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Schwere Verletzung: Berger kann seit fünf Monaten nicht zur Arbeit - TuS-Kicker im Interview

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Von: Rudi Stallein

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„Vielleicht klappt es, dass ich die letzten drei, vier Spiele Ende Mai noch mitmachen kann“: TuS-Fußballer Anton Berger (li.) aus Lenggries befindet sich nach seiner schweren Knieverletzung noch im Aufbautraining.
„Vielleicht klappt es, dass ich die letzten drei, vier Spiele Ende Mai noch mitmachen kann“: TuS-Fußballer Anton Berger (li.) aus Lenggries befindet sich nach seiner schweren Knieverletzung noch im Aufbautraining. © rudi stallein

Anton Berger startete verheißungsvoll mit dem TuS Geretsried. Doch im zweiten Ligaspiel verletzte er sich schwer. Seit Juli 2021 kann er nicht mehr zur Arbeit.

Lenggries/Geretsried – Mit großen Hoffnungen war Anton Berger im vergangenen Sommer vom Lenggrieser SC zum TuS Geretsried gewechselt. Nach verheißungsvollen Auftritten in der Vorbereitung wollte der 23-jährige Fußballer auch in der Landesliga durchstarten. Doch der Höhenflug wurde durch eine schwere Knieverletzung jäh gestoppt. Seither arbeitet der Maurer fieberhaft an seinem Comeback.

„Vielleicht klappt es, dass ich die letzten drei, vier Spiele Ende Mai noch mitmachen kann“, erzählt er im Interview mit unserem Mitarbeiter Rudi Stallein.

Herr Berger, das vergangene Jahr hatten Sie sich sicher anders vorgestellt?

Ja klar. Geretsried wollte schon eine Saison vorher, dass ich zu ihnen komme. Aber da habe ich abgesagt, weil ich noch mit Lenggries aufsteigen wollte. Wir standen auf dem zweiten Platz, die Relegation hätten wir sicher erreicht, aber dann ist Corona dazwischen gekommen (nur der Tabellenerste stieg auf, Relegationsspiele wurden abgesagt, Anm. d. Red.).

Danach sind Sie zum TuS gewechselt ...

Ja, es ist eigentlich auch alles gut gelaufen, die Mannschaft war gut. Ich habe gleich gespielt, war immer dabei.

Dann kam der zweite Landesliga-Spieltag gegen Gilching ....

Das war ziemlich bitter. Es ist schon früh passiert, so um die 30. Minute rum. Ich habe den Gegenspieler mit Vollgas angelaufen, er ist an mir vorbei, ich habe eine Richtungsänderung gemacht, dann hat’s im Knie auch schon geschnackelt und gekracht. Und es hat brutal wehgetan.

War Ihnen gleich klar, dass es wohl schlimmer ist?

Ja, eigentlich schon. Die Diagnose – Kreuzbandriss, Innen- und Außenmeniskus angerissen – kam am nächsten Tag bei der MRT-Untersuchung in der Klinik in Bogenhausen. Eine Woche später bin ich operiert worden. Es ist alles gut verlaufen.

Haben Sie jetzt, mit ein paar Monaten Abstand, eine Idee, was der Grund für die Verletzung gewesen sein könnte?

Ich habe schon mal gedacht, dass es vielleicht die Eisenstollen waren. Ich habe nämlich einem Lenggrieser Kollegen danach meine Fußballschuhe geschenkt. Und der, das war der Leo Gerg, der hat sich mit meinen Schuhen auch das Kreuzband gerissen. Aber ich glaube eher, dass es vielleicht Überbelastung nach den Wochen vorher.

Sie waren jedenfalls gleich wieder am Geretsrieder Fußballplatz, haben beim Training zugeschaut und bei den Spielen. War das Teil der Therapie?

Ja mei, wenn man krankgeschrieben ist, dann wird die Langeweile schnell größer (lacht). Aber ich finde auch, das gehört sich einfach, wenn man Teil der Mannschaft ist, dass man zu den Heimspielen geht und zu den Auswärtsspielen mitfährt. Und donnerstags bin ich meist noch zur Abschlussbesprechung gekommen. Es gibt ja viele Kollegen, mit denen ich gut auskomme – mit denen habe ich öfter mal ne Halbe getrunken (schmunzelt). Das gehört sich als Mannschaftsspieler, dass man sich da blicken lässt.

