Fußballer mit Köpfchen: Christoph Herberth, einer der erfolgreichsten Landkreis-Kicker überhaupt, will nach seinem Karriereende beim TuS Geretsried künftig mehr Zeit der Familie und seinen beiden Firmen widmen.  
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Fußballer mit Köpfchen: Christoph Herberth, einer der erfolgreichsten Landkreis-Kicker überhaupt, will na ch seinem Karriereende beim TuS Geretsried künftig mehr Zeit der Familie und seinen beiden Firmen widmen.  

„Die Zeit in Rosenheim war die beste“

Christoph Herberth erklärt sein überraschendes Karriereende 

  • Thomas Wenzel
    vonThomas Wenzel
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TuS Geretsried: Christoph Herberth erklärt sein überraschendes Karriereende. Mit erst 30 Jahren hängt er seine Schuhe an den Nagel und widmet sich seiner Firma und Familie.

Geretsried – Der Abschied ging fast leise vonstatten. Via Whatsapp machte ein Foto die Runde – zwei Fußballschuhe aufgehängt an einem Nagel in der Kabine des TuS Geretsried. Das Echo auf die Nachricht, dass Christoph Herberth seine Karriere mit sofortiger Wirkung beendet hat, war jedoch laut. „Über alle Kanäle kamen Reaktionen, über Soziale Medien, Mail, Telefon. Und von überall her – von Freunden, Mitspielern, ehemaligen Kollegen“, berichtet der 30-jährige Kapitän des Landesligisten.

Mit 1860 Rosenheim klappt der Aufstieg in die Regionalliga

Die Frage nach dem „Warum?“ war natürlich die meistgestellte an den Geretsrieder Abwehrchef, der unter anderem mit den B-Junioren des FC Bayern München Deutscher Meister (2007) wurde und mit dem TSV 1860 Rosenheim 2012 in die Regionalliga aufgestiegen ist. „Meine Entscheidung habe ich bereits Anfang des Jahres getroffen. Es war nur die Frage, wann der passende Zeitpunkt ist“, erklärt Herberth. Seit seinem neunten Lebensjahr habe der Fußball seinen Alltag komplett bestimmt und ihm auch – so sein Eindruck in jüngster Vergangenheit – viel Zeit geraubt. „Dadurch kommen meine Familie und der Beruf zu kurz“, gibt der gebürtige Geretsrieder zu bedenken, der seit 2015 die Merchandising-Firma „Furevo“ und die Social-Media-Agentur „Socentic Media“ betreibt.

Großes Kompliment an das Trainergespann des TuS Geretsried Martin Grelics und Martin Steeb

Allerdings räumt Herberth auch ein, dass sportlich eine gewisse Stagnation erfolgt ist: „Wir werden mit dem TuS den Aufstieg in die Bayernliga heuer nicht mehr schaffen. Und das Hin und Her wegen Corona hat mir meine Entscheidung auch erleichtert.“ Schwer tat sich der 1,81 Meter große und 75 Kilogramm schwere Innenverteidiger jedoch, seinen Übungsleitern Martin Grelics und Christian Steeb die Nachricht zu überbringen: „Sie sind gemeinsam mit Dirk Teschke und Thomas Holz aus meiner Rosenheimer Zeit das beste Trainergespann, das ich je hatte. Martin vereint einfach fachliche und soziale Kompetenz.“

Und Trainer hat Herberth während seiner langen und erfolgreichen Karriere schon einige erlebt. Los ging es in der F-Jugend bei den Fußball-Freunden Geretsried. Mit neun Jahren nahm er an einem Talentsichtungstag des FC Bayern München teil. „Eigentlich nur deshalb, weil ich unbedingt ein Trikot haben wollte.“ Doch die Coaches des deutschen Rekordmeisters erkannten das Talent des Geretsrieder Buben. Dass er zehn Jahre an der Säbener Straße bleiben durfte, ist eine beachtliche Leistung: „Jede Saison sind drei bis fünf meiner Teamkollegen wieder weggeschickt worden und drei Neue gekommen.“ Am Ende waren es nur eine Handvoll Kicker, die gemeinsam mit Herberth den Weg durch den FCB-Nachwuchs schafften – zum Beispiel Diego Contento (heute SV Sandhausen), Mario Erb (TSG Hoffenheim II), Mehmet Ekici (Fenerbahce Istanbul) und Jonas Hummels, der bereits seine Karriere beendet hat.

