volley in den Winkel gedroschen. Das haben wir Spieler alle gefeiert anschließend – und sind dafür vom Trainer ordentlich zusammengeschissen worden“, erinnert sich Manuel. „Wir hatten das Spiel nämlich mit 1:5 verloren.“ Beide lachen.

„Zusammengehörigkeit ist das Wichtigste beim Fußball“

Beim Plaudern mit den Zweien hört man schnell raus, was ihnen der Sport bedeutet hat. „Für mich hat Fußball die größte Rolle in meinem Leben gespielt. Drei Mal Training, und die Wochenenden bestanden quasi nur aus Fußball. Ich bin nicht in Urlaub gefahren, wenn Saisonvorbereitung war“, gesteht Sebastian. Sein Bruder steckt noch mitten drin. „Für mich spielt Fußball immer noch eine große Rolle“, sagt Manuel, der derzeit seinen Spielerpass bei der DJK Waldram hat. Als deren Torhüter sich der Reihe nach schwer verletzten und er gefragt wurde, sagte er spontan zu. „Das ist ein reiner Freundschaftsdienst“, sagt der fußballverrückte Keeper. Schließlich kicken bei der DJK eine ganze Reihe langjähriger Fußball-Kumpel.

„Der Teamgedanke war mir immer sehr wichtig. Die Zusammengehörigkeit als Mannschaft – egal, ob Trainer, Spieler, Funktionär“, erzählt Manuel und erklärt, warum es ihm so schwerfällt aufzuhören: „Weil man bei all den Vereinen in Starnberg, beim TuS oder BCF miterlebt hat, wie geil das ist.“ Inzwischen stehen die Brüder gelegentlich wieder zusammen auf dem Fußballplatz, nämlich in der Alt-Herren-Mannschaft des TuS Geretsried. Die Idee dazu hatte ihr ehemaliger Team- und Trainerkollege Dirk Habian. „Da habe ich nach sieben Jahren Pause, dann auch wieder angefangen“, erzählt Sebastian. „Das ist eine coole Truppe, und jetzt noch ein bisschen mit Manu in der AH kicken, macht viel Spaß.“

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