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Umweltsünder: Das zwischen den Halmen verborgene Granulat von Kunstrasen-Sportplätzen ist eine der Hauptursachen für das Mikroplastik in unserer Umwelt.

Umweltschädliches Mikroplastik soll bei neuem Kunstrasenplatz vermieden werden

Kicken auf Hanf ? - SV Ascholding mit umweltfreundlicher Alternative

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60 Jahre alt wird der SV Ascholding in diesem Jahr. Ein runder Geburtstag also und den möchte der Verein – im übertragenen Sinn – nicht im schmucklosen Ambiente einer Bahnhofswirtschaft feiern. Also putzt er seine Liegenschaften heraus.

Bis zu den Feierlichkeiten vom 7. bis zum 10. Juni restauriert der SVA das Vereinsgelände. Wo jetzt – zwischen Tennisplätzen und Vereinsheim eingebettet – die Stockbahn liegt, soll ein 30 mal 14 Meter großer Soccer-Five-Kunstrasenplatz entstehen, umsäumt von einer Bande und Flutlichtmasten. Eisstockschützen brauchen sich übrigens nicht zu grämen: Sie bekommen eine neue Spielstätte auf der alten Laufbahn neben dem Fußballplatz.

Fuß- und Volleyballer, Jung und Alt, Mädchen und Buben sowie der Schulsport dürfen den Kunstrasen nutzen, verspricht Hansi Makrutzki. „150 Jugend- und Herrenspieler wollen wir so an den Verein binden.“ Alle Teams, schwärmt der Fußball-Abteilungsleiter, hätten außerdem endlich eine „ganzjährige Outdoor-Trainingsmöglichkeit“ – ganz zu schweigen von der „Imagesteigerung für den Verein“.

Nun ist das mit dem Image so eine Sache. Gängige Kunstrasenplätze nämlich werden bislang mit einem Granulat aufgefüllt, das aus Altreifen recycelt wird. Dieses Granulat wiederum gilt als eine der Hauptquellen für jenes Mikroplastik, das unsere Böden und Gewässer verunreinigt. Experten des Fraunhofer-Institus sprechen allein in Deutschland von jährlich bis zu 11 000 Tonnen – siebenmal so viel wie durch Kosmetikartikel. Der Weltfußballverband FIFA schätzt, dass auf jedem Platz jedes Jahr ein bis vier Prozent dieser Kügelchen durch Wind und Niederschlag verloren gehen und in der Umwelt landen. Dieser dann fehlende Einstreu muss obendrein ersetzt werden, um die Bespielbarkeit weiterhin zu gewährleisten.

In der Politik angekommen ist das Thema ebenfalls: Am Montag forderte Florian von Brunn, umweltpolitischer Sprecher der bayerischen Genossen, die Staatsregierung auf, Gemeinden und Vereine „bei der Realisierung von umweltfreundlichen Alternativen“ zu unterstützen. Die SPD-Landtagsfraktion sei angesichts der Berichterstattung über die Mikroplastikbelastung durch Kunstrasenplätze „besorgt“, so von Brunn. „Wie Forschungen ergeben haben, sind Sport- und dabei besonders Kunstrasenplätze möglicherweise die drittgrößte Quelle für Mikroplastik. Insbesondere in Gewässernähe bilden sie dadurch eine Gefahr für Verunreinigungen.“

SV Ascholding mit umweltfreundlicher Alternative des Granulats

Auch den SV Ascholding lässt die Problematik nicht kalt. „Das Thema Mikroplastik ist Ende vergangener Woche bei uns aufgeschlagen“, sagt Hansi Makrutzki. Natürlich mache sich der Verein Gedanken, „niemand von uns will die Umwelt schädigen“. Ein neuerliches Gespräch mit der Firma, die den Platz bauen soll – ein Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen –, habe eine Alternative ergeben. Laut dem Spartenleiter besteht neuerdings „die Möglichkeit, ein Granulat auf Hanfbasis einzustreuen“. Näheres wisse er noch nicht. Genaueres zu Haltbarkeit, Umweltverträglichkeit und Preiswollen er und sein Vorstandskollege Matthias Schöpf nun abklären. „Vielleicht können wir ja so eine Art Vorreiterrolle hier in der Region übernehmen und bekommen so noch einen kleinen Rabatt“, hofft Makrutzki.

Bislang kalkuliert der SV Ascholding mit Kosten von rund 70 000 Euro.  „Eine Anschaffung dieser Art, die in unserer Gemeinde einmalig ist, hat leider ihren Preis“, sagt Makrutzki. Die Gemeinde Dietramszell wolle einen Zuschuss beisteuern. Dessen Höhe stehe aber noch nicht fest. Den Rest müssen der Fußballchef und seine Mitstreiter „selbst stemmen“. Geld fließen soll zum einen über eine 426 Quadratmeter große Sponsorentafel, auf der ein Quadratmeter zum Preis von 50 Euro zu haben ist. Ein Drittel der Fläche ist an den Mann respektive die Frau gebracht. Wer es etwas exklusiver haben möchte, kann für 600 bis 1200 Euro – je nach Position und Einsehbarkeit – einen Werbeplatz auf einem der 47, ein Meter hohen und drei Meter breiten Bande-Teilstücke buchen. Der Preis beinhaltet „die Anschaffungskosten und Bedruckung“, so Makrutzki. Zwei Drittel seien bislang verkauft.

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