Deutscher Meister der B-Jugend unter Stefan Beckenbauer

Gute Kontakte pflegt der Geretsrieder auch noch zu den weiteren Talenten aus dem Landkreis, die damals drei- bis viermal pro Woche von ihren Eltern zum Training nach München gebracht wurden. „Da gab es richtige Fahrgemeinschaften. Meine Mutter Emma hat dann immer die Zeit am Gelände verbracht, bis das Training zu Ende war.“ Den Eltern war es aber auch wichtig, dass der junge Kicker die Schule nicht vernachlässigte. Entsprechend stressig hat Herberth die Zeit rund um die Abiturprüfungen am Geretsrieder Gymnasium in Erinnerung: „Wir spielten mit der B-Jugend gerade um die Deutsche Meisterschaft.“ Nachdem die Münchner unter ihrem 2015 gestorbenen Trainer Stefan Beckenbauer den 1. FC Kaiserslautern und Hertha BSC Berlin ausgeschaltet hatten, kam es zum Endspiel gegen Borussia Dortmund in deren Stadion „Rote Erde“. „Wir haben 1:0 gewonnen“, freut sich der Innenverteidiger noch heute.

Zehn Jahre im Nachwuchs des FC Bayern

Allerdings hieß es für ihn damals Abschied nehmen, denn für die nächste Saison war auf seiner Position der spätere Nationalspieler Holger Badstuber nachgerückt. „Weil ich aber offenbar während der Finalserie sehr gute Leistungen gezeigt hatte, kam es nur zu einer Ausleihe für ein Jahr nach Unterhaching.“ Mit der A-Jugend der Spielvereinigung schaffte der Geretsrieder den Aufstieg in die Bundesliga und kehrte dann zum FC Bayern zurück. Dort absolvierte er 20 Partien in der U 19-Bundesliga an der Seite von heute erfolgreichen Profis wie David Alaba (FC Bayern), Christoph Knasmüllner (Rapid Wien), Andreas Voglsammer (Arminia Bielefeld) sowie Nicola Sansone und Roberto Soriano (beide FC Bologna). Warum es letztlich mit dem Sprung in den Profibereich nicht geklappt hat, kann Herberth, der mittlerweile wieder in Unterhaching angeheuert hatte, nicht sagen: „Ich war beim Probetraining bei Wacker Burghausen und beim 1. FC Nürnberg. Aber irgendwie hat’s nicht ganz gereicht, und außerdem hat mich dann das Projekt in Rosenheim mehr gereizt.“

Master-Abschluss im Studienfach Sportmanagement für Christoph Herberth

Beim dortigen TSV 1860 war mittlerweile groß aufgerüstet worden. Für den Geretsrieder ließ sich der Bayernliga-Fußball gut mit seinem Sportmanagement-Studium verbinden, das er in Erding absolvierte. „Das war fußballerisch betrachtet die beste Zeit. In diesen vier Jahren habe ich auch viele Freunde fürs Leben gefunden.“ Immerhin gelang den Rosenheimern unter anderem mit Andreas Voglsammer, Michael Kokocinski und Robert Mayer der Aufstieg in die Regionalliga. „Und wir waren in der ersten Runde des DFB-Pokals dabei, haben allerdings gegen Rot-Weiß Ahlen mit 1:2 verloren.“ Am Ende versiegten die Geldquellen, die Insolvenz wurde gerade noch abgewendet. Herberth ging noch für eineinhalb Jahre zum Lokalrivalen Sportbund, ehe es ihn in Richtung Heimat zog. „Der TuS hat sich damals richtig um mich bemüht. Und mit unserem Abteilungsleiter Ibro Filan habe ich ein super Verhältnis.“

