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Kühles Wiedersehen nach dem Wechsel: Srdjan Ivkovic (r.) mit seinem ehemaligen Coach Christoph Saller (l.).

Torjäger des TuS Geretsried im Interview

Ivkovic: „Zu Saller habe ich kein Verhältnis mehr“

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Torjäger Srdjan Ivkovic spricht im 2. Teil ausführlich über die Gründe für den Wechsel nach Geretsried und den Bruch mit GAP-Trainer Saller. Außerdem verspricht er den Aufstieg.

  • Im zweiten Teil des Interviews spricht Srdjan Ivkovic über die Gründe seines Abgangs vom 1. FC Garmisch-Partenkirchen und den Bruch mit Trainer Christoph Saller
  • Der Torjäger verspricht den Fans des TuS Geretsried den Aufstieg in die Bayernliga
  • Ein Wechsel Ivkovics in die Regionalliga scheiterte an den Finanzen. 

Im Jahr 2015 verstärkte sich der 1. FC Garmisch-Partenkirchen mit Srdjan Ivkovic. In Serbien spielte der 27-Jährige als Profi in der zweiten Liga. Nach einigen Enttäuschungen und leeren Versprechungen machte er sich mit einem One-Way-Busticket auf den Weg nach Deutschland, wechselte in die Kreisliga und erzielte Tore am Fließband für den heutigen Landesligisten.

Ivkovic nennt Gründe für Wechsel vom 1. FC Garmisch-Partenkirchen zum TuS Geretsried

Auch nach seinem Abgang zum TuS Geretsried wusste man wenig vom mehrfachen ERDINGER-Torjäger. Die Sprachbarriere war schwer zu knacken - bis jetzt! Unser Mitarbeiter Patrick Huljina konnte sich mit Ivkovic in dessen Muttersprache verständigen und nutzte die Möglichkeit für ein ausführliches Interview.

Ivkovic: „Zu  Saller habe ich kein Verhältnis mehr“

Beim 1. FC Garmisch-Partenkirchen seid ihr zweimal Meister geworden und aufgestiegen. Wie würdest du deine Zeit im Verein beschreiben?

Sehr schön, ich kann mich nicht beschweren. Die ersten zwei Jahre waren super. Man hat mich phänomenal aufgenommen. Die Jungs und der Vorstand sind hervorragend. Sie wussten, dass ich die Sprache nicht beherrsche und haben mich zum Training und zur Arbeit gefahren. Mir wurde sehr viel geholfen. Mit der Zeit haben sich einige Kleinigkeiten geändert. Ich war nicht mehr glücklich und habe eine Veränderung gebraucht.

Warum?

Als ich angefangen habe für Garmisch-Partenkirchen zu spielen, waren wir in der Kreisliga und etwa 70 bis 80 Prozent der Spieler Ausländer. Gute Spieler und gute Leute, die der Klub gebraucht hat. Der Trainer Christoph Saller hat dann eine Aussage getätigt, dass er künftig mehr auf deutsche Spieler setzen möchte. Das hat mich sehr genervt. Viele Spieler, mit denen ich sehr gut ausgekommen bin, blieben auf der Bank und schlechtere, deutsche Spieler wurden eingesetzt. Ich mag keine Ungerechtigkeiten. Wenn jemand besser ist, dann sollte derjenige spielen. Diese Jungs haben sich zwei Jahre lang für den Klub eingesetzt und wurden dann, als es Richtung Landesliga ging, auf die Seite gestellt. Neue, deutsche Spieler kamen dazu, die auch gut waren, keine Frage, aber mir hat es nicht gefallen, dass man den anderen keine Chance mehr gegeben hat. Ich denke, wenn ich nicht so viele Tore geschossen hätte, wäre mir vermutlich dasselbe passiert.

Wie ging es dann weiter?

Daraufhin habe ich dem Verein mitgeteilt, dass ich das so nicht aushalten kann und mich für alles bedankt. Bis heute habe ich noch Kontakt zu einigen Leuten, die damals im Vorstand aktiv waren und die mir immer noch helfen, wenn ich sie brauche. Zum Trainer habe ich hingegen kein Verhältnis mehr. Ob ich daran schuld bin, oder er, sei dahingestellt. Das Prinzip, nach dem er vorgegangen ist, hat mir nicht gefallen. Solche Leute mag ich einfach nicht. Vielleicht ist das hart, aber ich bin ehrlich.

Ibro Filan lockt Ivkovic zum TuS Geretsried

Danach bist du trotz Aufstieg zum TuS Geretsried gewechselt. Wie kam es dazu?

