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„Wir waren vom Kopf her müde“: Waldrams Kapitän Florian Häfner (hier gegen Eglings Maximilian Dissinger) setzt sich im Interview kritisch mit dem miserablen Saisonstart und dem Trainerwechsel auseinander.

Fussball: Kreisliga

„Wussten, dass wir da nicht hingehören“

Der Waldramer Kapitän Florian Häfner über den Absturz der DJK und die Aufholjagd seit dem Re-Start.

Waldram – Jahrelang hatten sie ein Abonnement auf die Aufstiegsrelegation. Doch vergangenen Winter fanden sich die Fußballer der DJK Waldram nach teilweise katastrophalen Vorstellungen plötzlich auf dem vorletzten Platz der Kreisliga wieder. Seit dem Re-Start allerdings präsentiert sich das Team um Kapitän Florian Häfner leistungsmäßig runderneuert und katapultierte sich regelrecht aus dem Tabellenkeller – mit vier Siegen und einem Unentschieden aus fünf Spielen sowie einem Torverhältnis von 16:5. „Wir haben gewusst, dass wir da unten nicht hingehören“, freut sich der Verteidiger, der neuerdings nicht nur auf der rechten Außenbahn für Druck sorgt. Er redet auch unverblümt Klartext, wie unser Mitarbeiter Rudi Stallein feststellen durfte, der sich mit dem 28-jährigen Einzelhandelskaufmann nach dem 2:0-Sieg gegen die SF Egling-Straßlach unterhielt.

Herr Häfner, Ihre Mannschaft hat sich schwergetan gegen den Tabellenletzten?

Definitiv!

Woran hat’s gelegen?

Solche Begegnungen sind für uns immer schwierig, weil wir dann das Spiel machen müssen. Da hat uns die Kreativität gefehlt. Klubs wie zuletzt Kreuth oder Lenggries versuchen mitzuspielen, da ergeben sich mehr Räume. Da tun wir uns leichter. Die Sportfreunde hingegen haben sich komplett zurückgezogen. Die haben uns zwar nicht in Bedrängnis gebracht, aber wir hatten auch keine Ideen. Am Ende haben wir 2:0 gewonnen – das zählt.

Seit dem Re-Start läuft es bei der DJK wieder wie in besten Zeiten. Woran liegt‘s?

Daran hat im Augenblick Rudi Ettenhuber großen Anteil. Er ist nah dran an der Mannschaft, kennt die Spieler seit zig Jahren. Er weiß genau, wie er uns ansprechen muss. Es sagt nicht viel, aber auf den Punkt, ganz einfache Sachen. Dass die Tabelle vollkommen egal ist, man keinen Gegner unterschätzen darf. Vorher haben wir schon mal geschaut, wo die anderen stehen und haben gesagt, die hauen wir weg. Das war dann oft nicht so. Dass der Rudi da ist, hat – glaube ich – auch dem Guido Herberth am Anfang geholfen, reinzukommen, weil er die Verhältnisse hier genau kennt.

Es ist auffällig, dass sich die Spieler auf dem Platz auch untereinander anders verhalten als in der verkorksten Hinrunde ...

Ja, die Chemie stimmt absolut. Es läuft wieder rund. Jeder hat wieder Bock auf Fußball.

Das war also nicht immer so ....

Nein. Wir haben in fünf Jahren vier Mal Relegation gespielt und sind immer gescheitert. Irgendwann ist man vom Kopf her müde. Vielleicht waren wir auch überspielt. Plötzlich spielten private Sachen eine größere Rolle. Jeder hatte Ausreden, warum er nicht ins Training gehen kann und so weiter.

Das klingt ungewohnt selbstkritisch. Dann waren nicht nur die Trainer Schuld…

Klar, es lag sicher nicht allein an den Trainern, dass wir aus den ersten 13 Spielen nur 12 Punkte geholt haben. Aber für Johann Latanskij und Günter Wernthaler war die Situation aus den vorgenannten Gründen ebenfalls schwierig.

Jetzt demonstriert Ihr wieder Teamgeist, wie auch die neuen Trainer Guido Herberth und Rudi Ettenhuber immer wieder betonen.

Ja, es macht allen wieder Spaß. Jeder reißt sich zusammen. Es ist wieder mehr Zug im Training. Das ist aber auch der Tatsache geschuldet, dass wir wegen Corona ein halbes Jahr lang keinen Fußball spielen konnten. Die lange Pause hat vielen wohl gutgetan (lacht).

Was ist jetzt anders?

Es hat ein extremer Wandel stattgefunden. Plötzlich ist alles positiv. Wir versuchen, die jungen Spieler zu integrieren. Es wird niemand angeschrien. Vorher sind wir schon mal aneinandergeraten – das haben wir komplett abgestellt. Aber das lag vielleicht auch daran, dass wir keinen Erfolg hatten. Dann ist die Stimmung allgemein schlecht.

Was machen die neuen Trainer anders?

Sie haben wieder Zug reingebracht. In der Hinrunde war es für beide Neuland. Jetzt merkt man, dass die neuen Trainer viel Erfahrung haben. Wir müssen nicht in jedem Training 17 neue Übungen machen. Stattdessen machen wir nur zwei, drei Sachen, aber die perfektionieren wir so, bis es auch im Abschlussspiel erkennbar wird.

Was ist das Ziel für den Rest der Saison?

Wir sind erst mal froh, dass wir raus sind aus dem Tabellenkeller. Wir haben alle gewusst, dass wir da nicht hingehören. Jetzt hat es die Mannschaft auch begriffen. Wir schauen von Spiel zu Spiel und wollen so viele Punkte wie möglich holen.

Aber nun ist erst mal wieder für lange Zeit Punktspielpause ...

Ja, aber das gilt auch für den Ligapokal. Den nehmen wir total ernst. Am besten wäre, wir holen zwölf Punkte aus den vier Spielen. Wenn wir den Pokal gewinnen, können wir womöglich auf diesem Weg noch aufsteigen. Und warum sollen wir das nicht schaffen? In der Verfassung, in der wir jetzt sind, können wir jeden Gegner schlagen. Relegation können wir ja nicht, deshalb setzen wir jetzt auf K.o.-Spielele (lacht).

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