Christoph Herberth gründet seine eigene Firma „Furevo“ mit Stefan Buntscheck

Anfangs arbeitete er noch für das Ismaninger Institut für Fußball-Management. Doch Ende 2015 gründete er gemeinsam mit Stefan Buntscheck die Sportartikel-Firma „Furevo“, die mittlerweile in Gelting ansässig ist. Die Idee hinter dem Unternehmen ist, für Fußball-Klubs in unteren Ligen individuelle, hochwertige Merchandising-Produkte in kleinen Mengen herzustellen. Parallel dazu gründete Herberth mit dem ehemaligen Waldramer Fußballer Christopher Utz die Marketing-Agentur „Socentic Media“. „Wir haben mittlerweile einen Stamm von 50 Partnern, die wir betreuen. Das sind Firmen, Sportler und Musiker“, erklärt der Master-Absolvent.

Das Karriereende bei der TuS Geretsried: „Wohlüberlegter Schritt“

Und auch die Familie nahm im Laufe der Zeit eine immer wichtigere Rolle ein. 2018 folgte die Hochzeit mit seiner langjährigen Freundin Anja, ein Jahr später kam Tochter Luna zur Welt. „Meine Frau wusste natürlich als Erste Bescheid, dass ich mit dem Fußball aufhören möchte“, sagt Herberth. Auch die Eltern – Vater Guido ist Trainer der DJK Waldram – und Bruder Matthias (ebenfalls Abwehrspieler bei der DJK) wurden informiert. „Sie haben’s gespürt, dass ich diesen wohl überlegten Schritt gehen werde.“ Der 30-Jährige ist sich sicher, „dass ich es nicht bereuen werde“. Auch ein Comeback auf irgendeinem Dorf-Fußballplatz kann er sich nicht vorstellen: „Ich habe den Fußball von oben herunter kennengelernt. Und die Landesliga ist die unterste Grenze.“ Ganz ausschließen will der Geretsrieder, der seine gesamte Karriere über immer erster oder zweite Kapitän seiner jeweiligen Mannschaft war, ein Comeback jedoch nicht – allerdings nur auf einer bestimmten Position: „Ob ich mal als Trainer in den Fußball zurückkehre, das lasse ich mir offen.“ (Thomas Wenzel)

Ein paar private Fragen zum Abschluss:


Auf welche Leistung sind Sie stolz? 

Deutscher Meister in der B-Jugend mit dem FC Bayern. 

Was können Sie überhaupt nicht leiden?

Stagnation (in allen Belangen). 

Worüber können Sie herzlich lachen? 

Über meine Tochter Luna.

 Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?

 „Der Mönch, der seinen Ferrari verkaufte – eine Parabel vom Glück“ von Robin Sharma.

 Drei Dinge für die einsame Insel… 

Handy, Furevo-Cap und ein gutes Buch.

 Wer ist Ihr sportliches Vorbild?

 Sergio Ramos.

 Welche Schlagzeile würden Sie gerne über sich lesen? 

„Es gibt kein Zurück mehr: Christoph Herberth beendet seine aktive Karriere mit 30 Jahren“.

Ihr Lieblingsessen? 

Pasta von meinem Geschäftspartner Stefan Buntscheck. 

Welches Lied darf auf Ihrer Play-List auf keinen Fall fehlen?

 Die Toten Hosen: „Ich würde nie zum FC Bayern gehen“. 

Ihre Lebensweisheit/Motto? 

„Wer aufhört, besser werden zu wollen, hat aufgehört, gut zu sein.”

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