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Ibro Filian: „Bei manchen Berichten habe ich den Kopf schütteln müssen“

Saison notfalls bis 2021

Ibro Filian: „Bei manchen Berichten habe ich den Kopf schütteln müssen“

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Der BFV hält seine Vereine auf dem aktuellen Stand und prüft alle Optionen. Ibro Filian und Robert Rieker berichten über die aktuelle Lage beim BFV und in ihren Vereinen.

Geretsried/Bad Heilbrunn– Die anderen hatten es leichter als der Fußball. Das darf man sagen. Basketball, Volleyball, Eishockey, Tischtennis – in diesen Sparten war bereits ein Großteil der Saison gespielt. Die Funktionäre entschieden schnell, die Saison zu beenden, als das Corona-Virus Deutschland erreichte. Im (Amateur-)Fußball steht dagegen noch ein beträchtlicher Teil der Spiele aus. Aus Angst vor einer Klagewelle der Vereine hat die höchste Instanz, der Deutsche Fußballbund (DFB) entschieden: Die aktuelle Spielzeit wird fortgesetzt. Zur Not auf Kosten der Saison 2020/21. „Sofern kein Abbruch gewollt ist, könnte das Spieljahr 2020/2021 zu einem späteren Zeitpunkt beginnen oder notfalls sogar ganz oder teilweise entfallen“, sagt DFB-Vizepräsident Rainer Koch.

„Wir wollen die Saison, zu Ende spielen, um sportliche Ungerechtigkeiten zu vermeiden.“

Am Wochenende informierte er persönlich die Klubs im Kreis Zugspitze über die Lage. Der Bayerische Fußballverband (BFV) hatte eine Internet-Konferenz eingerichtet. 111 Teilnehmer zählten die Organisatoren. Bei den Mannschaften kam die virtuelle Zusammenkunft sehr gut an. „Ganz großen Respekt vor der Veranstaltung“, sagt etwa Robert Rieker, Vorsitzender des SV Bad Heilbrunn. Um das Spieljahr zu verlängern, hat der DFB seine Spielordnung auf die Auswirkungen der Corona-Krise zugeschnitten. Die Vereine können Spielberechtigungen, Wechselfristen und Verträge mit ihren Fußballern zeitlich anpassen. Im Falle eines Saisonabbruchs hält der Verband zudem Sonderregelungen zu Auf- und Abstieg für möglich. Koch betont: Mit dem Paket können die 21 Landes- und fünf Regionalverbände „so flexibel wie möglich auf diese Ausnahmesituation und neue Entwicklungen“ reagieren. Bis 19. April bleibt der Spiel- und Trainingsbetrieb im Amateurbereich ausgesetzt. Nach einer Vorlaufzeit von mindestens 14 Tagen könnte er – frühestens – Anfang Mai weitergehen. Damit rechnet keiner. Bezirkschef Robert Schraudner bekräftigte aber, dass ein Abbruch vermieden werden soll. „Das wäre das Worst-Case-Szenario. Von uns weiß auch keiner, wann es weitergeht, aber wir wollen die Saison, wenn es irgendwie geht, zu Ende spielen, um sportliche Ungerechtigkeiten zu vermeiden.“

Denkbar wäre sogar, alle Pflichtspiele im Jahr 2020 zu streichen

15 Modelle haben die Verantwortlichen diskutiert. Genauso das Thema Geisterspiele. Denkbar wäre sogar, alle Pflichtspiele im Jahr 2020 zu streichen und erst im März 2021 mit den jetzigen Zwischenständen zu starten. Zunächst wartet der Verband die weiteren Entschlüsse der Landesregierung ab. Sicher ist nur, dass die Regelung für alle Amateurligen im Männerbereich gilt. Für Frauen und Jugend könnte es Abweichungen geben. „So ganz schnell wird es einen Spielbetrieb nicht geben. Man muss sich nur vorstellen: Sobald Corona-Fälle auftreten, müsste die betreffende Mannschaft wegen der Quarantäne für zwei Wochen aus dem Spielbetrieb genommen werden“, erklärt Schraudner.

„Bei manchen Berichten habe ich den Kopf schütteln müssen“

Das Vorgehen des Verbands verstehen viele. Ibro Filan vom TuS Geretsried hätte die Saison zwar lieber abgeschlossen, betont aber: „Das sind Entscheidungen, die keiner treffen mag, bei denen es kein Richtig oder Falsch gibt. Wir werden es so machen, wie es der Verband vorsieht.“ Ihn stören vielmehr die Forderungen in der Szene, wie DFB und BFV zu entscheiden haben. Für ihn sind das „keine geistreichen Aussagen“. „Bei manchen Berichten habe ich den Kopf schütteln müssen.“

Der Sportliche Leiter beim TuS hält andere Dinge für deutlich wichtiger: Zusammenhalt, Gesundheit, die Wirtschaft. „Der Fußball steht ganz weit hinten.“ Unabhängig von Corona hat er mit Trainer Martin Grelics sowie fast allen Kickern verlängert. Die talentierten U19-Spieler, die in der neuen Saison für die Landesliga vorgesehen sind, fragte er mit dem Trainer via Telefonkonferenz ab. Auch sie bleiben. „Die Mannschaft hält zusammen“, sagt Filan. Fitnesscoach Sebastian Jocham bietet Einheiten im Internet an. Trainer Grelics analysierte ein Spiel im Video. Der Sportchef lobt: „Das Trainer-Team ist irre, das lässt die Jungs nicht alleine stehen.“

„Für die Jungen ist die Situation der GAU“

HSV-Chef Rieker bestätigt: „Für die Jungen ist die Situation der GAU.“ Alle möchten raus, sei’s auf den Platz oder ins Vereinsheim. Selbst Rudi Vitu, Vereinslegende und Gründungsmitglied, vermisst den Fußball in Bad Heilbrunn. Montag feierte er seinen 84. Geburtstag. Alleine saß er daheim, nicht einmal die Familie durfte ihn besuchen. Rieker hat mit ihm telefoniert. „Man lebt diese Gemeinschaft“, sagt er. Trotzdem unterstützt er Koch und die Verbandspläne. „Genau richtig“, findet es Rieker, weiter abzuwarten. Ihm hat’s gutgetan, eine andere Sicht, eine von außerhalb zu hören. „Man selbst hat nur einen begrenzten Vereinshorizont.“ Für ihn sind solche Gespräche, dieser Austausch die Gewinne der Krise. „Man versteht seinen Verband wieder besser.“ Und ein bisschen was ist in Heilbrunn trotz der Corona-Pause auch so zu tun. Mit einigen Helfern hat er am Platz gewerkelt, Löcher gegraben, Stangen befestigt. Auflagen für einen Startplatz in der Landesliga, den der HSV notfalls im neuen Jahr verteidigen möchte.

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