Meine Zeit beim 1. FC Garmisch-Partenkirchen war vorbei. Der Kontakt zum TuS Geretsried hat sich über Abteilungsleiter Ibro Filan entwickelt. Wir haben uns von Beginn an sehr gut verstanden. Ich habe meine Forderungen gestellt und wir sind uns einig geworden. Somit konnte unsere erfolgreiche Zusammenarbeit beginnen und ich hoffe, dass sie in Zukunft noch erfolgreicher sein wird.

Wie hast du dich in der neuen Mannschaft eingefunden?

So etwas habe ich bislang in keinem Verein erlebt. Die Leute haben mich mit sehr viel Respekt empfangen. Ich habe mich direkt gefühlt, als wäre ich schon seit fünf Jahren Teil des Klubs. Am Anfang musste ich mich an die Spielweise des Teams gewöhnen. Die Mannschaft ist sehr jung. Wir haben viele Spieler mit großer Qualität und viel Potenzial. Was mir besonders gefällt, ist der Respekt der jungen Spieler gegenüber den Älteren. Wenn ich merke, dass sie mich respektieren, dann gebe ich ihnen noch viel mehr Respekt zurück. So kommt eine sehr gute Atmosphäre im Verein zustande. Insgesamt bin ich bislang begeistert vom Verein, dem Vorstand, den Trainern und den Spielern. Wir haben sehr hohe Ambitionen.

Ivkovic: TuS Geretsried steigt in die Bayernliga auf

Ihr steht auf Platz vier, habt sechs Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Seid ihr zufrieden?

Ja, wir hatten große Ziele für die Rückrunde. In der ersten Saisonhälfte sind viele Leistungsträger verletzt ausgefallen. Einige junge Spieler mussten deren Rolle übernehmen und haben das gut gemacht. Für die Rückrunde wären wir komplett gewesen, zudem ist Arthur Kubica zurückgekehrt, einer der Anführer des Teams und ein außergewöhnlicher Spieler. Er macht uns deutlich stärker.

Welche Ziele habt ihr für den Rest der Spielzeit?

Vor der Pause haben wir uns vorgenommen, mindestens zehn der verbleibenden zwölf Spiele zu gewinnen. Wir wollten den Relegationsplatz angreifen. Jetzt muss man allerdings erstmal abwarten. Unser Ziel ist der Aufstieg in die Bayernliga. Ich bin mir sicher, dass wir dieses Ziel erreichen werden. Ich kann nicht versprechen, dass wir es in der restlichen Saison noch schaffen. Sollten der Kader und das Funktionsteam zusammenbleiben, garantiere ich, dass wir spätestens in der kommenden Spielzeit in die Bayernliga aufsteigen werden.

Regionalliga-Wechsel scheitert an finanziellen Forderungen

Du hattest sicherlich zahlreiche Angebote aus höheren Ligen. Hast du Ambitionen höherklassig zu spielen?

Es gab intensive Gespräche mit einem Regionalligisten, den Namen möchte ich nicht nennen. Mein Berater und ich haben uns mit dem Verein getroffen. Wir konnten uns nicht einigen. Ich habe meine klaren Bedingungen auf den Tisch gelegt, diese wollte mir der Verein nicht erfüllen. Das waren ähnliche Bedingungen, wie ich sie damals in der Kreisliga hatte. Ich war bereits 26 Jahre alt. Das ist nicht mehr das jüngste Alter, um einen Absprung in höhere Ligen zu schaffen. Deshalb habe ich das Angebot nicht angenommen und denke, dass es die richtige Entscheidung war.

Die Pause im Amateurfußball dauert mindestens bis zum 1. September. Wie ist deine Meinung zum BFV-Beschluss, die Saison fortzusetzen?

Wenn ich nicht verletzt wäre, würde ich verrückt werden. Ich würde die ganze Zeit nur darauf warten, dass es wieder losgeht. Doch durch die Verletzung kommt mir diese Pause gelegen. Ich kann mich in Ruhe operieren lassen und regenerieren und wenn es dann losgeht, will ich bereit sein. In allem Schlechten gibt es auch immer etwas Gutes.

An diesem Wochenende kehrt die Bundesliga zurück. Wie findest du das?

In den professionellen Ligen spielen verschiedene Faktoren eine große Rolle. Die Vereine haben hohe finanzielle Verluste, wenn nicht gespielt wird. Ich denke, sie müssen so schnell wie möglich wieder spielen. Der Amateurfußball muss sich da erstmal hinten anstellen.

Das Interview führte: Patrick Huljina

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