Wie ging es nach der Operation weiter?

Ich habe schon relativ schnell wieder angefangen, mit Physiotherapie, Krankengymnastik, Lymphdrainagen – was man halt gleich schon machen kann. Mein Fehler war, dass ich in der Reha gleich wieder zu viel trainiert habe. Dadurch wurde das Knie gereizt und ich musste etwas länger pausieren. Bei einem Kreuzbandriss dauert es ja zehn bis zwölf Monate, bis man für Punktspiele wieder fit ist. Aber das hängt auch vom Heilungsverlauf ab.

Wie geht es Ihnen aktuell?

Es ist jetzt erst knapp sechs Monate her, der Verlauf ist recht gut. Aber weil ich ein sehr ungeduldiger Mensch bin, wenn’s um so was geht, dauert es immer zu lange. Die Füße stillhalten, ist schwierig. Aber es ist nicht mehr wie am Anfang die Gefahr, dass ich zu viel Gas gebe. Jetzt habe ich es kapiert (lacht).

Wie sieht der Alltag aus?

Nach zwei, drei Monaten ist es nicht mehr so interessant, jeden Tag daheim zu sein. Aber es ist jetzt einfach so. Morgens steht eine Stunde Radeln auf dem Ergometer an, danach Körperstabilisation und Dehnen. Wenn es geht, treffe ich mich mit Freunden zum Kartenspielen oder ich gehe Spazieren, mache lockeres Training. Leider kann ich derzeit auch noch nicht arbeiten. Ich hoffe, dass das bald wieder geht.

Sie waren bei fast allen TuS-Spielen als Zuschauer dabei …

Nur zwei habe ich verpasst. Eins wegen der Operation und eins, weil ich in Quarantäne war …

Wie ist das, wenn man die negative Entwicklung, wie sie die Mannschaft genommen hat, von draußen erlebt?

Das war schon sehr schwierig. Man mag ja doch immer weiterhelfen. Und wenn man dann den Tabellenstand sieht und kann nur zu zuschauen – das war nicht schön. Aber was bei uns los war mit den vielen Verletzten, das ist schon extrem bitter gelaufen.

Viel Kritik gab es auch wegen der Urlaubsplanung und der allgemeinen Einstellung von Spielern. Berechtigt?

Zum Teil sicher. Ich komme vom Dorf – ich glaube, da geht man es etwas anders an. Wir spielen Landesliga, das ist doch eine hohe Liga. Da verstehe ich nicht, dass manchem Spieler da die Ernsthaftigkeit fehlt. Ich weiß nicht, ob es dem einen oder anderen egal ist, ob wir absteigen? Sowas nervt mich, wenn ich zuschauen muss.

Wann soll das Zuschauen denn ein Ende haben. Wie ist Ihre Planung?

Im Augenblick freue ich mich, dass es wieder ein bisschen bergauf geht. Aber ich merke auch, dass es noch weit fehlt. Deshalb sehe ich das mit gemischten Gefühlen. Insgeheim habe ich schon das Ziel, dass es noch mal klappt in dieser Saison, dass die letzten drei, vier Spiele vielleicht noch möglich sind.

Wie sehen Sie die Chancen auf den Klassenerhalt?

Eigentlich gut. Wenn der Kern der Mannschaft komplett wäre, würden wir nicht da unten stehen. Es waren permanent sieben, acht Spieler nicht fit. Wenn wir die immer gehabt hätten, wären wir garantiert unter den ersten Acht in der Tabelle dabei. In der Vorbereitung waren wir mit Bayernligisten auf Augenhöhe. Deshalb verstehe ich nicht, dass wir da unten stehen. Im Augenblick fehlen im Training noch einige Verletzte. In drei, vier Wochen kann man mehr sagen. Aber ich hoffe, dass wir da rauskommen. Manchmal ist dabei die Einstellung wichtiger als das Können.

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